Wo Handel wenig kostet


Wichtige Aktienindizes rund um den Globus bewegen sich dieser Tage nahe ihrer Allzeithochs oder erreichen gar neue Rekorde. Der deutsche Leitindex Dax etwa übersprang Mitte Oktober die Marke von 13.000 Zählern und stellte damit einen neuen Höchststand auf. Auch an der Wall Street läuft es rund. Das US-Aktienbarometer S & P 500 kletterte aktuell ebenfalls erneut auf ein Allzeithoch. Vieles spricht dafür, dass sich der Aufwärtstrend fortsetzt, sagen Finanzexperten.

Die Profis begründen das mit dem soliden Wachstum der Weltwirtschaft und den stabilen Gewinnen vieler Unternehmen. Auch wenn die Kurse stark gestiegen sind, dürfte es sich weiter lohnen, in Aktien zu investieren, lautet die Botschaft. In der Vergangenheit haben sich Aktieninvestments selbst dann rentiert, wenn Investoren zu Rekordkursen eingestiegen sind, erklärt Gottfried Urban, Vorstand der Bayerischen Vermögens AG – jedenfalls auf lange Sicht. Spätestens 15 Jahre nach dem Kauf gab es immer einen Gewinn, auch nach Abzug der Inflation. „Wer eine Anlage mit langfristig gesichertem Mehrwert sucht, muss in einen globalen Aktienkorb investieren“, sagt Urban.

Wer Aktien kaufen will, kann entweder bei seiner Hausbank ein Depot eröffnen oder bei einem Onlinebroker. Anleger, die keine persönliche Beratung brauchen, sind mit einem Onlineanbieter besser bedient. Dort fallen in der Regel keine Kosten für die Depotführung an. Je weniger Geld der Anleger für das Depot bezahlt, desto mehr fließt in die eigentliche Geldanlage, und desto höher fällt am Ende der Wertzuwachs aus. Auch liegen die Ordergebühren bei Onlinebrokern üblicherweise niedriger als bei Filialbanken oder Sparkassen. Das ist vor allem für diejenigen Anleger wichtig, die Wertpapiere häufig handeln.


Die FMH-Finanzberatung hat für das Handelsblatt die Konditionen von 17 Onlinebrokern unter die Lupe genommen. Mit Ausnahme eines Onlinedepots der Postbank fallen bei keinem der untersuchten Anbieter Depotkosten an. Die Orderkosten unterscheiden sich allerdings deutlich und damit auch die jährlichen Gesamtkosten der beiden FMH-Musterkunden.

Zwei Handelsformen zur Auswahl

Bei der Analyse der Ordergebühren sind zwei Handelswege zu unterscheiden. Der erste ist Xetra, das Handelssystem der Deutschen Börse. Dort findet der Löwenanteil des deutschen Aktienhandels statt. Daneben führt FMH auch die Ordergebühren für den außerbörslichen Handel auf. Dabei kaufen Anleger Wertpapiere über ihren Onlinebroker direkt vom Emittenten.

Ob Anleger über Xetra oder außerbörslich Wertpapiere handeln sollten, hängt von ihren persönlichen Präferenzen ab. Beide Handelswege haben Vor- und Nachteile. So fallen etwa beim Xetra-Handel Börsengebühren an, die in die Ordergebühren der Onlinebroker einfließen. Der außerbörsliche Handel kann je nach Anbieter günstiger sein und läuft zudem schneller ab. Auf der anderen Seite sind Direktgeschäfte ohne Börsenbeteiligung mitunter intransparenter und illiquider.

Die Auswertung zeigt: Je nachdem, auf welchem Weg Kunden Wertpapiere handeln, bekommen sie bei unterschiedlichen Anbietern besonders günstige Konditionen. „Bei der Auswahl eines Onlinebrokers sollte man deshalb auch berücksichtigen, auf welchem Weg man künftig Wertpapiere handeln will“, rät FMH-Expertin Sigrid Herbst.

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Der erste FMH-Musterkunde ist ein konservativer, vermögender Investor. Sein durchschnittlicher Depotwert beträgt 120 000 Euro. Er platziert sechs Orders pro Jahr, mit einem durchschnittlichen Volumen von jeweils 10 000 Euro. Beim Handel über Xetra ist der niederländische Broker DeGiro für diesen Kunden der mit Abstand günstigste Anbieter. Pro Order werden dort nur 2,80 Euro fällig. Weil keine Depotgebühren anfallen, zahlt der Musterkunde auf das Gesamtjahr gerechnet zusammengenommen 16,80 Euro. Der Zweitplatzierte, die Onvista Bank, nimmt pro Xetra-Order bereits 6,50 Euro. Die jährlichen Gesamtkosten belaufen sich hier somit auf 39 Euro.

Handelt der vermögende Musterkunde Wertpapiere abseits des Börsenparketts, ist er mit dem deutschen Broker Flatex besonders gut bedient. Dieser verlangt pro Order 5,90 Euro. Bei sechs Orders pro Jahr werden also 35,40 Euro fällig. Am zweitbesten schneidet auch beim außerbörslichen Handel die Onvista Bank ab. Ebenso wie beim Handel über Xetra nimmt sie 6,50 Euro Gebühr pro Order.

Der zweite FMH-Musterkunde ist ein aktiver Kleinanleger. Er platziert pro Jahr 18 Orders mit einem durchschnittlichen Volumen von je 2 500 Euro. Sein Depotwert beträgt 35 000 Euro. Beim Xetra-Handel schneidet auch hier DeGiro am besten ab, mit einer Ordergebühr von 2,20 Euro. Weil der zweite Musterkunde deutlich mehr handelt als der erste, belaufen sich seine jährlichen Gesamtkosten bei DeGiro auf 39,60 Euro. Am zweitbesten schneidet der Lynx Broker mit Sitz in Amsterdam ab. Dort zahlt der aktive Kleinanleger pro Xetra-Order 5,80 Euro. Aufs Jahr gerechnet werden so 104,40 Euro fällig.

Beim außerbörslichen Handel bietet Flatex Kleinanlegern die günstigsten Konditionen im FMH-Test. Pro Order werden dort 5,90 Euro fällig. Auf Rang zwei liegt erneut die Onvista Bank, mit einer Ordergebühr von 6,50 Euro. Beide Anbieter nehmen, wie die meisten ihrer Konkurrenten auch, keine Depotgebühren. Die jährlichen Gesamtkosten belaufen sich für den Musterkunden somit auf 106,20 Euro beziehungsweise 117 Euro. Es zeigt sich bei beiden Musterkunden: Der Anleger muss seine Bedürfnisse genau analysieren, bevor er sich für eine Variante entscheidet.