Wenn die Haftpflicht von Amazon kommt: So steigt der Online-Riese ins Versicherungsgeschäft ein

·Lesedauer: 3 Min.

Der Online-Versandhändler Amazon steht vor einem Einstieg in den Versicherungsmarkt. 

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) berichtet, hat das Unternehmen dafür den Amazon Insurance Accelerator ins Leben gerufen, mit dem Kunden gegen Sach- und Personenschäden abgesichert werden sollen, die von defekten Produkten verursacht werden – wenn also beispielsweise ein fehlerhaftes Spielzeug Feuer fängt. Partner seien dafür unter anderem der deutsche Rückversicherer Munich Re und der Großmakler Marsh. Das Angebot gilt bisher nur in den USA, soll aber weiter ausgebaut werden, so die SZ

Damit mischt sich der Online-Riese direkt in die Haftpflichtversicherung für Händler ein, so die SZ. Amazon wolle es den Kunden in Zukunft erleichtern, ihre Ansprüche gegenüber den Verkäufern geltend zu machen. Denn Schadenersatzansprüche und -klagen seien nicht nur in den USA ein großes Thema. Erhalten Kunden also in Zukunft über den Marktplatz des Online-Händlers von Drittanbietern ein fehlerhaftes Produkt, das Schäden verursacht oder jemanden verletzt, können die Geschädigten direkt auf Amazon zukommen. Sie müssen also nicht mehr mit den Händlern kommunizieren, wie es bisher der Fall war. Schäden bis 1000 US-Dollar (etwa 850 Euro) wolle der Konzern dabei selbst übernehmen, ohne sich das Geld vom Händler zurückzahlen zu lassen.

Strikte Vorgaben zur Haftpflichtversicherung der Händler

Der Trick: Damit diese Garantie greift, müssen die Verkäufer über eine Haftpflichtversicherung verfügen, so die SZ. Und zu der mache der Online-Riese sehr genaue Vorgaben. So sei eine Deckungssumme von mindestens einer Million Dollar Pflicht, bei nicht mehr als 10.000 Dollar Selbstbehalt.

Praktischerweise sollen den Händlern künftig genau solche Versicherungen über den Amazon Insurance Accelerator angeboten werden. Partner sind der SZ zufolge neben der Munich Re auch Chubb und Hiscox. Der Online-Riese stelle dabei präzise Regeln zum Verhalten der Versicherer auf: Schäden über 1000 Dollar sollen die Versicherer selbst abwickeln, Amazon behält sich jedoch vor, den Schaden noch einmal zu prüfen, falls eine Zahlung abgelehnt wird, so die SZ. Wenn der Online-Händler zu dem Schluss kommt, dass eine Zahlung an den Kunden angebracht wäre, übernehme er die zunächst selbst und hole sich das Geld anschließend vom Versicherer wieder. 

Amazon Insurance Accelerator könnte auch in anderen Ländern starten

Gleiches geschehe, wenn eine Gesellschaft den Schadensanspruch nicht schnell genug bearbeite. Laut SZ haben sie dafür 30 Tage Zeit. Damit greift Amazon in die Regeln zur Schadenabwicklung ein – ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells der Versicherer. Die machen trotzdem mit, weil sie laut SZ nicht auf den gewaltigen Markt für das lohnende Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen und den direkten Kundenkontakt verzichten wollen, den Amazon bietet.

Da die Skalierung erprobter Techniken zu den Grundprinzipien des Online-Riesen gehört, sei anzunehmen, dass der Amazon Insurance Accelerator auch bald in Ländern außerhalb der USA an den Start geht. Erweiterungen des Angebots, beispielsweise auf Policen für Privatkunden oder Unternehmen außerhalb des Haftschutzbereichs, seien ebenfalls möglich. Bisher hatte Amazon seinen Privatkunden – in Kooperation mit Versicherern – vor allem Garantieverlängerung angeboten.

sb

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