Haftstrafe für "Hirn" des Jahrhundertbruchs von Nizza

Haftstrafe für "Hirn" des Jahrhundertbruchs von Nizza

Das Leben schreibt die besten Geschichten: Das gilt auch für den 74-jährigen Jacques Cassandri, mehrfach verurteilter Drogenboss und Zuhälter aus der südfranzösischen Hafenstadt Marseille. Weil er sich in einem Buch als "Hirn" des sogenannten Jahrhundertbruchs von Nizza von 1976 bezeichnete, stand Cassandri nun vor Gericht.

Das Strafgericht von Marseille verurteilte ihn zu 30 Monaten Haft und 200.000 Euro Strafe. Zwar konnte ihm die Justiz nicht die Geldwäsche der damaligen Beute von 46 Millionen Franc (heute rund 27 Millionen Euro) nachweisen; dafür wurde das Oberhaupt des Cassandri-Clans mit Verbindungen nach Korsika aber unter anderem wegen zwielichtiger Immobiliengeschäfte verurteilt.

Der "Jahrhundertbruch" von Nizza war bereits Thema mehrerer Filme und Bücher, bevor Cassandri unter dem Pseudonym "D'Amigo" darüber schrieb. Die Kriminellen gruben von der Kanalisation aus einen Tunnel zu einer Bank und entkamen mit der bis dahin höchsten Beute bei einem französischen Bankraub.

In dem Prozess war Cassandri bemüht, sein Buch von 2010 als reine Fiktion darzustellen. Es sei nur ein Roman und keinesfalls autobiographisch, gab er an. "Ich liebe es zu schreiben", bekannte er.