„Hardcore“: So kontrovers diskutiert Deutschland über den Porno-Tatort

Kriminalhauptkommissar Leitmayr unterhält sich mit zwei Pornodarstellern am Set. (Bild: BR/ Hagen Keller)

Am Sonntagabend trauten viele Deutsche ihren Augen nicht: Im Hauptabendprogramm der ARD lief ein Tatort, der in der Pornobranche spielte. Die Macher verzichteten nicht auf die entsprechenden Bilder und das szeneübliche Vokabular. Jetzt spielt Twitter verrückt.

Ja, was war denn das? Diese Frage haben sich am Sonntagabend zahlreiche Fernsehzuschauer gestellt, nachdem die neunzig Minuten des Tatorts vorüber waren. Falls sie es überhaupt so lange ausgehalten haben. Denn so obszön und vulgär war noch kein Tatort in der 47-jährigen Geschichte der erfolgreichen Krimi-Reihe.

Der Münchner Tatort um die beiden Kommissare Batic und Leitmayr, gespielt von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl, spielte im Pornomilieu. Entsprechend lautete der Titel der Folge: „Hardcore“.

Worum ging es?

Eine junge Frau namens Marie Wagner (Helen Barke) wird nach einem Sexfilmdreh tot aufgefunden. Gleich zu Beginn ihrer Ermittlungen finden Batic und Leitmayr heraus, dass Wagner, die unter dem Namen Luna Pink in etlichen Pornofilmen mitgewirkt hatte, eine Studentin der Sozialpädagogik war. Um ihr Studium zu finanzieren, bot sie ihren Körper gegen Geld an. Beim letzten Dreh vor ihrem Tod stand sie mit fast 30 Männern vor der Kamera.

• Die skandalösesten Momente beim “Tatort”

Doch nicht das Thema an sich, sondern die Umsetzung ist es, die nun für Diskussionen im Netz sorgt. Schon in den ersten Minuten werden die Zuschauer schonungslos mit den Gepflogenheiten einer umstrittenen Branche konfrontiert: Explizite Bilder und der Szenejargon einer Schattenwelt finden sich plötzlich im Hauptabendprogramm der ARD.

Als im Laufe der Ermittlungen eine Analyse ergibt, dass sich Spermaspuren von 26 Männern im Magen der toten Pornodarstellerin finden, kommt erstmals Spannung im „Hardcore“-Tatort auf. Ein schier übergroßer Kreis an Verdächtigen.

• Die besten “Tatort”-Ermittler aller Zeiten

Doch wie üblich kam beim Münchner Porno-Tatort auch das Drama nicht zu kurz. Denn die tote Marie Wagner ist die Tochter eines Staatsanwaltes, der durch seine Arbeit in den Fall involviert ist.
Am Ende dieser schlüpfrigen Tatort-Folge stellt sich der Ehemann einer Freundin der Toten als Mörder heraus. Die war nämlich eine Porno-Kollegin von Luna Pink, hatte der Branche jedoch den Rücken gekehrt. Damit diese durch ihre Freundin nicht auf falsche Gedanken kommt und wieder ins Geschäft einsteigt, hat er – sozusagen als Warnung – Marie Wagner alias Luna Pink getötet.

Und wie kommt der Tatort nun im Netz an?

Manche fanden die Idee, einen Tatort im Pornomilieu spielen zu lassen, nicht gut.

Verkehrte Welt: Dass sich die Zeiten ändern, kann man auch am Fernsehprogramm ablesen:

Und worüber regten sich die Leute früher beim Tatort auf? Genau: über einen Hund auf einem Schreibtisch!

Twitter-User Johann Knopf nimmt die aktuelle Tatort-Kontroverse mit Humor:

Twitter-User Kevin M. Mandelmilch klagt am Tag nach dem Pornotatort über einen verstörenden Traum:

Sogar Kritik am Umgang mit den Rundfunkgebühren wird laut:

Natürlich müssen angesichts des schlüpfrigen Themas auch einige Kalauer herhalten:

Und User Tommi Schmitt leidet mit allen, die den Tatort mit ihren Eltern geguckt haben:

Im Video: Das sind die beliebtesten “Tatort”-Ermittler

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