Hands-On mit dem Razer Phone

Thaddeus Herrmann
Hands-On mit dem Razer Phone


Eigentlich ist es eine ziemlich wilde Idee, sich als Elektronik-Hersteller 2017 erstmals auf das Thema Smartphone zu werfen. Ist der Markt nicht ausreichend gesättigt mit den unterschiedlichsten Formfaktoren, Features und Preispunkten? Bei Razer ist man davon überzeugt, dass da noch was geht. Vor allem, aber – das ist wichtig – nicht ausschließlich beim Gaming. Mit der Übernahme des Startups Nextbit hatte man sich das grundlegende Know-how ins Haus geholt und die Entwicklung konnte beginnen.

Äußerlich erinnert das Razer Phone mit seiner kastigen Form tatsächlich an das Robin von Nextbit, die Technik im Inneren ist jedoch auf aktuellen Highend-Stand. Auch wenn Razer letztendlich das Smartphone-Rad natürlich nicht neu erfindet: Einige Überraschungen und Neuerungen stecken dennoch drin.

Zunächst zu den Standards. Razer nutzt einen Snapdragon 835 als Prozessor, verbaut 64 GB internen Speicher, lässt Platz für eine microSD-Karte (maximale Größe: 2 TB), setzt auf der Rückseite auf eine Dualkamera mit 12 Megapixeln (Weitwinkel: f/1,75 und Tele: f/ 2,6, beide Sensoren sind optisch nicht stabilisiert) und für die Selfies auf der vorderen Seite auf 8 Megapixel (f/.2,0 ohne Autofokus). Mit 197 Gramm ist das Razer Phone fast so schwer wie das aktuelle iPhone 8 Plus, der Akku mit 4.000 mAh Kapazität genauso groß wie beim kürzlich vorgestellten Mate 10 Pro von Huawei und einer Display-Größe von 5,7" angemessen. Genau dieses Display ist aber eines der Alleinstellungsmerkmale des Razer Phone.

Das Razer Phone ist kein Gaming-Smartphone, sondern ein Smartphone, dass Gamer vielleicht bzw. hoffentlich aus Razers Perspektive interessant finden. Keine Konsole für die Hosentasche, bei der alle anderen Features eines Telefons sich dem Gaming unterordnen müssen. Auf dem Razer Phone läuft Android 7.1.1, ein Update auf Oreo soll Anfang 2018 geliefert werden. Damit Games aber so gut wie möglich - und besser als auch anderen Telefonen – laufen, hat man sich bei der Entwicklung auf drei Bereiche konzentriert: das Display, die Lautsprecher und die RAM-Ausstattung.

Display
Als Bildschirm verbaut Razer ein IGZO-Panel von Sharp mit 1.440 x 2.560 Pixeln. Neu und bislang auf keinem anderen Smartphone verfügbar ist aber die Bildwiederholrate von 120 Hz. Apple setzt bei den beiden aktuellen iPad-Pro-Modellen ebenfalls darauf und nennt das "ProMotion". Bei Razer heißt die Technologie "Ultramotion", eine Adaption von G-Sync für kleinere Display mobiler Geräte. Die Bildwiederholrate wird im besten Fall dynamisch auf die jeweilige Situation angepasst, kann aber auch händisch bestimmt und festgelegt werden: 30, 48, 60, 75, 90 und eben 120 Hz.

Eine niedrigere Rate hilft bei der Akku-Performance. 120 Hz sind eben nicht immer nötig, können sich aber bei Spielen enorm auszahlen. Wenn die Entwickler das überhaupt unterstützen. Razer legt die Karten offen auf den Tisch: Rund 80 Prozent aller Spiele im Google Play Store können aktuell nicht damit umgehen. Man arbeitet einerseits mit den Studios zusammen, um mehr Titel dafür fit zu machen, bei anderen Spielen sei dies aber längst geschehen. Eine Übersicht über die Spiele, die zum Marktstart optimiert zur Verfügung stehen werden:


- Arena of Valor
- Final Fantasy® XV Pocket Edition abgestimmt.
- Gear.Club
- Lineage 2: Revolution Ausmaßes.
- Old School RuneScape™
- RuneScape™
- Shadowgun Legends™
- Tekken™
- Titanfall™: Assault
- World of Tanks Blitz



Gleichzeitig macht man sich bei Razer nichts vor, was das Gaming auf dem Smartphone im Allgemeinen angeht. Das casual Gaming dominiert. Eine Partie Threes hier, ein Level Monument Valley da. Aber mit Gaming verdient Razer sein Geld, das Razer Phone ist also auch eine Art Showcase, um zu zeigen, was mittlerweile möglich ist auf dem Handy. Wer Lunte gerochen hat, wird vielleicht mehr in das Ökosystem des Herstellers aus Laptops, Controllern und Zubehör hineingezogen.

RAM
Die bereits optimierten Games – das zeigt ein erster Blick während des Pressegesprächs vor wenigen Wochen – sehen tatsächlich sehr, sehr gut aus auf dem Display. Details wirken lebendig und lebensecht, die Performance ist mehr als flüssig. Damit das funktioniert, verbaut Razer 8 GB RAM in dem Smartphone. 6 GB sind im Android-Lager mittlerweile oft schon Standard bei Highend-Geräten, OnePlus bietet das 5T ebenfalls in einer Variante mit 8 GB an. Razer betont aber, dass die 8 GB hier voll ausgenutzt und nicht künstlich beschnitten werden. Spieleentwickler können die Speichermodule (LPDDR4, 1.600 MHz) also komplett ansprechen. Das hat auch im Alltagsbetrieb jenseits des Zockens seine Vorteile. Das Scrolling im Browser, in Instagram und Twitter ist butterweich, Bilder und Text laden sofort, Ruckler sind nicht spürbar. Und was ist mit den Lautsprechern?

Lautsprecher
Razer verbaut zwei Lautsprecher, die ober- und unterhalb des Displays sitzen, also nach oben abstrahlen. Die Lautsprecher werden von zwei diskreten Verstärkern befeuert und sind - wie könnte es anders sein - von Dolby zertifiziert. Das Smartphone beim Gaming horizontal zu halten und die Speaker dabei nicht mit den Händen abzudecken, funktioniert erstaunlich gut, und auch der Klang kann durchaus überzeugen. Wunder in Sachen Bass sind auch hier nicht zu erwarten, der Sound klingt aber voll, rund uns ausbalanciert und dan der Tatsache, dass beide Lautsprecher nach oben abstrahlen, auch konsistenter als bei vielen anderen Telefon mit zwei Speakern, bei denen der eine nach oben und der andere seitlich spielt. Sowohl bei Games, als auch bei YouTube-Videos, hinterließ das Razer Phone einen guten ersten Eindruck.

Der Rest
Den Kopfhörer-Ausgang hat auf Razer weggelassen, als einziger Anschluss steht USB Type-C zur Verfügung. Hier kann das Smartphone mit Qualcomms QuickCharge 4.0+ aufgeladen werden, hier wird auch der Adapter für Kopfhörer angeschlossen, der immerhin im Lieferumfang enthalten ist und aussieht, wie diese Dongle eben aussehen, aber immerhin auf ein stoffummanteltes setzt. Im Inneren kommt ein 24Bit-Wandler zum Einsatz, der wiederum vom THX geprüft und abgenickt wurde. Kopfhörer bzw. InEars muss man jedoch im Zweifel separat kaufen. Razer selbst will eine Type-C-Variante der Hammerhead-InEars als Zubehör anbieten. Über den Preis ist man sich noch nicht ganz klar, man sollte aber mit rund 100 Euro rechnen: auf Augenhöhe mit der iOS-Version eben dieser InEars mit Lightning-Anschluss.

Wenn wir schon bei Preisen sind: Das Razer Phone kostet in Deutschland 750 Euro und wird nur von Razer selbst online verkauft. Partnerschaften mit Mobilfunkanbietern sind hierzulande nicht geplant. Damit ist das neue Smartphone ein Nischen-Angebot, mit dem zunächst Fans der Marke ihr Setup vervollständigen können. Der Verkauf startet am 14. November. An diesem Tag – und nur an diesem Tag – gibt es auch die limitierte Version des Smartphones, auf dessen Rückseite dann das grüne Razer-Logo prankt und nicht das weiße.