Handball-EM: DHB-Gegner Tschechien: Ein echtes Wunder

Das DHB-Team trifft bei der EM in Kroatien zum Auftakt der Hauptrunde auf Tschechien (18.15 Uhr im LIVETICKER ). Die "Zweitliga-Truppe" ist die große Überraschung dieses Turniers und hat mit Ondrej Zdrahala eine Tormaschine in ihren Reihen, die nun wirklich niemand auf der Rechnung hatte.

Das DHB-Team trifft bei der EM in Kroatien zum Auftakt der Hauptrunde auf Tschechien (18.15 Uhr im LIVETICKER). Die "Zweitliga-Truppe" ist die große Überraschung dieses Turniers und hat mit Ondrej Zdrahala eine Tormaschine in ihren Reihen, die nun wirklich niemand auf der Rechnung hatte.

Tschechien galt vor der Europameisterschaft als krasser Außenseiter. Nicht einmal das Team selbst hätte es zu träumen gewagt, in Kroatien eine ernsthafte Rolle zu spielen. "Unser Ziel war es, keine Schande für unser Land zu sein", sagte der langjährige Bundesligaspieler Pavel Horak.

Selbst dieses bescheidene Vorhaben war nach dem 15:32-Debakel zum Auftakt gegen Spanien in weite Ferne gerückt. Doch nach zwei völlig überraschenden Siegen gegen Olympiasieger Dänemark (28:27) und Ungarn (33:27) steht die Truppe der in Deutschland ebenfalls bestens bekannten Trainer Daniel Kubes und Jan Filip in der Hauptrunde - wie das DHB-Team mit zwei Zählern auf dem Konto.

"Es ist ein echtes Wunder", kann Abwehrchef Horak den Höhenflug nicht erklären. Und Kubes ergänzte: "Ich möchte eigentlich keine Superlative benutzen, aber es ist schon eine Sensation, was wir geschafft haben."

Ondrej Zdrahala: Der vergessene Star

Dabei ist Tschechien, das sich für die EM 2016 und die WM 2017 nicht einmal qualifiziert hat, eine Mannschaft der weitestgehend Namenlosen. Filip Jicha hat seine Karriere beendet, kurz vor dem Turnierstart musste auch noch Spielmacher Tomas Babak (Bergischer HC) seine Teilnahme verletzungsbedingt absagen.

In ihrer Not erinnerten sich Kubes und Filip an Ondrej Zdrahala. Der 34-Jährige, der mittlerweile in der Schweiz für St. Gallen spielt, wurde reaktiviert. Das Ergebnis: Der Rückraum-Mitte-Akteur erzielte in den ersten drei Partien insgesamt 25 Treffer (alleine 14 gegen Ungarn) und ist damit bester Vorrunden-Torschütze der EM.

"Weil er sich in der Schweiz versteckt hält, hat die ganze Welt vergessen, wie gut er ist. Jetzt ist er wieder aufgetaucht und hat alle überrascht", witzelte Horak über seinen Teamkollegen.

Martin Galia: "Wir sind ein wunderbares Team"

Ansonsten verfügt Tschechien mit Martin Galia (Gornik Zabrze, Polen) über einen soliden Torhüter. Mit 14 Buden erweist sich bislang auch der rechte Rückraumspieler Stanislav Kasparek (Balatonfürdei KSE, Ungarn) als treffsicher.

Der Rest des Teams steht bei noch unbekannteren Klubs unter Vertrag, deren Namen teilweise nicht einmal Insider unfallfrei aussprechen können. Außerdem stehen mit Leos Petrovsky, Milan Kotrc (beide Bergischer HC), Tomas Mrkva (Balingen-Weilstetten) und Roman Becvar (HC Elbflorenz) vier Profis im Kader, die in der zweiten Liga in Deutschland ihr Geld verdienen.

"Vom Namen her sind wir vielleicht nicht so stark wie Ungarn und schon gar nicht wie Dänemark. Aber wir sind ein wunderbares Team. Dabei spielen hier Jungs mit, die ich vor einem Jahr noch gar nicht gekannt habe", sagte Galia, der zwischen 2004 und 2013 in der Bundesliga für Göppingen, Lemgo und Großwallstadt aktiv war.

Jicha: "Viel zu gewinnen und nichts zu verlieren"

Durch die gezeigten Leistungen in der Vorrunde, die die Tschechen bereits in Varazdin absolviert haben, ist das Team in einer komfortablen Situation. Die Auswahl hat jetzt schon viel mehr erreicht als erwartet und kann in den ausstehenden Spielen gegen Deutschland, Mazedonien und Slowenien völlig befreit und mit großem Selbstvertrauen auftreten.

"Wir sehen hier eine echte Mannschaft, die gut strukturiert ist. Sie hat viel zu gewinnen und nichts zu verlieren", sagte Jicha, Welthandballer von 2010, den Kieler Nachrichten.

Und Coach Filip ergänzte: "Wir leben jetzt unseren Traum und hoffen, dass es so weitergeht."

Alles andere als ein DHB-Sieg wäre eine Blamage

Die DHB-Auswahl ist gewarnt. Zwar spricht die Bilanz mit 15 Siegen, zwei Unentschieden und drei Niederlagen deutlich für die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop.

Alles andere als ein Sieg gegen die "Zweitliga-Truppe" aus Tschechien wäre für den Titelverteidiger allerdings eine Blamage und würde den Traum vom Halbfinale platzen lassen.

"Tschechien ist eine Mannschaft, die sich als Underdog entwickelt hat und befreit aufspielt. Sie haben eine starke Abwehr und gute Torhüter", sagte Prokop. DHB-Vizepräsident Bob Hanning meinte nach seinen deutlichen Ansagen mit einem Augenzwinkern: "Sie haben unverschämterweise ein bisschen unsere Rolle eingenommen. Sie sind unbeschwert her gekommen und rocken die EM."

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