Hamburger SV: "Enttäuschung" über einen Punkt beim VfB, der "Gold wert sein kann"

Der Hamburger SV bleibt auch im 15. Spiel nacheinander ohne Sieg. Gegen einen schwachen VfB Stuttgart fehlt erneut die Durchschlagskraft im Angriff.

Lewis Holtby lächelte, er sah aus wie einer, der optimistisch in die nahe Zukunft blickt - und nicht in den Abgrund, der sich längst vor ihm und dem Hamburger SV aufgetan hat. "Dieser Punkt", sagte Holtby also nach dem niveauarmen 1:1 (1:1) beim VfB Stuttgart , "kann Gold wert sein". Die Betonung liegt dabei allerdings auf: kann. Die Aussage gilt außerdem erst mal nur bis Sonntagnachmittag, wenn auch der FSV Mainz 05 gegen Borussia Mönchengladbach gespielt hat .

Christian Titz, Trainer des Hamburger SV und Unterstützer Holtbys, sah nicht aus wie einer, der optimistisch in die nahe Zukunft blickt. "Wir sind ein Stück weit enttäuscht", sagte er wenig überraschend und mit ernster Miene, "denn wir wissen, dass uns in unserer Situation nur Siege helfen." Die Betonung liegt dabei auf: nur Siege helfen. Wie sich ein Sieg anfühlt, hat der Hamburger SV allerdings zuletzt am 26. November 2017 erlebt - und seitdem 15-mal nicht.

Badstuber bemängelt fehlende Aggressivität beim VfB

Jener Hamburger SV, den Titz am Samstag in Stuttgart in ein ausverkauftes Stadion schickte, hat eine Zukunft, aber: Diese Zukunft wird aller Voraussicht nach dann doch in der 2. Liga beginnen. Gegen einen VfB, der so erschreckend schwach spielte und bieder wie diesmal, darf auch ein Tabellenletzter gewinnen - nur: Außer Holtby (18.) fand sich keiner, der einen zweiten Treffer erzielte. 20 Tore in 28 Spielen - das ist erbärmlich wenig, zu wenig, um erstklassig bleiben zu können.

Mit einem Sieg wäre der HSV am Sonntagnachmittag womöglich bis auf vier Punkte am Relegationsplatz dran gewesen - nun sind es mindestens sechs. Holtby betonte, dass Titz die Mannschaft endlich auf den rechten Weg gebracht hat, "wir sind überzeugt", sagte er, "dass diese Art Fußball zu spielen, uns weiterbringen wird". Gideon Jung merkte korrekt an, dass "wir noch sechs Spiele vor der Brust haben", und die, ergänzte er, "wollen wir genauso bestreiten".

Doch wo ein Wille ist, ist eben nicht immer ein Weg. Daniel Ginczek kam viel zu leicht zum zumindest zu diesem Zeitpunkt schmeichelhaften Ausgleich (44.). Der VfB war außerdem alles andere als übermächtig, er war, wie Holger Badstuber beklagte, "nicht aggressiv genug, nicht kompakt genug, zu ungenau", und er hat auch "nicht die Spieler, um das Spiel selbst zu machen. Wir sind eine Arbeits- und Zweikampftruppe, wir sind keine großen Kombinierer." Dem HSV nutzten diese Defizite nicht.

Und Stuttgart? Hat in den acht Spielen unter Trainer Tayfun Korkut nun 18 Punkte geholt. Nur noch zwei fehlen zur Marke von 40 Zählern, der selbsterklärten Ziellinie im Kampf um den Klassenverbleib. Der VfB blickt nicht mehr in den Abgrund. Er hat eine Zukunft. In der 1. Liga.