Hamilton genießt Corona-Auszeit: "Nicht nach links und rechts gezogen"

Norman Fischer
·Lesedauer: 4 Min.

Corona hat das Leben von allen Formel-1-Piloten beeinflusst. Um ihre Saison nicht zu gefährden, müssen sich die Piloten penibel an die Vorgaben halten - und selbst das hilft nicht immer, wie man an den positiven Fällen von Sergio Perez und Lance Stroll ablesen kann. "Das Problem ist: Du weißt nie, wo du es bekommen kannst. Selbst wenn du nur Tanken fährst, kann es passieren", sagt Max Verstappen.

Der Niederländer lässt nicht viel anbrennen und verzichtet etwa auf Essen außer Haus. Auch sein Teamkollege Alexander Albon sieht keinen Sinn darin, seinen Job für einen Burger zu riskieren. "Aber wie Max gehe ich ohnehin nicht so viel raus, von daher ist das für mich keine große Sache", sagt der Thailänder. Und wenn seine Familie ihn in London besuchen kommt, dann lässt sie sich vorher testen.

Auch Daniil Kwjat wählt laut eigener Aussage sehr bedacht aus, wen er sieht und wen nicht. Der Russe desinfiziert sogar alle Kästen mit Wasser aus dem Supermarkt, bevor er aus den Flaschen trinkt. "Aber ich mache nichts ganz Verrücktes", sagt er. "Ich lasse es einfach etwas ruhiger und vorsichtiger angehen."

McLarens Lando Norris weiß, dass das Leben derzeit nicht mehr so normal verläuft wie noch im vergangenen Jahr. Mit Freunden ausgehen, ist für ihn nicht mehr drin. Doch der Brite kann auch zuhause Spaß haben, wenn er etwa streamt oder mit seinen Freunden online spielt. "Ich muss nicht rausgehen", sagt er.

Norris: "So ist es nun einmal"

"Als Formel-1-Fahrer müssen wir unsere Jobs behalten und das machen, wofür wir bezahlt werden. Das bringt aber manchmal negative Effekte mit sich, dass wir jede mögliche Vorsichtsmaßnahme machen müssen und etwas den Spaß und das Leben außerhalb des Paddocks vermissen", sagt Norris weiter. "Aber so ist es nun einmal."

Lando Norris, McLaren, on the grid

Lando Norris, McLaren, on the grid<span class="copyright">Steven Tee / Motorsport Images</span>
Lando Norris, McLaren, on the gridSteven Tee / Motorsport Images

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Einer, der von den Einschränkungen in den Augen vieler ganz besonders betroffen sein dürfte, ist Lewis Hamilton. Der WM-Leader gilt als Lebemann, der zwischen den Rennen gerne in der Weltgeschichte rumjettet und sich mit vielen Freunden trifft. Doch eigentlich sieht er auch die Vorzüge des aktuell entschleunigten Lebens.

"Leute haben über die Jahre viele Dinge angenommen, wie mein Lebensstil so aussieht", sagt er. "Ich weiß, dass mit so ein Playboy-Image angelastet wird, was mich aber eigentlich nicht widerspiegelt, wenn man mich zuhause mit meiner Familie sieht oder meine Grundwerte kennt."

Hamilton: Länger zuhause sein "ist schön"

Er selbst sagt, dass die vergangenen Jahre häufig ziemlich gehetzt waren. "Es war viel los, und ich bin von einem Ort zum anderen gereist. Ich bin von London nach New York geflogen, von New York nach Singapur, und dort habe ich dann meine beste Qualifying-Runde aller Zeiten hingelegt und alle Kritiker widerlegt", sagt er. "Aber in diesem Jahr ist es anders."

Dass er 2020 nicht viel zum Reisen kommt, sei in gewisser Weise sogar erfreulich. "Ich werde nicht nach links und rechts gezogen. Ich konnte länger zuhause bleiben als in meinem gesamten Leben bisher. Das ist schön", findet der Mercedes-Pilot.

"Ich konnte mir eine Auszeit von Dingen nehmen, die ich ohnehin nicht so gerne machen wollte. Wir alle haben Bedürfnisse in unserem Leben mit der Arbeit. Nicht jeder möchte jeden Tag im Büro sein. Und es gibt ein paar Verpflichtungen, die ich auch nicht unbedingt immer tun möchte", so der Brite. "Aber die sind Teil der Maschine, in die wir involviert sind."

Doch die fallen für ihn 2020 größtenteils aus, sodass er sich auf den Rennsport konzentrieren kann. "Das habe ich schon immer geliebt. Es ist fast wie in alten Karttagen, denn so war es damals", sagt Hamilton. "Ich war in der Schule und dann am Wochenende immer Kartfahren. Es ist fast wie in alten Zeiten."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.