Hamburger Seegericht legt Urteil im Grenzstreit von Ghana und Elfenbeinküste vor

Ghana hat mit Erdölbohrungen in von der Elfenbeinküste beanspruchten Meeresgebieten nicht gegen internationales Seerecht verstoßen. Der Internationale Seegerichtshof in Hamburg stellte sich in einem am Samstag vorgelegten Urteil zum Grenzstreit der beiden westafrikanischen Staaten auf die Seite Ghanas. Die Elfenbeinküste hatte dem Nachbarstaat vorgeworfen, unerlaubt in ihren Gewässern Ölbohrungen betrieben zu haben.

2014 hatten die beiden Länder das Hamburger Gericht eingeschaltet, um eine Lösung im Streit um den Verlauf der Seegrenze zu finden. In dem umstrittenen Gebiet soll sich das größte Erdölvorkommen befinden, das im vergangenen Jahrzehnt in Westafrika entdeckt wurde. Unternehmen wie der französische Erdölriese Total, das russische Unternehmen Lukoil und die britische Firma Tullow Oil sprachen von bedeutenden Funden in dem Gebiet.

Die Elfenbeinküste hatte argumentiert, dass die Grenze im Meer nie konkret gezogen worden sei; sie äußerte den Verdacht, Ghana fördere unerlaubt in Gewässern der Elfenbeinküste Öl. Ghana hingegen machte geltend, dass die Seegrenze nach dem international üblichen Äquidistanz-Prinzip gezogen werden müsse. Dieser Auffassung schloss sich auch das Hamburger Gericht an, das den Grenzverlauf nun exakt kartografierte.

Ghana hatte 2010 mit der Erdölförderung im Meer begonnen, nachdem ein großes Offshore-Ölfeld entdeckt wurde. Die Elfenbeinküste fördert ihrerseits täglich bereits etwa 45.000 Barrel und will die Ölförderung in den kommenden Jahren noch kräftig ankurbeln. Die beiden Länder stehen wirtschaftlich in der Region sehr gut da. Beide sind große Kakaoproduzenten, die Elfenbeinküste der weltweit größte.