Hart aber fair: Nicht einmal beim Bienensterben ist man sich einig

Einige der Gäste gerieten so in Rage, dass Frank Plasberg eingreifen musste. (Bild: WDR)

Talkshows sind immer für Diskussionen gut. Dabei muss es nicht einmal um Politik oder Religion gehen. Bei Frank Plasberg diskutierten die Gäste über das unheimliche Verschwinden der Bienen. Einige Anwesende so wild, dass der Moderator zweimal beinahe die Fassung verlor.

„Das Politikgesummse soll heute mal Pause haben“ – so begann Frank Plasberg am Montag seine Sendung. Kein Seehofer, keine Merkel, kein Schulz. Stattdessen ging es bei „Hart aber fair“ um Ökologie und Nachhaltigkeit. Und zwar mit einem Thema, das in ein paar Jahren schon die komplette Umwelt radikal auf den Kopf stellen könnte: „Der stille Tod der Bienen – wer vergiftet unsere Natur?“

Zu Gast waren CSU-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt, der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner, Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes Bernhard Krüsken sowie die Imkerin Agnes Flügel.

Der zuletzt wegen seiner Glyphosat-Entscheidung heftig kritisierte Christian Schmidt stellte gleich zu Beginn klar, warum Bienen nicht nur die Nachhaltigkeit betreffend äußerst wichtig sind, sondern auch, was die Wirtschaft angeht: „Bienen sind die wichtigsten Nutztiere nach Rind und Schwein in unserem Land.“

80 Prozent aller Pflanzen, so der Landwirtschaftsminister, müssen bestäubt werden. Und das könnten nur Bienen leisten. Deshalb habe er vor einiger Zeit ein Bienen-Institut gegründet. Zudem habe er in der EU einen Vorstoß unternommen, um Honigpflanzen zu schützen.

Ranga Yogeshwar und Agnes Flügel machen sich Sorgen um die Zukunft der Bienen. (Bild: WDR)

Grünen-Politiker Ebner fand jedoch, es werde auf politischer Ebene zu viel Kosmetik betrieben. Sofort griff er seinen Sitznachbarn Schmidt an. Durch eine „Bienen-App“ werde keine Biene gesund oder könne sich über den Winter retten. Hintergrund: Das Landwirtschaftsministerium hatte unter Christian Schmidt eine App herausgebracht, die eine Übersicht von 130 bienenfreundlichen Pflanzen enthält.

Fortan zankten sich die beiden Politiker, die teilweise mit Fachbegriffen argumentierten. Als schließlich die Hälfte der Sendung um war, griff Moderator Plasberg zum ersten Mal ein. Er ging auf Ebner und Schmidt zu: „Darf ich Sie bitten, keine Verbandsdiskussionen zu führen.“ Ein Ausschuss scheine passender dafür. Als der Streit beinahe geschlichtet schien, redeten die beiden Politiker jedoch abermals durcheinander. Plasberg nun lauter: „Diese Sendung ist mir eine Herzensangelegenheit und ich möchte mir die nicht zerreden lassen!“

Ranga Yogeshwar führte daraufhin mit Zahlen vor, wie dramatisch das Bienensterben ist. „Wir haben einen Rückgang der Insekten von etwa sechs Prozent im Jahr.“ In den letzten 27 Jahren habe man bereits 75 Prozent verloren. „Wie lange wollen wir noch warten?“, fragte der Wissenschaftsjournalist.

Die Redaktion lieferte die Bilder zu den Zahlen: In China werden aufgrund des Bienensterbens Blüten schon per Hand bestäubt. Und in den USA transportieren LKW ganze Bienenvölker zu jenen Orten, wo gerade Blütezeit ist. Für Harald Ebner sind diese Zustände zwar noch weit weg, doch er warnte: „Es gibt einen Punkt, wo ein Ökosystem gar nicht mehr funktioniert.“

Christian Schmidt und Harald Ebner gerieten in der Sendung mehrmals aneinander. (Bild: WDR)

Am Ende der Sendung gerieten die Streithähne Schmidt und Ebner erneut aneinander. Als der Minister darüber sprach, dass man auf EU-Ebene den Schutz der Biodiversität als Klausel verankert habe, widersprach Ebner. Ein heftiges Wortgefecht zwischen den beiden über Abstimmungen im Agrarsektor entbrannte daraufhin. Plasberg griff erneut ein: „Jetzt ist, glaube ich, die Nervschwelle erreicht.“

Doch Schmidt legte sich wenige Sekunden vor Sendungsschluss noch mit Ranga Yogeshwar an. Er fuhr dem Journalisten ins Wort, als der über die Gefahren von Glyphosat warnte. Yogeshwar regte an, nun dringend zu untersuchen, ob Glyphosat wirklich Krebs auslösen kann und dass die Art und Weise, wie Landwirtschaft betrieben wird, überdacht werden muss. Plasberg ging drohend auf den CSU-Mann zu: „Ich muss Sie an den Ausschuss verweisen, andernfalls muss ich bei Ihnen als Pressesprecher anfangen, weil die mich rausschmeißen in der ARD, denn jetzt sind die Tagesthemen dran”.

Dass beim Thema Bienen so viel Zoff möglich ist, hatte der Moderator offenbar kaum für möglich gehalten: „Eine verdammt engagierte Diskussion war das“, so Plasberg.