Haitis Regierungschef ernennt neuen Justizminister nach Entlassung von Staatsanwalt

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Ariel Henry (AFP/Valerie Baeriswyl)

Nach der Entlassung des leitenden Staatsanwalts im Zuge der Ermittlungen zum Mord an Haitis Präsidenten Jovenel Moïse hat Ministerpräsident Ariel Henry einen neuen Justizminister ernannt. Liszt Quitel wird zum Übergangs-Minister für Justiz und öffentliche Sicherheit, wie die Zeitung "Le Moniteur" am Mittwoch (Ortszeit) berichtete. Am Vortag war der Leiter der Staatsanwaltschaft entlassen worden, nachdem er den Regierungschef wegen möglicher Verwicklung in den Mord an Moïse anklagen wollte.

Henry hatte der Staatsanwaltschaft zufolge in der Nacht des Attentats mit einem der Hauptverdächtigen in dem Fall telefoniert. Das Attentat auf Präsident Moïse in der Nacht zum 7. Juli sorgt seit Wochen für Unruhe, die Hintergründe sind nach wie vor völlig undurchsichtig. Moïse war in seinem Haus in Port-au-Prince von einem Mordkommando erschossen worden. Seine Frau überlebte schwer verletzt. Der Präsident hatte als eine seiner letzten Amtshandlungen Henry zum neuen Ministerpräsidenten ernannt.

Die Polizei nahm bereits dutzende Verdächtige im Zusammenhang mit dem Mord fest, darunter haitianische Polizisten, kolumbianische Söldner und zwei US-Bürger haitianischer Herkunft. Laut Polizei wurde das Attentat von Haitianern mit politischen Ambitionen und Verbindungen ins Ausland geplant.

Der Mord an dem Präsidenten hat den ohnehin von Kriminalität, Korruption, politischer Instabilität und großer Armut geprägten Karibikstaat in eine noch tiefere Krise gestürzt. Moïse hatte Haiti zuletzt per Dekret regiert, nachdem eine für 2018 geplante Parlamentswahl unter anderem wegen Protesten gegen ihn verschoben worden war. Der Präsident war unpopulär: Viele Haitianer machten ihn für die schwere Corona-Krise im Land und die zunehmende Gewalt durch kriminelle Banden verantwortlich.

mkü/gt

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