Hart aber fair: Wenn sich die eigene Wohnung wie ein Vogelkäfig anfühlt

Frank Plasberg diskutierte mit seinen Gästen über die Mietpreisbremse und Wohnungsnot. (Bild: Screenshot/WDR/Das Erste)

Der Wohnraum in Deutschland wird knapp. Die Folge: Die Mieten steigen explosionsartig. Doch wer trägt Schuld an dieser Entwicklung? Und was lässt sich dagegen unternehmen? Bei Frank Plasberg diskutierten die Gäste darüber, was die kommende Jamaika-Koalition unbedingt anpacken muss.

Was haben dänische Investoren, russische Oligarchen und saudische Scheichs gemeinsam? Sie alle betrachten den deutschen Wohnungsmarkt als Goldgrube. Seit Jahren kaufen Superreiche aus aller Welt ganze Innenstädte auf. Das Problem: Während für ausländische Anleger Deutschland ein lukratives Geschäft bietet, werden die Mieten für den Normalbürger immer teurer.

Diese und andere Entwicklungen, die den deutschen Wohnungsmarkt in letzter Zeit durcheinanderwirbeln, besprach Frank Plasberg am Montag mit seinen Gästen bei „Hart aber fair“. Der Moderator wollte wissen: „Wenn wohnen unbezahlbar wird – was muss die nächste Regierung tun?“ Dass es in dieser Frage keine Patentlösung gibt, stellte sich dabei ziemlich schnell heraus.

Thomas Hafner sucht seit mehreren Jahren eine größere und bezahlbare Wohnung. (Bild: Screenshot/WDR/Das Erste)

Denn die geladenen Gäste waren sich alles andere als einig, was denn zu tun wäre, um den ramponierten Wohnungsmarkt wieder flottzumachen. Dabei nahmen unter anderem zwei Politiker am Gespräch teil, die inhaltlich nicht weiter voneinander entfernt sein könnten: Alexander Graf Lambsdorff von der FDP und die stellvertretende Fraktionschefin der Linken, Caren Lay. Außerdem zu Gast: Familienvater Thomas Hafner, Journalist Gerhard Matzig von der Süddeutschen Zeitung sowie der Geschäftsführer des Immobilienverbands ZIA, Klaus-Peter Hesse, der außerdem CDU-Mitglied ist.

Gleich zu Beginn berichtete Thomas Hafner von seiner seit Jahren erfolglosen Wohnungssuche. Plasberg zeigte ein Bild, das Hafner, seine Frau und ihre zehnjährige Tochter in ihrer engen 63-Quadratmeter-Wohnung in Frankfurt am Main zeigt. Weil die Tochter groß wird, will die Familie umziehen. Doch noch keine ihrer vielen Wohnungsbesichtigungen endete mit einer Zusage. Der Moderator zeigte außerdem ein Bild von Hafners Tochter neben dem Vogelkäfig in ihrem Zimmer und bemerkte: „Vielleicht kommt sie mal auf den Trichter, dass sie ein bisschen was gemeinsam hat mit dem Wellensittich.“ Darauf erwiderte der Familienvater ganz bescheiden: „Sie ist schon glücklich, dass sie ein eigenes Zimmer hat.“

Lambsdorff, Matzig und Lay hatten unterschiedliche Vorstellungen über den Wohnungsmarkt. (Bild: Screenshot/WDR/Das Erste)

Das Thema berge sozialen Sprengstoff, sagte SZ-Journalist Gerhard Matzig. „Wir hatten die letzte Wohnungsnot nach dem Krieg.“ Damals seien sich allerdings alle einig gewesen, dass neue Gebäude hermüssen. „Viele Menschen sind heute vom Wohnungsmarkt ausgegrenzt. Das ist ein Skandal!“ Wohnen sei für die Menschenwürde essenziell. Man müsse dafür sorgen, dass die Menschen „in absehbarer Zeit und zu absehbaren Preisen“ wieder Wohnraum finden.

Immobilienverbands-Chef Hesse weiß, was getan werden muss, um die Situation zu ändern: „Bauen, bauen, bauen!“ Die Mietpreisbremse sei wirkungslos. Solche Regulierungen gehören abgeschafft. Caren Lay von der Linkspartei war da jedoch anderer Meinung: „Sie versuchen, die ganze Frage nach der Wohnungsnot damit zu klären, dass nicht genug gebaut wird. Es wird so viel gebaut wie nie zuvor. Nur zehn Prozent der Neubauten sind überhaupt bezahlbar für mittlere Einkommen.“ Lay forderte deshalb eine Verstärkung der Mietpreisbremse und einen Neuanfang im sozialen Wohnungsbau.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff sah das wiederum ganz anders: Der Staat solle mehr Wohngeld zahlen, als neue Sozialwohnungen zu bauen. Lambsdorff berief sich auf das Vorbild der Niederlande. Dort habe man in den vergangenen Jahren das Planungsrecht derart entschlackt, dass schneller gebaut werden könne. Und noch einen weiteren Vorschlag hatte der liberale Adelige: Wenn man niedrigere Mieten wolle, sollte man über Abstriche bei der Qualität nachdenken.

Fazit: So richtig kam die Diskussion an diesem Abend nicht weiter. Dennoch – endlich einmal befasste sich eine Talkshow mit dem wichtigen Thema Wohnungsnot. Wie die Sendung gezeigt hat, kommt auf die Jamaika-Koalition einiges zu.