Handelsstreit und Bilanzen lähmt US-Börsen


Der schwelende Handelsstreit zwischen den USA und China sowie durchwachsene Firmenbilanzen haben US-Anleger am Donnerstag auf Abstand gehalten. „Viele Investoren sorgen sich offenbar davor, wie die Verhandlungen über die Zölle zwischen China und den USA ausgehen“, sagte Analyst Mark Luschini vom Brokerhaus Janney Montgomery Scott.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss kaum verändert auf 23.930 Punkten. Der breiter gefasste S & P-500 sank 0,2 Prozent auf 2629 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 0,2 Prozent auf 7088 Punkte.

Besonders im Fokus standen bei den Einzelwerten die Titel des Versicherers AIG mit einem Kursverlust von mehr als fünf Prozent. Der Gewinn des Allianz-Rivalen brach im Quartal um ein Fünftel ein.


Auch mit Aktien von Tesla ging es steil bergab. Sie verloren 5,5 Prozent, nachdem Firmenchef Elon Musk Analysten in einer Telefonkonferenz angeblufft und Fragen zum Finanzbedarf des Elektroautobauers abgebügelt hatte.

Rund drei Prozent legten Aktien von KKR zu. Der Finanzinvestor will seine Rechtsform ändern und damit für Anleger attraktiver werden.

Spotify enttäuschte mit seiner ersten Bilanz als börsennotiertes Unternehmen die Anleger. Hoffnungen, der weltgrößte Musikstreaming-Anbieter aus Schweden könnte nicht-zahlende Musikbegeisterte zügig zu einem kostenpflichtigen Angebot bewegen, erfüllten sich nicht. Die Aktie brach nach Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal um mehr als fünf Prozent ein.

Die Unsicherheiten über den Handelsstreit zwischen den USA und China und durchwachsene Firmenbilanzen belasteten auch die Börsen in Europa. Der Dax beendete seine Gewinnsträhne und verlor 0,9 Prozent auf 12.690,15 Punkte. Der EuroStoxx50 rutschte um 0,7 Prozent auf 3529,12 Zähler ab. Zwar sei noch nicht absehbar, inwieweit der Streit über US-Zölle Firmen weltweit beeinflusse, sagte Anlagespezialist Alastair George vom Handelshaus Edison Investment Research. Aber die Diskussion sorge für Unklarheit bei Managern und mache strategische Entscheidungen schwerer.

Eine US-Delegation um Finanzminister Steven Mnuchin traf sich mit Vertretern aus China, um einen möglichen Handelskrieg noch zu verhindern. US-Präsident Donald Trump drohte China mit Zöllen im Gesamtvolumen von 150 Milliarden Dollar, die Volksrepublik kündigte ihrerseits Vergeltungsmaßnahmen an. China ist bislang am stärksten von den neuen US-Zöllen auf Stahl- und Aluminium-Produkte getroffen.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 870 Millionen Aktien den Besitzer. 1396 Werte legten zu, 1904 gaben nach und 182 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,33 Milliarden Aktien 1046 im Plus, 1888 im Minus und 184 unverändert.

Die US-Kreditmärkte legten zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 5/32 auf 98-11/32. Die Rendite sank auf 2,9458 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 9/32 auf 97-22/32 und rentierte mit 3,1196 Prozent.