„The Handmaid’s Tale“: Wein zur Serie verursacht Shitstorm

Elisabeth Moss spielt in „The Handmaid’s Tale“ die Hauptrolle Offred. (Bild: Intertopics/LMKMedia Ltd./ddp Images)

Merchprodukte sind nicht immer eine gute Idee – besonders, wenn es um dystopische Serien wie „The Handmaid’s Tale“ geht, wo Frauen als Sexsklavinnen gehalten werden. Die Fans waren von einer Weinwerbung zur Serie dementsprechend alles andere als begeistert.

Eine offizielle Wein-Reihe zur Serie „The Handmaid’s Tale“? Vielleicht keine so gute Idee – doch das fiel der Produktionsfirma MGM und dem Weinhändler Lot18 wohl zu spät auf. So wurden am Morgen des 10. Juli stolz und exklusiv über das Lifestyle-Magazin „People“ drei Weinvariationen in Anlehnung an den Hulu-Serienhit angekündigt. Basierend auf den Namen von drei Hauptfiguren sollten die Rotweine Offred (deutsch Desfred) und Ofglen (deutsch Desglen) sowie der Weißwein Serena Joy angeboten werden.

Was viele Fans daran geschmacklos finden: Die Serie „The Handmaid’s Tale“, basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Margaret Atwood, erzählt die Geschichte von einer dystopischen Zukunft, in dem eine religiös-fanatische Elite an der Macht ist und Frauen als Sexsklavinnen ohne Rechte gehalten werden, die für den Fortbestand der Menschheit verantwortlich sind. Kurzum: Unterdrückung, Folter und Vergewaltigungen stehen an der Tagesordnung. Und nun soll man sich mit Weinen, die die Namen der Hauptfiguren tragen, fröhlich zuprosten?

Auf Twitter war die Empörung groß:


„Endlich ein Produkt, das alles kombiniert, was ich hasse: Wein, Marketing, hemmungslosen Kapitalismus und autoritär-patriarchische Dystopien, in denen Frauen wie Vieh sind!“


„Äh, bin ich die Einzige, die das total falsch und geschmacklos findet? Lasst uns einen Wein kaufen, der Rape Culture, Misogynie und Gewalt gegen Frauen in ein cooles Weinetikett umwandelt. Bäh! Was ist das nächste ‚Handmaid’s Tale’-Special? Limitierte Oreo-Kekse und Shreddies?!“


„Wann immer mir jemand erzählen will, dass ‚The Handmaid’s Tale’ eine feministische Serie ist, die feministische Werte fördert, zeige ich ihm das.“


„Dieser ‚Handmaid’s Tale’-Wein ist unfassbar. Wie kann eine so schreckliche, schreckliche, schreckliche Idee so weit kommen?“

Dass eine solche Zukunftsvision, vor allem in Anbetracht des aktuellen politischen Klimas, in eine Marketingnummer umgewandelt wurde, sorgte online gar für so viel Empörung, dass MGM und Lot18 nach nicht einmal zehn Stunden einknickten: Die für rund je rund 20 Dollar bestellbaren Weine sind aus dem Online-Shop von Lot18 verschwunden.

Wenig verwunderlich, denn auch die Verkaufstexte zu den Weinen können kaum anders als geschmacklos beschrieben werden: Der Offred-Wein, ein Pinot Noir, wurde unter anderem als „kraftvolle Erfahrung“ beschrieben, die man nie vergessen werde. „Es ist nutzlos, sich dagegen zu wehren“, hieß es im Shop von Lot18, „also kann man sich auch einfach fügen.“ Nur zur Erinnerung: Hinter dem Namen steckt eine Figur, die regelmäßig rituell vergewaltigt wird.

Die ersten zwei Staffeln von „The Handmaid’s Tale“ liefen in den USA bei Hulu, eine dritte Staffel wurde bereits angekündigt. In Deutschland läuft die erste Staffel der preisgekrönten Serie mit Elisabeth Moss („Mad Men“) in der Hauptrolle seit Oktober 2017 exklusiv bei EntertainTV.