Handball: Nach Krimi: Handballerinnen bei Heim-WM im Achtelfinale

Die deutschen Handballerinnen haben bei der Heim-WM vorzeitig das Achtelfinale erreicht. Der Sprung an die Tabellenspitze der Gruppe D wurde beim 22:22 (9:11) gegen Serbien aber verpasst.

Die deutschen Handballerinnen haben bei der Heim-WM vorzeitig das Achtelfinale erreicht. Der Sprung an die Tabellenspitze der Gruppe D wurde beim 22:22 (9:11) gegen Serbien aber verpasst.

Leipzig. Keine ausgelassenen Freudentänze, kein überschwänglicher Jubel: Bei den deutschen Handballerinnen dominierte trotz des vorzeitigen Achtelfinaleinzugs bei der Heim-WM zunächst der Frust. Die Mannschaft von Bundestrainer Michael Biegler kassierte beim 22:22 (9:11) gegen Serbien vier Sekunden vor Schluss den Ausgleich - das Erreichen des ersten Etappenziels trat damit beim WM-Debüt von Ausnahmetalent Emily Bölk erst einmal in den Hintergrund.

"Am Ende müssen wir es besser über die Bühne bekommen. Daher bin ich ein bisschen enttäuscht, aber unsere Ziele bleiben", sagte Spielführerin Anna Loerper nach einem regelrechten Handball-Krimi in der Arena Leipzig. Svenja Huber, mit sechs Toren beste Werferin der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB), sprach von "einem verlorenen Punkt".

Den Sprung an die Tabellenspitze in der Gruppe D verpassten die Ladies zwar mit 5:1 Zählern hinter den punktgleichen Serbinnen, sie bewiesen aber Moral und weckten auch bei ihrem dritten Auftritt zumindest phasenweise Hoffnungen auf ein erfolgreiches Turnier. "Die Deckung steht, auch wenn wir eine schwächere Phase hatten. Natürlich ist die Mannschaft enttäuscht, aber wir haben es insgesamt gut gemacht", sagte Biegler.

In den abschließenden beiden Vorrundenspielen gegen China am Mittwoch und Vize-Weltmeister Niederlande am Freitag (beide 18.00 Uhr/Sport1) geht es trotz des ersten Dämpfers um den Gruppensieg. Dafür sieht DHB-Vizepräsident Bob Hanning die Mannschaft gerüstet: "Sie haben ihre Reifeprüfung trotz des unglücklichen Ausgleichs bestanden."

Aggressive Verteidigung der Deutschen

Serbien sei ein anderes Kaliber, hatte Biegler nach den Auftaktsiegen gegen Kamerun (28:15) und Asienmeister Südkorea (23:18) gewarnt. Seine Spielerinnen hörten auf ihren Coach und begannen äußerst konzentriert. Aggressiv in der Abwehr, variabel im Angriff - der Lohn war eine 6:2-Führung vor 3871 Zuschauern (11.).

In der Folge schlichen sich aber zahlreiche Unsicherheiten ins deutsche Spiel ein. Die Deckung bekam immer weniger Zugriff auf die körperlich überlegenen Serbinnen, vorne wurden einige Chancen leichtfertig vergeben. Nach dem Ausgleich zum 8:8 (20.) nahm Biegler die erste Auszeit und wirkte beruhigend auf seine Spielerinnen ein. Das deutsche Angriffsspiel blieb aber bis zur Pause fehlerhaft, daran änderte auch die Einwechslung von Rückraumspielerin Bölk in der 26. Minute nichts. Das "Wunderkind" stand nach überstandener Fußverletzung erstmals zur Verfügung.

Nach dem Wechsel zeigten die Gastgeberinnen ihr Kämpferherz, Jenny Karolius glich zum 11:11 (36.) aus. Die deutschen Angriffsaktionen waren aber weiterhin zu überhastet. Serbien war zudem robuster. Beim 13:16 (40.) nahm Biegler die nächste Auszeit und forderte "klare Pässe" und "sichere Bälle".

Torhüterin Katja Kramarczyk wurde in der Folge immer mehr zum Rückhalt, Rechtsaußen Huber glich per Siebenmeter zum 18:18 (48.) aus. Mit Zeitstrafen machte sich die DHB-Auswahl das Leben aber selber schwer, auch Biegler hatte sich kurzzeitig nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung nicht im Griff und kassierte eine Strafe. "Die Mannschaft hat meine Strafe perfekt ausgebügelt, dafür bedanke ich mich bei dem Team", sagte Biegler.

Doch in der Schlussphase kämpfte sich das deutsche Team nervenstark zurück. Kreisläuferin Karolius sorgte in der 59. Minute für die umjubelte Führung, am Ende reichte es aber nicht zum Sieg.

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