Ein harsches Urteil

Nach Ansicht der britischen Finanzaufsicht gibt es in der Vermögensverwaltung zu wenig Preiswettbewerb. Sie fordert daher eine transparente Gebühr, die alle Kosten einschließt. Die Branche konnte weitreichendere Eingriffe verhindern.


Sie waren vorgewarnt: Bereits vor gut einem halben Jahr hat die britische Finanzaufsicht FCA Vermögensverwaltern ein verheerendes Zeugnis ausgestellt. Es gebe kaum Preiswettbewerb in der Branche. Anleger zahlten zu hohe Gebühren, die sich nicht rechtfertigen ließen. Und die Fondsgesellschaften machten zu hohe Gewinne. So lautete das Zwischenergebnis einer Marktuntersuchung.

Seitdem hat die Branche einiges in Bewegung gesetzt, um zu verhindern, dass dies zu allzu drastischen Konsequenzen führt. Und teilweise haben sich die Unternehmen durchgesetzt, wie der jetzt veröffentlichte Abschlussbericht der FCA deutlich macht. So machen sich die Aufseher für mehr Transparenz bei den Kosten stark, die den Anlegern entstehen. Fondsgesellschaften sollen zudem mehr tun, um im Interesse der Anleger zu handeln und mindestens zwei Positionen in ihrem Verwaltungsrat mit unabhängigen Direktoren besetzen.


Einige weitrechende Eingriffe konnte die Branche aber verhindern – zumindest vorerst. So hat die FCA die Unternehmen nicht an die Wettbewerbsaufsicht CMA verwiesen, die grundsätzlich die Möglichkeit hätte, dem Sektor noch radikalere Veränderungen aufzuzwingen. Zudem formuliert die FCA ihre Forderungen nach mehr Kostentransparenz etwas weicher als erwartet: So unterstützen die Aufseher die Einführung einer Gebühr, die alle Kostenfaktoren enthalten soll, damit Kunden möglichst frühzeitig auf einen Blick sehen, was dem Fonds entnommen wird. Die FCA fordert aber nicht von der Branche, dass alle Unternehmen künftig nur noch diese Gebühr in Rechnung stellen müssen. Dennoch geht die britische Behörde mit ihren Vorgaben weiter als die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II, die das Geschäft transparenter machen soll und ab 2018 gelten wird.


„Die FCA erspart den Unternehmen aber die härtesten Maßnahmen“, sagte Daniel Godfrey, Gründer der Investmentgesellschaft The People’s Trust und Ex-Chef des Branchenverbands der Fondsgesellschaften, der Nachrichtenagentur Reuters. Martin Gilbert, Chef von Aberdeen Asset Management, nannte die FCA-Pläne „konstruktiv“. Und auch die Fondsmanagerin Gina Miller, die ihrer eigenen Branche gegenüber als äußerst kritisch gilt, lobte: Die FCA verfolge endlich eine Agenda, die sich an den Interessen der Anleger orientiere, sagte sie der „Financial Times“. Ihr gehen die Pläne der Behörde in einigen Punkten aber noch nicht weit genug. Die Aufseher seien teilweise noch zu zögerlich, so Miller.
Großbritannien ist für die Branche mit einem verwalteten Vermögen von sieben Billionen Pfund der weltweit zweitgrößte Markt. Mehr als drei von vier britischen Haushalten nutzen Vermögensverwalter für ihre betriebliche oder private Altersvorsorge.
Angesichts der derzeit niedrigen Zinsen sei es wichtig, weitere Belastungen für die Sparen zu vermeiden, sagte FCA-Chef Andrew Bailey. Die Behörde habe ein Reformpaket zusammengestellt, das dem Wettbewerb auf die Sprünge helfen und Investoren unterstützen werde, mehr aus ihren Ersparnissen zu machen.