Haftstrafen in Berliner Prozess um Vergewaltigung von Minderjährigen

Am Berliner Landgericht ist am Mittwoch ein Prozess gegen fünf junge Männer zu Ende gegangen, die im Jahr 2015 eine 14-Jährige mittels Erpressung zum Sex gezwungen haben sollen. Zwei der Angeklagten, Mohammad S. und Wael I., mussten sich außerdem wegen der Vergewaltigung und Freiheitsberaubung einer 16-Jährigen im Jahr darauf verantworten. Letztlich konnte lediglich der zweite Fall rechtlich belangt werden.

S. wurde wegen Beihilfe zur Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Erstellung jugendpornografischen Materials zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren verurteilt. I., der zum Tatzeitpunkt bereits volljährig war, wurde der Vergewaltigung und Freiheitsberaubung schuldig gesprochen. Ihn erwartet nun eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Für alle anderen Angeklagten endete das Verfahren mit Freisprüchen.

Im ersten Fall wurde S. vorgeworfen, ein zur Tatzeit 14-jähriges Mädchen gezielt zum Geschlechtsverkehr verführt und dann Bilder und Videos davon angefertigt zu haben. Anschließend soll er dem Mädchen mit der Veröffentlichung der Aufnahmen gedroht haben: Zu vermeiden sei dieses Szenario nur, wenn sie in weiteren Geschlechtsverkehr mit ihm und den anderen Angeklagten einwillige.

Aus Angst habe die 14-Jährige daraufhin sowohl mit S. als auch mit fünf von seinen Bekannten an verschiedenen Tagen teils ungeschützten Sex gehabt. Unter anderem sei sie zu sexuellen Handlungen mit zwei Angeklagten auf einer Toilette genötigt worden.

Aufgrund erheblicher Erinnerungslücken des Mädchens sei es jedoch nicht möglich gewesen, "ein derartiges Geschehen mit absoluter Sicherheit" festzustellen, urteilte das Gericht. Auf Seiten der Angeklagten sei außerdem kein eindeutig strafbares Verhalten festzustellen. Vielmehr handle es sich um "enttäuschendes Verhalten" zur "Erschleichung sexueller Handlungen", hieß es.

Im zweiten Fall mussten sich S. und I. wegen der Vergewaltigung einer Minderjährigen im September 2016 verantworten. Die beiden Angeklagten sollen eine damals 16-Jährige mit Wodka betrunken gemacht und in der Wohnung von I. vergewaltigt haben. I. soll sich mehrmals schwer an dem um Hilfe schreienden Mädchen vergangen haben, während S. Videoaufnahmen gefertigt und diese mit dem Kurznachrichtendienst Whatsapp an Bekannte verschickt haben soll.

Auf den Videos sei eindeutig zu erkennen gewesen, dass sich das Mädchen mit aller Kraft widersetzt habe, erklärte das Gericht. Demnach handelte es sich zweifelsfrei um eine Vergewaltigung. S., der die Straftat lachend gefilmt und I. teils dabei geholfen haben soll, das Mädchen festzuhalten, machte sich laut Gericht der Beihilfe zur Vergewaltigung schuldig.

Die beiden Männer sollen erst von der Minderjährigen abgelassen haben, als sie sich mehrmals übergab. Danach sollen sie das Mädchen in der Wohnung eingesperrt und allein dort zurückgelassen haben, bis die Polizei die um Hilfe schreiende 16-Jährige fand.

Nach Einschätzung des Gerichts zeigte I. während der Verhandlung Reue. Für S. gebe es hingegen "keine faktische Grundlage für ein gesetzestreues Leben" in der Zukunft. "Die Geringschätzung anderer Personen, insbesondere Frauen, scheint bei S. tief verankert", befand das Gericht. "Beide Frauen leiden heute noch unter dem, was passiert ist", hieß es außerdem in der Urteilsbegründung. "Dafür tragen S. und I. die Verantwortung."