Haftstrafen wegen Anti-Kriegsaktion am ehemaligen KZ Auschwitz

Ein Gericht im südpolnischen Oswiecim hat zwei Veranstalter einer umstrittenen Anti-KriegsAktion am ehemaligen Nazi-Todeslager Auschwitz zu Haftstrafen verurteilt. Das Gericht befand die Männer am Mittwoch für schuldig, die Gedenkstätte entweiht und ein Tier gequält zu haben. Sie erhielten eine Freiheitsstrafe von 18 beziehungsweise 14 Monaten Gefängnis.

Die meisten der anderen zehn Angeklagten - Männer und Frauen im Alter zwischen 20 und 27 Jahren, unter ihnen ein Deutscher - wurden zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Ein Angeklagter muss eine Geldstrafe von umgerechnet 2400 Euro zahlen.

Die Mitglieder der Gruppe Love Macht Frei hatten sich im März 2017 am Eingang zum früheren KZ entblößt und aneinandergekettet. Sie befestigten ein weißes Banner mit dem in roter Farbe geschriebenen Wort "Liebe" über dem berüchtigten Tor mit dem zynischen Schriftzug "Arbeit macht frei". Außerdem schlachteten sie ein Schaf.

Staatsanwalt Mariusz Slomka, der höhere Strafen für die beiden Hauptangeklagten forderte, sagte in seinem Plädoyer, Auschwitz sei eine "Gedenkstätte der Menschheit, das Symbol des Martyriums und ein Friedhof für tausende Menschen". Es müsse ein "deutliches Zeichen" gesetzt werden, damit sich derartige Handlungen niemals wiederholen dürfen.

Adam B. und Mikita V. führten aus, sie hätten für einen guten Zweck gehandeltn. Sie hätten mit ihrer Performance gegen den Krieg protestiert. Im vergangenen Jahr hatte die Gruppe erklärt, das Schaf symbolisiere ein "Kriegsopfer, dem endgültig das Leben genommen wurde".

Vertreter der Gedenkstätte und der jüdischen Gemeinde zeigten sich schockiert über die Protestaktion. Der Direktor des Museums Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywinski, sagte am Mittwoch: "Diese Leute haben einen der weltweit tragischsten Orte geschändet (...) und schamlos versucht, vage Ideen zu verbreiten, die niemals wirklich erklärt wurden." Dabei hätten sie Millionen von Menschen verletzt, deren Angehörige im Lager umgekommen seien.

Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau war im Zweiten Weltkrieg im damals von Hitler-Deutschland besetzten Polen das größte NS-Vernichtungslager. Etwa 1,1 Millionen Menschen wurde dort ermordet, eine Million davon waren europäische Juden. Unter den Auschwitz-Toten sind auch 80.000 nicht-jüdische Polen, 25.000 Sinti und Roma sowie 20.000 sowjetische Soldaten. Die sowjetische Rote Armee befreite das Lager am 27. Januar 1945.