Hamburger Polizei startet neuen Versuch bei Suche nach 1999 verschwundener Hilal

Der wegen brutaler Überfälle auf zwei Frauen vor 37 Jahren festgenommene Mann aus Hamburg sitzt in Untersuchungshaft. Der Verdächtige soll 1980 zwei Jugendliche mit einem Jagdmesser attackiert und versucht haben, sie zu vergewaltigen

19 Jahre nach dem Verschwinden der zehnjährigen Hilal aus Hamburg unternehmen Ermittler einen weiteren Versuch, das Schicksal des Mädchens doch noch zu klären. Am Jahrestag des mutmaßlichen Verbrechens am Samstag wollen sie in einem Einkaufszentrum im Stadtteil Lurup eine Informationstafel mit einem Fahndungsaufruf installieren, teilte die Polizei am Freitag mit. Dort war Hilal am 27. Januar 1999 zuletzt gesehen worden.

Das Verschwinden des Mädchens gehört zu den rätselhaftesten Kriminalfällen der Hansestadt. Derzeit beschäftigt sich die sogenannte Cold-Case-Unit des Landeskriminalamts mit dem Fall, in dem Polizei und Staatsanwaltschaft bereits jahrelang mit immensen Aufwand ermitteln. Hamburgs Strafverfolgungsbehörden "vergessen nicht und werden nicht aufgeben, Hilals Schicksal doch noch aufzuklären", teilte die Polizei am Freitag dazu mit.

Durch die neue "dauerhafte Fahndungserinnerung" wollen die Beamten laut einer Sprecherin mögliche Zeugen ansprechen, die bis heute im Umkreis des Einkaufszentrums wohnen. Sie könnten sich eventuell doch noch an Begebenheiten erinnern, die ihnen entfallen waren oder die sie bisher nicht der Polizei meldeten.

Schon die "kleinste Information" können für die Ermittler "ein riesiges Puzzleteil darstellen, das ein Bild komplettiert", erklärte der Leiter der Hamburger Cold-Case-Einheit, Steven Baack. Seine Spezialeinheit nimmt sich systematisch bislang ungelöste Kriminalfälle vor, um neue Erkenntnisse zu finden.

Nach Angaben der Polizei unterstützt auch Hilals Familie den neuerlichen öffentlichen Fahndungsansatz. Sie hoffe, endlich zu erfahren, was vor 19 Jahren mit dem Mädchen geschehen sei. Hilal war damals spurlos aus dem Einkaufszentrum verschwunden, in dessen unmittelbaren Umfeld sie mit ihrer Familie wohnte.

Vor 14 Jahren gestand ein verurteilter Sexualstraftäter, das Mädchen entführt und getötet zu haben. Er zog sein Geständnis später aber zurück und weigerte sich, Hinweise auf die Leiche zu geben. Bis heute ist den Ermittlern zufolge unklar, ob er sich nur wichtig machen wollte oder tatsächlich der Täter war.

Die Ermittler ziehen nach Angaben Baacks jedenfalls bis heute auch andere mögliche Täter in Betracht. "Wir ermitteln in alle Richtungen", betonte er am Freitag. Nur eine Verstrickung der Familie von Hilal in den Fall sei "definitiv ausgeschlossen".