Harley-Davidson spart kräftig und plant neue Modelle


Der US-Motorradhersteller Harley-Davidson steht unter Druck – nicht nur, weil sich der Konzern durch eine angekündigte Produktionsverlagerung in ausländische Werke mit US-Präsident Donald Trump angelegt hat. Das Unternehmen ist auch wenig profitabel und hat in den vergangenen fünf Jahren den Umsatz im Schnitt gerade einmal um 0,24 Prozent jährlich steigern können.

Daher will Konzernchef Matt Levatich in diesem und dem kommenden Jahr kräftig sparen, um Spielraum für Investitionen in neue Modelle und ein verbessertes Händlernetzwerk zu haben, wie Harley-Davidson am Montag mitteilte. Die Kosten sollen insgesamt um 450 bis 550 Millionen Dollar gesenkt werden. Ob Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, sagte das Unternehmen nicht.

Levatich gibt sich gleichzeitig ein ehrgeiziges Ziel: Der Umsatz soll bis zum Jahr 2022 um mindestens eine Milliarde Dollar im Vergleich zu 2017 steigen, als das Unternehmen Erlöse in Höhe von 5,6 Milliarden Dollar erreicht hatte. „Unsere neue Strategie verlangt erhebliche Investitionen, um unseren weltweiten Geschäftsverlauf zu ändern“, heißt es in einer Mitteilung. Das Unternehmen will nicht nur sparen, sondern auch früher geplanter Investitionen umlenken.

Eine Mini-Harley für Asien

Ein Aspekt der neuen Strategie: Für asiatischen Kunden plant das Unternehmen, in Kooperationen mit einem Motorradhersteller aus der Region, ein eigenes Motorrad zu entwickeln. Es soll über einen kleineren Hubraum als übliche Harley-Bikes verfügen und leichter zu besteigen sein.

Insgesamt will Harley zwischen 675 und 825 Millionen US-Dollar investieren und eine Reihe neuer Modelle auf den Markt bringen. In den nächsten zwei Jahren sollen zwei mittelgroße Motorräder hinzu kommen. Auch Elektro-Motorräder gehören zur künftigen Produktpalette. Das erste soll 2019 erhältlich sein und durch eine Reihe weiterer E-Modelle in den Jahren 2021 und 2022 ergänzt werden.

Für den US-Konzern ist das Marktumfeld derzeit nicht gut – trotz soliden Wirtschaftswachstums auf dem Heimatmarkt. In den USA kaufen junge Menschen immer seltener ein Motorrad der Kultmarke. Die Folgen zeigten sich in den jüngsten Quartalszahlen: Der Konzernumsatz mit Motorrädern und zugehörigen Produkten fiel um mehr als drei Prozent, der Reingewinn sogar um vier Prozent.


Hinzu kommt, dass Harley-Davidson im Mittelpunkt des eskalierenden Handelskonflikts zwischen den USA und der Europäischen Union (EU) steht: Aus Vergeltung für US-Importzölle auf Stahl und Aluminium verhängte die EU Einfuhrabgaben auf Harley-Davidson-Motorräder. Aber auch die von Trump verhängten Zölle auf Importe aus der EU treffen den US-Konzern schwer: Denn diese verteuern den Einkauf von Aluminium und Stahl, die Harley-Davidson für seine Fahrzeuge braucht.

Die Zölle verteuern die US-Produktion um 15 bis 20 Millionen US-Dollar. Die europäischen Zölle kosten Harley-Davidson zusätzlich in diesem Jahr geschätzte 90 bis 100 Millionen US-Dollar. Als Antwort darauf hatte das Unternehmen beschlossen, mehr in Werken außerhalb der USA zu produzieren – und so den Zorn des US-Präsidenten auf sich gezogen.