Haltbarkeitsdatum: Die kreative Lösung der Norweger

Milch hält länger, als man denkt. Kommt bald das doppelte Haltbarkeitsdatum? (Bild: Getty Images)

Viele Verbraucher werfen Lebensmittel, die das Haltbarkeitsdatum überschritten haben, weg – ohne zu schauen, ob sie auch wirklich verdorben sind. Dabei landen jährlich unzählige Tonnen von Nahrungsmitteln im Müll. In Norwegen hat man nun eine Lösung für dieses Problem gefunden.

Wie in Deutschland steht auch in Norwegen auf Milchprodukten die Formulierung: „Mindestens haltbar bis“. Doch in dem skandinavischen Land werden Sahne, Milch und Joghurt laut „Foodwatch“ schon bald einen anderen Hinweis enthalten, nämlich: „Mindestens haltbar bis, aber nicht schlecht nach“. Neben den Molkereien Tine und der Q-Molkerei wird auch der Ei-Händler Prior diese Formulierung auf den Etiketten einführen.

Christian Schmidt von der CSU schlug 2016 einen „Verbraucherkorridor“ vor. (Bild: AP Photo)

In Deutschland, Norwegen und vielen anderen Ländern verwechseln Verbraucher oft das Mindesthaltbarkeitsdatum mit dem Verfallsdatum. Mit Letzterem werden zum Beispiel Fleisch- und Geflügelprodukte gekennzeichnet, da diese selbst im Kühlschrank schnell verderben und bei denen der Verzehr im Extremfall zu einer Lebensmittelvergiftung führen kann, etwa durch Salmonellen.

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In Deutschland wird seit Jahren über eine Änderung der bestehenden Praxis diskutiert. Dem „Handelsblatt“ zufolge machen sich die globalen Lebensmittelproduzenten für eine Neuregelung des Mindesthaltbarkeitsdatums stark. Ähnlich wie in Norwegen soll es zwei Kennzeichnungen geben: Ein Verkaufsdatum, bis zu dem das Produkt im Laden stehen darf, und ein Verfallsdatum, das den Kunden anzeigt, wie lange das Produkt konsumierbar ist.

Großbritannien und Japan gelten hierbei als Vorreiter. Die beiden Länder haben das Modell des doppelten Haltbarkeitsdatums schon vor Jahren eingeführt. In Deutschland gibt es allerdings Widerstand gegen diese Bestrebungen. „Die Industrie will keine doppelte Kennzeichnung der Haltbarkeitsdaten“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Milchindustrie-Verbands, Eckhard Heuser, im Juni 2017 gegenüber dem „Handelsblatt“.

Die Politik zeigt sich derweil offen für den Vorschlag: Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, hat schon vor eineinhalb Jahren einen Vorstoß in Sachen Haltbarkeitsdatum gewagt. Der „Rheinischen Post“ sagte er im Juli 2016: „Verbraucher sollen einen Korridor erkennen können zwischen Mindesthaltbarkeit und dem tatsächlichen Verfall eines Produkts.“

Schmidt hatte daneben noch einen futuristischen Vorschlag parat: „Nach meiner Vorstellung wären zum Beispiel sensitive Folien auf den Deckeln von Joghurtbechern nützlich, die farblich anzeigen, ob das Produkt noch genießbar ist oder nicht.“ Bei dem Vorschlag blieb es allerdings auch.

Eine gesetzliche Neuregelung lässt hierzulande noch auf sich warten.

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