„Hart aber fair“: Lebensversicherung – Crashgefahr oder rentable Vorsorge?

 

Zu Gast bei Frank Plasberg waren (v.l.n.r.): Peter Schwark, Ralph Brinkhaus, Anja Kohl, Sven Enger und Ulrich Schneider. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

Die Lebensversicherung – ein Beitrag zum finanziell abgesicherten Lebensabend oder ein unvorhersehbares und nicht mehr rentables Risiko? Über diese Frage diskutierte am Montagabend Frank Plasberg mit seinen Gästen bei „Hart aber fair“.

„Crash der Lebensversicherungen: Panikmache oder echte Gefahr?“ Rentieren sich Lebensversicherungen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten von Nullzinsen überhaupt noch? Dieser Frage ging Frank Plasbergs Talk-Runde am Montagabend nach. Die Gäste waren darüber geteilter Meinung. Auf der Seite der Kritiker von Lebensversicherungen war etwa Ulrich Schneider vom Deutschen Paritätischen Sozialverband, der beruflich meist mit finanzschwachen Leuten zu hat. Diese könnten sich, so Schneider, in den meisten Fällen gar keine solche Versicherung leisten, sind aber im Falle eines Crashs umso betroffener.

„Nebelkerze“, das Wort des Abends, brachte ARD-Börsenexpertin Anja Kohl ins Spiel. Solche Nebelkerzen zünden die Versicherer nämlich bewusst, argumentierte sie – etwa, wenn eine 3,5-prozentige Verzinsung versprochen wird. Die tatsächliche Verzinsung belaufe sich jedoch auf weniger als ein Prozent, so Kohl: „Wenn man bedenkt, dass die Inflation bei etwa zwei Prozent liegt, ist das alles ein Minusgeschäft. Das lohnt sich niemals.“

ARD-Börsenexpertin Anja Kohl brachte das Wort des Abends ins Spiel. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

Peter Schwark vom Versicherungsverband GDV sah das hingegen etwas anders: „Bisher hat kein Kunde in der Bundesrepublik Deutschland mit einer Lebensversicherung NICHT das Geld bekommen, das vertraglich garantiert war. Eine Versicherung ist ja nicht im Wilden Westen gegründet, sondern sie beruht auf Gesetzen, auf Aufsicht. Wir haben ein Versicherungsaufsichtsgesetz mit 365 Paragraphen, die alle darauf ausgerichtet sind, die Leistung sicher zu machen. Die alle darauf ausgerichtet sind, dass die Kunden fair und gleichmäßig behandelt werden.“ Schwark war sichtlich empört über die negativen Darstellung der Causa und fuhr fort: „Was hier geredet wird, ist eigentlich unverantwortlich. Man muss auch mal gucken: Welche Finanzdienstleistungsbranche bietet eigentlich dieses Maß an Sicherheit, auch in der Krise?“ Besonders kritisierte er den ehemaligen Versicherungsmanager und Buchautor Sven Enger – der betreibe Panikmache, um die Verkaufszahlen seines Buches zu steigern.

Sven Enger hingehen sieht in Versicherungen primär ihr Crash-Potenzial. „Sie kommen jetzt in die Zeit der Babyboomer und vieler ablaufender Versicherungen“, argumentierte er – und stellte die Frage, was wäre, wenn ein großes Versicherungsunternehmen nicht mehr in der Lage ist, den versprochenen Zinssatz auszuzahlen.

„Wer jetzt noch eine Kapitallebensversicherung kauft, der ist nach der Diskussion selber schuld“, urteilte Ulrich Schneider. „Selbst, wenn es nicht zum Crash kommt – an diese These glaube ich auch nicht – und selbst wenn es […] finanziell unvernünftig sein kann, eine Lebensversicherung zu kündigen. Aber ich habe das gelernt: Die Menschen werden in einer Form beraten, dass sie einfach an Dinge glaubten, an die sie glauben wollten, die aber nicht garantiert waren. Und das ist offensichtlich Geschäftsmodell.“

„Die tragende Säule ist die gesetzliche Rentenversicherung“, argumentierte CDU-Politiker Ralph Brinkhaus. Sein Appell: Kunden sollen nicht durch kryptische Mitteilungen, sondern durch klar verständliche Briefe im Stil der „Sendung mit der Maus“ über die Faktenlage informiert werden. Sein Urteil: Früher hätten „Leute Versicherungen verkauft, die selbst nicht mal Ahnung hatten, was da drin steht.“

Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg erzählte im Rahmen der Diskussionsrunde von Fällen, in denen Versicherungen versuchen, Kunden zu überzeugen, Verträge mit guten Konditionen zu kündigen: „Wir wissen, dass in den Beratungen tatsächlich die Menschen dazu überredet werden sollen, aus diesen […] ‚guten’ Verträgen rauszugehen, weil sie zu teuer werden.“

Auch Tauschangebote gäbe es immer wieder. Börsenexpertin Kohl riet, Verträge von vor 2005 keinesfalls zu kündigen: „Alte Verträge, die vor 2005 abgeschlossen wurden, rentieren sich, sind steuerfrei, solche alten Verträge sollte man nicht kündigen.“

Neben den etlichen Warnszenarios herrschte hier zum ersten Mal so etwas wie ein Konsens: Denn auch Schwark riet, bestehende Versicherungen keinesfalls zu stornieren, sondern fortzusetzen.

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