Harting: "Kreuzbandriss war mein Heilsbringer"

Robert Harting zog sich 2014 einen Kreuzbandriss und arbeitete lange an seinem Comeback

Knapp eine Woche vor Beginn der Leichtathletik-WM in London wartet Diskuswerfer Robert Harting mit bemerkenswerten Aussagen auf. Den Kreuzbandriss, den er sich 2014 zugezogen hatte, bewertet der 32-Jährige im Nachhinein positiv.

"So merkwürdig sich das anhört, aber der Kreuzbandriss war mein Heilsbringer", sagte Harting der Welt am Sonntag: "Bis dahin gab es nur Diskuswerfen, Piotr (Malachowski, Hartings Dauerrivale aus Polen, Anm. d. Red.) und mich und Polen und Deutschland. Die Verletzung hat meinen Kopf aufgeräumt."

Harting gibt zu, extrem ehrgeizig gewesen zu sein, und dem Erfolg im Sport alles untergeordnet zu haben. "Wenn mehrere Herausforderungen gleichzeitig anstanden, fühlte ich mich in meinem Element. Ich war schon ein kleiner Junkie. Überall Feuerwerk. Heute reicht es mir, wenn ich eine Rakete im Jahr richtig zünde", erklärte der dreimalige Weltmeister.

"Gemerkt, was für ein kleiner Wicht ich war"

Seine schwere Verletzung habe ihm ein wenig die Augen geöffnet.  Als er im Krankenwagen lag, "merkte ich erst einmal, was für ein kleiner Wicht ich war, in was für einer Pseudowelt ich als Sportler lebte. Für mich ging die Welt unter."

Zwischen 2009 und 2014 hatte Harting unter anderem dreimal WM-Gold, zwei EM-Titel sowie Olympia-Gold gewonnen. Seit seinem Kreuzbandriss blieben ihm große Erfolge verwehrt.

Bei den olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 lief ihm sein Bruder Christoph den Rang ab, er selbst scheiterte in der Qualifikation.

Doch vor seinen letzten Weltmeisterschaften in diesem Jahr haben sich die Machtverhältnisse wieder geändert. Christoph Harting ist nicht qualifiziert, Robert kämpft um Edelmetall.