Die Hand dieses Demonstranten der "Letzten Generation" musste nicht amputiert werden

Klimaaktivistinnen und -aktivisten der "Letzten Generation" kleben sich regelmäßig auf Straßen fest, um medienwirksam gegen die Umweltpolitik der Regierung zu protestieren. Anfang Dezember 2022 führte das in Mainz dazu, dass die festgeklebte Hand eines Aktivisten mit schwerem Gerät aus dem Asphalt geschnitten werden musste. Dazu behaupteten User fälschlicherweise, die Hand müsste deshalb amputiert werden. Der Aktivist sagte gegenüber AFP jedoch, er konnte seine Hand später von den Stücken selbst befreien, wurde nicht medizinisch versorgt und konnte seine Hand behalten.

Dutzende User haben die Behauptung seit dem 9. Dezember 2022 auf Facebook geteilt.

Die Behauptung: User teilen vor allem ein Video von einer Klebeaktion der Letzten Generation auf der Alicenbrücke in Mainz. Darin wird der Aktivist von der Straße befreit und mit Asphaltstücken an der Hand gezeigt. User behaupten zum Video: "Die Letzte Generation, oder Die Letzte Hand ? Wenn man sich sogar die Hand dafür Amputieren lassen muss!"

Screenshot der Behauptung auf Facebook: 12. Januar 2023

Die "Letzte Generation" ist eine Bewegung, die gegen fossile Treibstoffe demonstriert und mit medienwirksamen Aktionen die Regierung unter anderem zu einem Tempolimit von 100 Stundenkilometer auf Autobahnen und einem 9-Euro-Ticket für den öffentlichen Personenverkehr bewegen will. Dabei klebten sich Mitglieder der Bewegung unter anderem auf Autobahnen, blockierten Landebahnen am Münchner Flughafen, klebten sich an Kunstwerke und beschmierten Parteizentralen. Das führt immer wieder zu Kritik an den Aktionen und der Bezeichnung "Klimaterroristen"

Bei einem Protest am 9. Dezember 2022 klebten sich mehrere Aktivistinnen und Aktivisten auf der Alicenbrücke in Mainz an der Straße fest. Einer der Aktivisten vermischte den Sekundenkleber mit Sand, was dazu führte, dass er nicht mit Öl und Wasser von der Straße gelöst werden konnte, was dazu führte, dass er mit einer Flex befreit werden musste. Sekundenkleber lässt sich auch mit Wasser, Seife und Öl von der Haut lösen. Das dauert allerdings länger.

Hand wurde nicht amputiert

AFP hat mit dem Aktivisten Raúl Semmler am 11. Januar 2023 gesprochen. Er erklärte: "Ich habe mich auf die Straße geklebt. Die Polizei hat dann sehr lange gebraucht, um mich mit Öl zu befreien und es war mit Schmerzen verbunden. Deswegen war es einerseits ein Zeit- und andererseits ein Schmerzfaktor zu sagen: 'Okay, dann müssen wir es rausflexen.'" Er habe den Kleber zu Hause selbst lösen können.

"Ich habe das zu Hause dann mit Wasser und Öl abbekommen. Das hat maximal eine halbe Stunde gedauert", sagte er weiter. "Zu keinem Zeitpunkt stand eine Amputation im Raum. Es gab einen Sanitäterin, die sagte, es könne ernsthafte Folgen für meine Hand geben. Aber ich kenne die Kleber und habe die schon vorher bei mir an der Hand gehabt."

Am 12. Januar schickte Semmler AFP ein Foto mit einer abgesprochenen "AFP 01/2023" Beschriftung, die belegt, dass es sich um ein aktuelles Foto handelt. Darin ist seine rechte Hand zu sehen, an der nach der Aktion Asphaltstücke klebten. Seine linke Hand war nicht angeklebt, damit hielt er während der Aktion ein Poster.

Foto der nicht amputierten Hand von Raúl Semmler: 12. Januar 2023, Foto: Raúl Semmler

Die Postings führen keinen Beleg für die angebliche Amputation an. Ralf Peteranwahr, Sprecher der Stadt Mainz, erklärte auf AFP Anfrage am 13. Januar 2023: "Diese Story ist definitiv eine Falschmeldung." Die angebliche Amputation entspräche nicht der Realität. Er verwies auch auf Semmlers spätere Aktionen in der Stadt, bei denen er zu sehen war.

Auch Rinaldo Roberto, Sprecher der Polizei Mainz, erklärte am selben Tag, dass der Polizei keine Informationen darüber vorlägen, dass Semmler ein Schaden an der Hand entstanden sei. Auch er verwies auf eine spätere Aktion, bei der "beide Hände vorhanden waren".

Bereits am 26. Dezember 2022 war Semmler in einem Videointerview mit RTL zu sehen, in dem zu sehen ist, dass die Straßenreste von seiner Hand entfernt wurden.

Fazit: Die Hand des Aktivisten, der Anfang Dezember 2023 aus einer Straße in Mainz geschnitten werden musste, musste nicht amputiert werden. Er konnte seine Hand von Klebe- und Straßenresten mit Öl und Wasser lösen. Ein an AFP gesendetes Foto belegt, dass seine angeklebte Hand nicht amputiert wurde.