Eine Handvoll Sterne für die Freiheit

Wenige Romane vermitteln den Wert der Pressefreiheit so gut wie „Eine Hand voller Sterne“, findet unser syrischer Journalist Yahya Alaous.


Der Welttag der Pressefreiheit war ein guter Anlass, sich Rafiq Shamis Roman „Eine Hand voller Sterne“ in Erinnerung zu rufen. Es ist einer der besten Romane über die Jugendträume der freien Meinungsäußerung und des freien Journalismus. Mehr als 20 Jahre nach seiner Veröffentlichung ist es immer noch lesenswert, nicht nur für mich als Syrer, der von den im Roman erwähnten Orten kommt. Sondern vor allem auch für die vielen Journalisten, die in Ländern arbeiten, in denen ihr Beruf von ihnen verlangt, Diktatoren auf die Finger zu schauen und auf die Füße zu treten.

Der Roman, der viele Preise gewonnen hat und in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurde. Nun will eine Gruppe deutscher Künstler das Buch verfilmen und hat dazu am Tag der Pressefreiheit eine Kampagne gestartet. „Das ist nicht nur ein Film, sondern ein persönliches, politisches und soziales Anliegen“, sagt Filmemacher und Drehbuchautor Michael Schäfer. „Dieser Bäckerjunge“, der Held der Geschichte, sei „in uns allen“.

Als Erwachsene wissen wir, was in unserer Welt vor sich geht, wir kennen die Praktiken politischer Macht, die Unterdrückung und Folter. Oft tun wir nichts anderes als unsere Köpfe zu schütteln als Ausdruck von Hilflosigkeit. Meiner Meinung nach hilft es uns auf diese Entwicklungen mit den Augen des „Bäckerjungen“ zu schauen. Es ist seine Geschichte, die uns Hoffnung gibt.


In seinem Roman schildert Rafik Shami einen Jugendlichen im Damaskus der 1960er Jahre, der den Traum verfolgt, Journalist in einer Stadt unter der Herrschaft des Militärs zu werden, in einem alten Viertel, das für ein Land steht, das sich unter der Kontrolle der Militärregierung und der Nachrichtendienste befindet. Er trifft einen ehrlichen Journalisten, der seine Faszination für die Presse verstärkt. Sie starten dann eine geheime Publikation namens „Socken“, die auf geheime und innovative Weise verteilt wird. Aber die Behörden entdecken die Vorgehensweise später und verhaften den Journalisten. Für den Bäckerjungen wird es ein Wendepunkt in seinem Leben.

„Eine Hand voller Sterne“ ist ein Roman, der die Herzen erreicht. Die Verfilmung kann diese Faszination spürbar machen. Die Figuren der Geschichte sind sehr spontan. Einem können viele Leute wie sie begegnen. So wie Onkel Saleem, den alten Mann, der Sami am meisten beeinflusste. Oder wie der Bäcker selbst. Irgendwo verteilen Jugendliche im gleichen Alter wie Sami in den Abendstunden eine Untergrundzeitung, unbemerkt von den Augen des Geheimdienstes. Nicht nur in Damaskus, sondern in all den ramponierten Städten, die noch unter Diktaturen und Unterdrückung zu leiden haben.

Dieser Roman hat die Gesellschaft, in der er spielte, nicht erreicht. Er wurde spät übersetzt, die syrische Jugend konnte ihn in der damaligen Zeit, in der es so wichtig gewesen wäre, nicht lesen. Doch auch heute bleibt die Verbreitung dieser Geschichte ebenso wichtig. Als hätte die Zeit angehalten, fehlt die Freiheit in Damaskus noch immer schmerzlich, viele Journalisten stecken in Gefängnissen, die Jugendträume von Freiheit scheinen unerreichbarer. Das verleiht dem Filmprojekt eine große Bedeutung. Es kann der Jugend ermöglichen, die Botschaft vom Bäckerjungen Sami zu hören, nicht nur in Damaskus, sondern auch in Peking, Teheran, Minsk und anderswo.