Hallux valgus: Nicht nur ein Problem für Frauen, die High-Heels tragen

Carolin Klar
Freie Autorin für Yahoo Style
Auch bei der vierfachen Mutter und High-Heel-Queen Victoria Beckham ist der Hallux stark ausgeprägt. (Bild: Team GT/ GC Images via Getty Images, Collage Yahoo Style)

Ob schlanke Frauen oder übergewichtige Männer, Stöckelschuh-Fans oder Leder-Sneaker-Dauerträger: Die Fehlstellung der Zehen trifft viele. Auch einige Stars haben deformierte Füße. Die Ursachen sind unterschiedlich, und in manchen Fällen wird sogar eine Behandlung nötig. Eine gute Devise ist also: vorbeugen oder ein weiteres Fortschreiten verhindern – wir verraten wie!

Was ist ein Hallux valgus?

hallux ist der lateinische Begriff für “Großzeh” und valgus bedeutet “schief”. Der Hallux valgus ist also eine Fehlstellung des großen Zehs. Sie entsteht dadurch, dass sich der auf der Innenseite des Fußes sitzende Mittelfußknochen weiter von seinen benachbarten Knochen wegbewegt und eine Wölbung bildet. Der Vorderfuß sieht dadurch breiter aus, und im Bereich der Zehenspitzen entwickelt der Fuß eine eher dreieckige Form. Je nach Ausprägung entsteht durch den verschobenen Knochen eine Beule, die mehr oder weniger deutlich sichtbar hervortritt. Gleichzeitig wandert die große Zehe weiter zum benachbarten, zweiten Zeh. Er kann sich irgendwann sogar ein wenig unter oder über ihn schieben.

Breiter Vorderfuß, Beule, dreieckige Form im Zehenbereich: Bei Model Naomi Campbell ist gut zu sehen, wie ein Hallux valgus aussehen kann. (Bild: Angela Weiss/ AFP/ Getty Images, Collage Yahoo Style)

Ursachen für den Hallux valgus

Der Hallux valgus ist eine der häufigsten Fehlstellungen der Füße. Meist sind Frauen vom sogenannten Ballenzeh betroffen. Jedoch trifft das Problem nicht nur solche, die High-Heels tragen. Und: Auch Männer können den Großzehballen entwickeln, wenn auch deutlich seltener (circa 10 Prozent).

Schuhe sind die Hauptursache für das Problem

Schuhe begünstigen die Entstehung des Hallux valgus, wenn sie zu eng, zu spitz, zu hoch oder schlichtweg unbequem sind. Sie deformieren die Füße, schaden den Muskeln, die das Fußgewölbe stützen oder erhöhen die Last auf die Quergewölbe der Füße.

Herzogin Meghan ist ebenfalls betroffen, trägt aber trotzdem gerne hohe Absätze. (Bild: Neil Mockford/ GC Images via Getty Images)

Offen oder vorne rund geschnittene High-Heels, bei denen die Zehen vermeintlich genug Platz haben, sind durch ihre Höhe genauso ein Problem wie flache Ballerinas, die die Füße seitlich und vorne einengen. Und selbst Turnschuhe oder Halbschuhe, die zu knapp sitzen und aus relativ festem Material wie beispielsweise Leder gefertigt sind, können bei jeder Abrollbewegung drücken.

Achtung auch bei Socken!

Socken in den Schuhen – egal in welchen – verändern den Sitz ebenfalls und nehmen den Füßen den Freiraum, den sie brauchen. Wer im Winter dickere Socken in den Schuhen trägt oder Strümpfe zu seinen Ballerinas anzieht, weil selbst in der warmen Jahreszeit morgens und abends die Füße frieren, muss sich bewusst sein: Ein dadurch entstehender Platzmangel in den Schuhen tut den Füßen nicht gut. Socken dürfen außerdem grundsätzlich nicht zu klein sein, da sie dann ebenfalls die Bewegungsfreiheit der Füße einschränken.

Kurzum: Fehler bei der Wahl des Schuhwerks und der Socken kann bei Frauen und Männern das Zehenproblem Hallux valgus auslösen. Durch äußere Einflüsse sollte es keinesfalls öfter oder gar regelmäßig an den Füßen drücken.

Kinderfüße brauchen ebenfalls ihre Freiheit!

Die Hallux-valgus-Vorbeugung beginnt übrigens bereits im Kindesalter. Da die Füße der Kleinen laufend wachsen, muss regelmäßig überprüft werden, ob ihre Schuhe oder Socken zu eng sitzen.

Weitere Ursachen

Falsche Schuhe, vor allem High-Heels, gelten als die häufigste Ursache für den Beulenfuß, jedoch sind auch Faktoren wie genetische Veranlagung und weiches Bindegewebe Auslöser für den Schiefstand des Großzehs. Das Bindegewebe kann beispielsweise durch Medikamente, Krankheiten oder eine Schwangerschaft geschwächt sein. Wer viel steht, wie etwa Verkäufer*innen oder Gastro-Mitarbeiter*innen, oder wer an Rheuma leidet, trägt ebenfalls ein höheres Hallux-valgus-Risiko. Des Weiteren belastet Übergewicht die Fußregion.

Wann eine Behandlung nötig ist

Durch die Verschiebung der Knochen und Zehen kann es zu einer Fehlbelastung kommen und der Platz in den Schuhen noch weniger werden. Rötungen, Schleimbeutelentzündungen, Knorpelabnutzung, Schwielen oder Hühneraugen: Die Beschwerden können am Hallux selbst, aber auch am Fußballen und den restlichen Zehen, bis hin zum kleinen Zeh auftauchen.

Große Beule, große Schmerzen? Die Ausprägung des Hallux valgus sagt nichts darüber aus, wie schmerzhaft er ist. Die Wölbung kann klein und trotzdem sehr unangenehm sein.

Spätestens, wenn die Verformung des Fußes Beschwerden verursacht, ist Handeln beziehungsweise der Besuch beim Arzt angesagt. Durch Einlagen, Schaumstoffpolster, Nachtschienen oder Bandagen können die Zehen entlastet und wieder etwas zurück in ihre ursprüngliche Position gebracht werden – jedoch nur bis zu einem gewissen Grad. Ganz rückgängig machen lassen sich die Fehlstellungen mit den Hilfsmitteln nicht.

Die Narbe am linken Fuß von Herzogin Meghan könnte von einer Hallux-valgus-Operation stammen. (Bild: Pool/ Samir Hussein/ WireImage via Getty Images)

Wenn der Fuß dauerhaft Schmerzen bereitet und extrem verformt ist, hilft eine Operation. Auch Meghan, die Herzogin von Sussex, hat sich womöglich einer solchen unterzogen. Diese Vermutung äußerte der Podologe Robert Duff in der britischen Zeitung “Daily Mail”. An Meghans rechtem Fuß ist ein Ballenzeh zu sehen, nicht jedoch an dem anderen – dort hat sie eine Narbe. Die Narbe am linken Fuß könne von einer Hallux-valgus-Operation stammen, sagt der Fußexperte. Zumindest ist die größere Beule, die Meghan dort früher hatte, weg.

Wie kann man dem Beulenfuß vorbeugen?

Wenn der Fuß bereits einen Hallux valgus entwickelt hat, hilft Zehengymnastik. Sie bewirkt, dass die Fehlstellung weniger Beschwerden verursacht und nicht weiter voranschreitet. Sie dient jedoch auch zur Vorbeugung. Durch gezielte Übungen wird die Durchblutung gefördert, die Muskeln werden gefestigt und die Beweglichkeit bewahrt. Physiotherapeuten geben Betroffenen individuelle Empfehlungen. Beispielsweise kann man die Füße abwechselnd zu Krallen formen und wieder spreizen.

Ebenfalls gut für die Fußmuskeln ist Barfußlaufen – am besten so oft wie möglich. Es gibt auch sogenannte Barfußschuhe und Zehenschuhe für alle, die unterwegs ihre Füße bekleiden aber dem natürlichen Barfußgefühl möglichst nah kommen wollen. Und selbstverständlich müssen alle Schuhe, die man trägt bequem sein, ob zu Hause, in der Freizeit oder im Beruf. Dabei gilt es auch auf ein gutes Fußbett zu achten.