Hamburger Versandkonzern Otto setzt auf Paydirekt

Das Bezahlsystem Paydirekt der Banken und Sparkassen landet einen ersten großen Erfolg. Zum bislang überschaubaren Kundenkreis zählt jetzt mit dem Online-Händler Otto ein Branchenriese.


Das Online-Bezahlverfahren der deutschen Banken und Sparkassen, Paydirekt, kann einen Prestigeerfolg für sich verbuchen. Mit der Otto Group hat Paydirekt einen der größten deutschen E-Commerce-Händler für sich gewonnen. Als erstes Unternehmen der Otto Group wird der Online-Händler Otto das Zahlungssystem integrieren. Otto-Töchter wie Bonprix oder Heine könnten Paydirekt dann folgen. Paydirekt biete nicht nur höchste Sicherheitsstandards, Online-Käufe ließen sich auch „schnell und sehr einfach“ bezahlen, so Boris Jendruschewitz von der Otto Group.

Bislang konnte Paydirekt den hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Der Onlinebezahldienst wurde vor knapp zwei Jahren mit dem Ziel gegründet, dem Branchenriesen Paypal Paroli zu bieten. Jahrelang erkannte die deutsche Kreditwirtschaft nicht den strategischen Wert eines einfachen, sicheren Bezahlsystems im Internet. Dabei steigt der Einkaufsumsatz im Internet stetig. Der Vorsprung Paypals vor Paydirekt ist sowohl bei Kunden als auch bei Händlern riesig.


Vertreter der deutschen Kreditwirtschaft werten den Einstieg Ottos jetzt als Durchbruch. Bislang waren bei Paydirekt 1100 Händler registriert, in der Regel eher kleinere Adressen. Nur 45 dieser Onlineshops gehören nach Angaben des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI zu den 1000 umsatzstärksten der E-Commerce-Branche. Zudem musste Paydirekt vor wenigen Wochen noch einen Rückschlag wegstecken, als der Online-Möbelhändler Reuter seinen Rückzug vom Zahlsystem ankündigte.

Doch mit Otto verzeichnet Paydirekt jetzt ein Schwergewicht, dessen Einbindung wohl seinen Preis hat. Nach Angaben von Finanzkreisen bezahlt Paydirekt einen hohen einstelligen Millionenbetrag an Otto für die Integration des entsprechenden IT-Systems.

Auch mit dem bedeutenden Kunden dürfte es für Paydirekt schwer werden, die selbst gesteckten Ziele bei den Endkunden zu erreichen. Derzeit sind es 1,2 Millionen, bis Jahresende sollen es sieben Millionen werden. Zum Vergleich: Paypal zählt in Deutschland 19 Millionen aktive Nutzer, die in 50.000 Onlineshops einkaufen können.

KONTEXT

Paydirekt - was ist das?

Wer steht hinter Paydirket?

Paydirekt ist eine branchenweite Kooperation der deutschen privaten und genossenschaftlichen Banken sowie der Sparkassen.

Was unterscheidet Paydirekt von anderen Bezahldiensten?

Im Unterschied zu anderen Bezahldiensten ist Paydirekt kein Drittanbieter. Die Zahlung wird direkt über das eigene Konto abgewickelt. Außerdem wirbt Paydirekt damit, dass die Informationen über die Kundeneinkäufe nicht weiterverkauft würden. Das soll besseren Datenschutz gewährleisten.

Wie läuft die Registrierung?

Um sich für Paydirekt registrieren zu können, benötigen die Kunden ein Girokonto bei einer teilnehmenden Bank oder Sparkasse, einen Onlinebanking-Zugang sowie eine E-Mail-Adresse.

Können auch Käufer außerhalb Deutschlands Paydirekt nutzen?

Käufer, die keinen Wohnsitz in Deutschland haben, können Paydirekt nutzen, sofern sie ein Girokonto mit Onlinebanking-Zugang bei einer der teilnehmenden Banken oder Sparkasse haben sowie über eine E-Mail-Adresse verfügen.

Ab wann kann man Paydirekt nutzen?

Paydirekt ging Ende 2015 in den Markt.

Welche Gebühren entstehen Händlern durch Paydirekt?

Händler sollen ihre Gebühren direkt mit den teilnehmenden Banken und Sparkassen verhandeln.

Welche Bezahlarten können über Paydirekt abgewickelt werden?

Mit Paydirekt können Händler ihren Kunden den Einkauf mit Direktbuchung, Vorbestellung oder Teilzahlung anbieten.