Harte Fronten zwischen IG Metall und Arbeitgebern bei den Tarifverhandlungen

Demonstration mit Gewerkschaftsfahnen

Die einen fordern weniger Arbeitszeit, die anderen mehr: Mit gegensätzlichen Positionen von Gewerkschaftern und Arbeitgebervertretern haben am Mittwoch die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie begonnen. Unterstützung für ihre Forderungen erhielten die Tarifparteien aus der Politik. Die IG Metall setzt sich unter anderem für das Recht auf eine 28-Stunden-Woche ein.

Die Verhandlungsdelegationen der norddeutschen Tarifgebiete trafen sich am Vormittag in Hamburg, Hannover und Berlin. Vor den Verhandlungen hatte die IG Metall jeweils Kundgebungen organisiert. Bei der größten Veranstaltung in Hamburg zogen nach Gewerkschaftsangaben etwa 1500 Menschen zur Speicherstadt.

Nach Angaben von Teilnehmern war die Stimmung bei den Verhandlungen diesmal angespannter als in den Vorjahren. Das lag daran, dass sowohl Gewerkschaft als auch Arbeitgeber mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit fordern - die IG Metall nach unten, die Arbeitgeber nach oben.

Ginge es nach der Gewerkschaft, hätte jeder Beschäftigte das Recht, die Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre auf 28 Stunden in der Woche zu beschränken und danach wieder auf Vollzeit zurückzukehren. Die Arbeitgeber lehnen ein Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit ab und fordern außerdem, dass sie die Beschäftigten flexibler länger als 35 Stunden in der Woche arbeiten lassen können.

Beide Seiten warfen sich nach den Verhandlungen vor, die "Zeichen der Zeit" nicht zu sehen und wiesen die Forderungen der Gegenseite zurück. Beim Thema Lohnsteigerung schien es wegen der guten wirtschaftlichen Lage der Branche mehr Kompromissbereitschaft zu geben. Die IG Metall fordert für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie sechs Prozent mehr Geld.

Der Vorsitzende der Linken, Bernd Riexinger, regte eine gesellschaftliche Diskussion über eine 30-Stunden-Woche als "Normalarbeitszeit" an und erklärte die Solidarität seiner Partei mit der IG Metall. Der für Beschäftigung zuständige EU-Kommissar Jyrki Katainen sprach sich im "Focus" gegen eine generelle Reduzierung der Wochenarbeitszeit aus.

Wie unterdessen aus Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Civey für die Nachrichtenportale "Spiegel Online" und "T-Online" hervorging, bevorzugt die Mehrheit der Deutschen den klassischen Acht-Stunden-Arbeitstag. Demnach gaben fast 68 Prozent der Befragten an, dass sie feste Arbeitszeiten und nur begrenzt erreichbar sein wollen. 61 Prozent sprachen sich gegen eine Lockerung des Acht-Stunden-Tags aus.

Am Nachmittag sollten sich die Vertreter von Arbeitgebern und Beschäftigten in der wichtigen Tarifregion Baden-Württemberg treffen, die schon oft die Führungsrolle in späteren Phasen der Verhandlungen eingenommen hat. In den kommenden sechs Tagen stehen die ersten Treffen in den übrigen Tarifregionen an.