Der Halstenberg-Ausfall und die Folgen: RB Leipzig stellt sein Scouting um

RB ist auch dank einer geschickten Transferarbeit an den etablierten Vereinen vorbeigezogen. Zuletzt funktionierte das Scouting aber nicht.

Lange Zeit galt RB Leipzig als ligaweites Vorbild in Sachen Transfers. Ausnahmetalente wie Naby Keita, Timo Werner, Emil Forsberg, Marcel Sabitzer oder Dayot Upamecano wurden früh entdeckt und erfolgreich in die Messestadt gelockt, wo sie zu Top-Spielern reiften. Doch zuletzt hat das Image des inoffiziellen Transfermeisters arge Kratzer abbekommen. Und das will der finanzstarke Emporkömmling nicht auf sich sitzen lassen.

Die Verletzung von Nationalspieler Marcel Halstenberg (Kreuzbandriss) acht Tage vor dem Schließen des Transferfensters hat schonungslos Schwächen im Scoutingbereich des Vizemeisters offenbart. Trotz intensiver Bemühungen war es der sportlichen Leitung nicht gelungen, einen adäquaten Ersatz für den Linksverteidiger zu verpflichten. Bei Hertha BSC fühlte RB-Sportdirektor Ralf Rangnick wegen Marvin Plattenhardt vor, doch die von den Berlinern aufgerufene Summe hatte die erhofft abschreckende Wirkung.

Paul Mitchell soll neue Juwele für RB Leipzig finden

Um auf Plattenhardt als Alternative zu kommen, braucht man aber kein teures Scouting. Es fehlte an kreativen Ansätzen, zumal kurz zuvor Chefscout Johannes Spors (Hamburger SV) und Sportkoordinator Frank Aehlig (1. FC Köln) gewechselt waren. Rangnick hat das Problem erkannt und Nägel mit Köpfen gemacht.

RB holte den Engländer Paul Mitchell, einen in der Szene hochgeschätzten Talentspäher, als neuen Chefscout mit erweiterten Kompetenzen. Der 36-Jährige soll nicht nur europa- und weltweit die Suche nach Rohdiamanten forcieren, sondern auch die unbefriedigende Talentförderung in der RB-Akademie angehen.

"Er hat es in Southampton immer wieder geschafft, Spieler aus dem eigenen Nachwuchs nach oben zu bringen sowie auch relativ unbekannte Spieler zu holen, die dann zu Topspielern wurden", sagte Rangnick über Mitchell. Auch Trainer Ralph Hasenhüttl begrüßt diese Personalie: "Wir als Trainerteam werden jetzt einen intensiveren Austausch mit der Scoutingabteilung haben."

Dieser im Zeitalter horrendender Ablösesummen extrem wichtige Bereich konnte zuletzt mit der sportlichen Entwicklung nicht Schritt halten, wie Hasenhüttl andeutete: "Wir als Verein wollen keinen Stillstand, in keinem Bereich." Als Problem erwies sich auch, dass der Sprung für die vielen Talente aus der eigenen Jugend in den Profikader mit Champions-League-Niveau zu groß war.

Rangnick und Hasenhüttl sind unzufrieden

Rangnick gab offen zu: "Mit der Entwicklung können wir alle nicht zufrieden sein." Das Selbstverständnis des Klubs im heiß umkämpften Markt der Top-Talente sei ein anderes, so der Sportdirektor: "Wir werden uns jetzt so aufstellen, dass wir in den nächsten Sommertransferperioden jeden Spieler auf der ganzen Welt kennen – jeden in Deutschland, jeden in Europa, oder China, Japan oder egal, wo es Fußballspieler gibt."

So eine Situation wie nach dem Halstenberg-Ausfall soll sich in Leipzig nicht wiederholen. "Es wird nicht mehr vorkommen, dass wir bei einer kurzfristigen Verletzung nicht auf jeder Position sofort Alternativen parat haben", sagte Hasenhüttl: "Das kann nicht unser Anspruch sein."