Hape Kerkeling wird im ZDF deutlich: "Noch 100 Jahre entfernt von einer tatsächlichen Gleichberechtigung"

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Entertainer Hape Kerkeling war am Mittwoch in der ZDF-Sendung "Volle Kanne" in Plauderlaune. Beim Thema Toleranz ließ sich der sonst als eher zurückhaltend geltende Star sogar zu Klartext hinreißen: "Es müsste Bestandteil einer europäischen Verfassung sein, dass Menschen gleichberechtigt sind und nicht diskriminiert werden dürfen!"

Hape Kerkeling wurde vor 30 Jahren
Hape Kerkeling wurde vor 30 Jahren "zwangsgeoutet". Nun sprach er bei "Volle Kanne" über diese Zeit: "Für die Öffentlichkeit war es zunächst mal ein Schock. Aber die Leute haben irrsinnig normal reagiert, es hat eigentlich gar kein Problem gegeben." (Bild: ZDF / Screenshot)

Hape Kerkeling hat ein Buch über Katzen geschrieben - und wenige Tage nach der Veröffentlichung von "Pfoten vom Tisch!" (Untertitel: "Meine Katzen, andere Katzen und ich", Piper-Verlag) hat der Entertainer und bekennende Katzenliebhaber etwas getan, was er nur sehr selten tut: ein ausführliches TV-Interview gegeben. Im ZDF-Magazin "Volle Kanne" plauderte er am wie immer in der Sendung üppig gedeckten Frühstückstisch gut gelaunt über dies und das, ohne dabei allzu tief blicken zu lassen. - Natürlich ging es zuvorderst um sein Faible für die Samtpfoten: "Das Schnurren wirkt sich positiv auf die Psyche des Menschen ein", wusste der 61-Jährige zu berichten: "Das Zusammensein mit einer Katze ist nachweislich heilsam." Aber auch andere Themen kamen im Talk mit Moderator Florian Weiss zur Sprache. Spannend wurde es, als Kerkeling zu seinem unfreiwilligen Outing vor mittlerweile 30 Jahren befragt wurde - der Filmemacher Rosa von Praunheim hatte ihn und weitere bekannte Persönlichkeiten in einer Talkshow als homosexuell geoutet.

Sein Umfeld, so der Entertainer nun im ZDF, habe damals ohnehin schon Bescheid gewusst. "Für die Öffentlichkeit war es zunächst mal ein Schock. Aber die Leute haben irrsinnig normal reagiert, es hat eigentlich gar kein Problem gegeben", beteuerte Kerkeling im "Volle Kanne"-Gespräch. Grundsätzlich sei die Gesellschaft, was die Toleranz angeht, jedoch "leider nicht besonders weit". Die Entscheidung der UEFA, die Münchener Arena während des EM-Spiels gegen Ungarn nicht in Regenbogenfarben zu beleuchten, bezeichnete er als "ein politisches Statement - und zwar gegen Gleichberechtigung". Es spiele "Autokraten" wie den ungarischen Staatschef Viktor Orban in die Hände.

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Er hätte sich gewünscht, "dass entweder die Stadt München sich durchsetzt oder die UEFA anders entschieden hätte", unterstrich Kerkeling und sprach von einem "ziemlich gefährlichen Spiel", von dem er hoffe, dass es für Europa gut ausgehen wird. Im Moment sei er jedoch skeptisch, da den "autoritären Herrschern" keiner in Europa wirklich die Stirn bieten würde. Er wünsche sich vor allem seitens der Europäischen Union "ein bisschen mehr Paroli". Kerkelings Forderung: "Es müsste Bestandteil einer europäischen Verfassung sein, dass Menschen gleichberechtigt sind und nicht diskriminiert werden dürfen." Insofern, so befand der Schauspieler, Autor und Komiker im bemerkenswertesten Moment des Interviews, sei man "vermutlich noch 100 Jahre entfernt von einer tatsächlichen Gleichberechtigung".

Gut gelaunt am Frühstückstisch: Entertainer Hape Kerkeling war am Mittwoch in der ZDF-Sendung
Gut gelaunt am Frühstückstisch: Entertainer Hape Kerkeling war am Mittwoch in der ZDF-Sendung "Volle Kanne" in Plauderlaune. Gastgeber Florian Weiss (rechts) traf mit seinen Fragen offenbar genau den richtigen Ton. (Bild: ZDF / Screenshot)

Warum das Pilgern noch heute nachwirkt

Interessant wurde es am Mittwochvormittag auch, als Kerkeling Zuschauerfragen gestellt wurden. Unter anderem verriet er dabei, inwiefern er noch heute von seiner Pilgerwanderung nach Santiago de Compostello profitiert. Im Jahr 2001 ging der Star weite Teile des Jakobswegs. Seine Erlebnisse schrieb er in dem Buch "Ich bin dann mal weg" nieder, das zum Bestseller avancierte und später verfilmt wurde. Es war eine Erfahrung, die sein Leben und seine Sicht auf den Showbetrieb änderte - derart nachhaltig, dass sie noch heute wirkt, wie er in der ZDF-Sendung betonte. "Fürs Pilgern braucht man eine gewisse Zähigkeit, Ausdauer, Geduld - und ich glaube, die habe ich mir bis heute bewahrt", konstatierte Hape Kerkeling und ergänzte schmunzelnd, dass die Geduld zwar tendenziell schon vorher beim ihm angelegt, aber noch nicht ausgeprägt gewesen sei. "Durch das Pilgern ist es zum festen Bestandteil meines Charakters geworden!"

Eine andere Zuschauerin wollte wissen, was er am liebsten mache, wenn er gar nichts zu tun hat. Die Antwort kam prompt: "Dann mache ich am liebsten gar nichts. Dann sitze ich da und schaue und meditiere und überlasse es dem Zufall, was in mich hineinfällt." Auch über die italienische Region Umbrien, die ihm mittlerweile zu einer zweiten Heimat geworden ist, parlierte der aus Recklinghausen stammende Star ganz offen: "Merkwürdigerweise sind die Menschen in Umbrien ein bisschen so, wie die Menschen von dort, wo ich herkomme, wie die Westfalen: So ein bisschen verschlossen, bisschen eigenbrötlerisch. Und vielleicht passe ich ja deshalb ganz gut dahin."

Aus aktuellem Anlass wurde der Schauspieler noch gefragt, ob er schon einmal in Cannes war. "Nein, ich hab' dort nichts verloren", kam die Antwort ohne Umschweife. Der Rote Teppich sei für ihn "tatsächlich eher Mittel zum Zweck", so Kerkeling. "Ich arbeite schon lieber hinter den Kulissen." Aber er sehe ein, dass all das sinnvoll ist: "Es würde uns fehlen, wenn es diesen Chichi und diesen Glamour im Alltag nicht zwischendurch mal im Fernsehen gäbe. Aber ich muss sagen, Iris Berben macht das besser als ich."

"Ich muss ja irgendwie mit mir zurechtkommen."

Mit Blick auf seine erstaunliche Karriere gab sich Kerkeling bescheiden. "Ich habe ich nicht so hoch gezielt, wie es am Ende gekommen ist", meinte er. Florian Weiss' Lob, dass er überall beliebt sei und nicht polarisiere, wollte er nicht einfach so stehen lassen. "Da bin ich mir gar nicht sicher", warf der 61-Jährige ein und betonte, dass man sehr wohl das Image in der Öffentlichkeit "von dem, mit dem ich jetzt schon seit fast 57 Jahren rumlaufe", trennen müsse. Unterm Strich schaue er auf sich und seinen Werdegang mit einem "liebevollen Blick". Ihm sei ohnehin wichtig, "dass ich mich in meinem Leben wohlfühle". Kerkeling ergänzte: "Das sollte doch jedem Menschen wichtig sein" und lieferte in dem launigen Talk noch reihenweise Sätze der Güteklasse: "Ich muss ja irgendwie mit mir zurechtkommen."

Es menschelte sehr sympathisch am ZDF-Frühstückstisch, und so etwas kommt natürlich gut an am Vormittag. Auf der Facebookseite von "Volle Kanne" war die Begeisterung jedenfalls groß. "Dankeschön für den wunderschönen Morgen mit Hape", hieß es da in den Kommentaren. Oder "Es ist eine Freude H. Kerkeling mal wieder im Fernsehen zu sehen." Dem ist keinesfalls zu widersprechen!

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