Hamas: Israelische Soldaten erschießen Palästinenser an Grenze zum Gazastreifen

Zusammenstöße an der Grenze des Gazastreifens

Die israelische Armee hat nach Angaben der Hamas-Regierung an der Grenze zum Gazastreifen erneut einen Palästinenser erschossen. Der 25-jährige Ahmed Arafa sei am Dienstag bei Zusammenstößen östlich der Stadt Bureidsch durch einen Schuss in die Brust getötet worden, erklärte das Gesundheitsministerium in dem Palästinensergebiet. Die israelische Armee erklärte, sie sei gegen "Krawalle" vorgegangen.

In vier Bereichen der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen habe es am Dienstag Unruhen gegeben, erklärte die Armee. Die israelischen Soldaten hätten daraufhin "Mittel eingesetzt, um die Krawalle zu beenden, und das Feuer auf Verdächtige eröffnet, die die Sicherheitsbarriere beschädigten".

Wenige Stunden zuvor hatte der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman die Palästinenser vor einer "Fortsetzung der Provokationen" gewarnt. Jeder, der sich der Sperranlage zwischen Israel und dem Gazastreifen nähere, bringe "sein Leben in Gefahr", erklärte der rechtsgerichtete Politiker.

Die gewaltsamen Proteste an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel hatten am Freitag erneut begonnen; seitdem wurden bereits 17 Palästinenser getötet und hunderte weitere verletzt. Lieberman erklärte dazu am Dienstag, bei der Mehrheit der Getöteten handele es sich um "Terroristen".

Der Freitag war der blutigste Tag im Gazastreifen seit dem dort von Israel geführten Krieg im Jahr 2014. Zehntausende Palästinenser beteiligten sich am "Tag des Bodens" an den Massenprotesten. Die israelische Armee sprach von 30.000 Teilnehmern, unter ihnen auch Frauen und Kinder.

Seit dem Wochenende hatten sich die Proteste zwar deutlich abgeschwächt. Allerdings rief die radikal-islamische Hamas zu weiteren Massendemonstrationen auf, die am Freitag erneut tausende Menschen auf die Straße bringen könnten.

Der "Tag des Bodens" erinnert an die gewaltsame Niederschlagung von Protesten arabischer Bauern gegen die Enteignung ihres Landes im Norden Israels am 30. März 1976. Die neuen Proteste sollen bis Mitte Mai dauern.

Israel hatte sein hartes Vorgehen vom Freitag verteidigt. Ein Armeesprecher sagte am Wochenende, es habe sich "nicht um eine Protestkundgebung" gehandelt, sondern um "organisierte terroristische Aktivitäten". Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf den israelischen Sicherheitskräften am Dienstag hingegen vor, bei ihrem Vorgehen Todesopfer in Kauf genommen zu haben.