Last-Minute-Schock: Frankfurt vermiest Kohfeldt-Debüt

Eintracht Frankfurts Sebastian Haller schockt Werdern Bremen mit Last-Minute-Tor

Neuer Trainer, altes Leid: Auch unter "Krisenmanager" Florian Kohfeldt sucht Werder Bremen vergeblich den Weg aus der Misere. Trotz einer überzeugenden Vorstellung im ersten Spiel unter der Leitung des 35-Jährigen verloren die Hanseaten am Freitagabend bei Eintracht Frankfurt mit 1:2 (1:1) - es droht mit Pech sogar der Absturz ans Tabellenende. Für Kohfeldt, der Alexander Nouri abgelöst hatte, könnte die Niederlage bereits das Aus als Interimstrainer bedeuten. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)


"Wir müssen in der ersten Halbzeit die Tore machen", ärgerte sich Ex-Nationalspieler Max Kruse am Eurosport-Mikrofon: "Aber wir haben endlich wieder Fußball gespielt, was wir in den vergangenen Wochen gar nicht gemacht haben. Leider können wir uns davon nichts kaufen, weil wir am Ende im Tiefschlaf waren." Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner hatte beinahe Mitleid mit dem Gegner: "Aus meiner Sicht haben die Bremer super Fußball gespielt und Moral gezeigt. Unter dem Strich ist unser Sieg glücklich, aber verdient."

Hübner: "Glücklicher Sieg"

Zwar beendete Niklas Moisander (25.) zum Auftakt des 11. Bundesliga-Spieltags mit seinem Treffer nach 509 Minuten die Bremer Torflaute. Weil für Frankfurt aber Ante Rebic (17.) und Sebastien Haller (89.) trafen, muss Bremen weiter auf den ersten Liga-Sieg seit dem 29. April warten. Die Eintracht feierte dagegen vor 51.500 Zuschauern in der ausverkauften WM-Arena den fünften Saisonsieg und kletterte vorerst auf Platz fünf.


Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner sagte nach dem glücklichen Sieg bei Eurosport: "Dass es zur Halbzeit 1:1 steht, lag an unserem Torwart. Ein glücklicher Sieg aber nicht unverdient. Sie haben sich viele Chancen erarbeitet. Das tut einem schon ein Stück weit leid." Und Kevin-Prince Boateng ergänzte noch: "Wir geben nicht auf und probieren bis zum Ende zu fighten und werden belohnt."


Werder lässt Torchancen liegen

Die auf drei Positionen veränderte Bremer Startelf begann entschlossen und legte über weite Strecken die deutlich reifere Spielanlage an den Tag. Im Vergleich zum desaströsen 0:3 gegen den FC Augsburg am vergangenen Spieltag, das Nouris Schicksal besiegelt hatte, war die Anfangsphase ein großer Fortschritt. Das Problem aber blieb auch unter Kohfeldt das gleiche: Werder agierte in der Gefahrenzone zu harmlos.

Obwohl die Gäste einige Male mit viel Geschwindigkeit in den Rücken der Frankfurter Hintermannschaft gelangten und auch immer wieder vielversprechende Standardsituationen zugesprochen bekamen, blieb Max Kruses Chance (2.) lange Zeit die einzige. Der Ausgleich war dann auch begünstigt durch gravierende Abstimmungsfehler der Eintracht-Defensive, Moisander behielt im dichten Chaos den Durchblick und traf aus kurzer Distanz. (Ergebnisse/Spielplan der Bundesliga)

Sammer lobt Bremen

Nichtsdestotrotz hatte Bremen zu diesem Zeitpunkt bereits Teile seiner Überlegenheit eingebüßt, die Zuschauer in der WM-Arena sahen nun ein ausgeglicheneres Duell mit guten Möglichkeiten auf beiden Seiten. Für Frankfurt vergab Marius Wolf (29.) dabei die beste Chance zur Führung, bei den Bremern scheiterten Werder-Kapitän Zlatko Junuzovic (40.), Kruse (42.) und Maximilian Eggestein (43.) am herausragenden SGE-Keeper Lukas Hradecky.


In der Halbzeitpause war Eurosport-Experte Matthias Sammer von Kohfelds neuem Bremen beendruckt: „Wow, Werder ist sehr flexibel, es war eine Herausforderung, das zu verfolgen." In der Offensive war es wohl ein 4-1-2-3, in der Defensive eher ein 5-3-2.

Haller vermiest Kohfeldt-Debüt

Der Auftakt des zweiten Durchgangs gestaltete sich weniger spektakulär als das Ende des ersten. Beide Mannschaften neutralisierten sich größtenteils zwischen den Strafräumen, nur einmal eröffnete sich die Gelegenheit zur Führung. Als sich Frankfurts Jetro Willems auf der Außenbahn durchsetzte und den Ball scharf in den Strafraum schoss, rutschte Boateng mit dem falschen Timing zum Ball. (Die Tabelle der Bundesliga)

Kohfeldt wirkte an der Seitenlinie angesichts der durchwachsenen Leistung in der zweiten Halbzeit ein wenig ratlos. Mit den Händen in den Hosentaschen tigerte er in seiner Coaching-Zone hin und her, rief seinen Schützlingen Anweisungen zu verbunden mit der Hoffnung auf das erlösende Siegtor, das dann Haller für die Eintracht erzielte.

Nach seiner Premieren-Pleite blickte Werder-Coach Kohfeldt trotzdem optimistisch in die Zukunft: "Wir wollten mehr Fußball spielen, das haben wir in der ersten Halbzeit gemacht. Da müssen wir klar führen. In der zweiten Halbzeit sind wir wieder diesen einen Schritt zurückgewichen, da waren wir zu passiv. Trotzdem: Wenn wir so weitermachen, werden wir auch punkten. Es ist alles klar besprochen. Wir fliegen nach Bremen zurück und dann werden wir sehen, wie es weitergeht."