"Wir haben breite Schultern": Chef von Cariad wehrt sich gegen massive Kritik an VWs Software-Einheit

Dirk Hilgenberg CEO der VW-Software-Tochter Cariad.
Dirk Hilgenberg CEO der VW-Software-Tochter Cariad.

Der CEO von VWs Software-Tochter Cariad, Dirk Hilgenberg, reagiert in einem Brief an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf in- wie externe Kritik. Das zweiseitige Schreiben des Topmanagers liegt Business Insider vor.

Hintergrund der überraschenden Aussendung sind mannigfaltige Schwierigkeiten bei Cariad, die mehrere VW-Managerinnen und -Manager in jüngster Zeit hinter vorgehaltener Hand eingeräumt hatten. So gebe es reihenweise Probleme bei Over-the-Air-Updates von Volumenmodellen wie dem VW Golf 8 und Rückschläge in der Entwicklung innovativer Konzepte rund um Fahrerunterstützung im Bereich ADAS (Advanced Driver Assistence Systems). Zudem kursieren Gerüchte über etliche zeitliche Verschiebungen bei der Entwicklung einzelner Bausteine für künftige hochautomatisierte Fahrfunktionen auf Level 4.

„Es ist nicht unerwartet, dass nicht alles nach Plan läuft“, teilt der Vertraute von VW-Konzernchef Herbert Diess seinen Leuten mit. "Die Größenordnung der Veränderungen, die alle gleichzeitig bewältigt werden wollen, ist beeindruckend, ja teilweise overwhelming".

Es gelte daher, einen kühlen Kopf zu bewahren und Prioritäten entsprechend anzupassen. „Und, dass in unserem großen Konzern auch hin und wieder unterschiedliche Interessen aufeinander prallen, ist auch nicht ungewöhnlich“, so Hilgenberg weiter. „Das fordert von uns allen Stakeholdermanagement.“

Eine wichtige Botschaft nebst entsprechendem Zahlenwert hält der Cariad-Chef für die Adressaten bereit: „Die meisten bleiben bei Cariad. Das Team glaubt an unsere Mission! 86 Prozent der Führungskräfte, die über die Konzernleihe zu Cariad gekommen sind, haben wir überzeugt, zu Natives zu werden. Was für eine starke Zahl. Sie ist auch das Ergebnis eurer harten Arbeit.“

Hohe Hürden leugnet Hilgenberg allerdings mitnichten: „Natürlich stellt uns so schnelles Wachstum vor große Herausforderungen. Wir als Cariad-Team sind ein ziemlich bunter Haufen.“ Doch just das sei auch gut so: „Wir leben von unterschiedlicher Expertise und neuen Denkweisen. Cariad Natives mischen sich mit Mitarbeiter:innen aus den Konzernmarken. Und entliehene Mitarbeiter:innen können auch wieder an ihre alten Stellen zurückkehren – passiert. Nichts anderes haben wir erwartet.“

Auf bisweilen massive Kritik aus den Medien geht Hilgenberg offensiv ein: „Dass uns in den Medien derweil von anonymen Softwaremanagern vorgeworfen wird, wir würden Entwickler verscheuchen, müssen wir nicht unkommentiert hinnehmen. Denn es stimmt nicht. Wir hatten im vergangenen Jahr bei unseren Cariad Natives eine Fluktuationsrate von nur drei Prozent. Das ist spitze im Vergleich der IT-Industrie und zeigt: Wir sind stolze Caridians."

Beim Blick nach vorn zeigt sich Hilgenberg zuversichtlich: „Wir sind auf einem guten Weg, Cariad zu einem echten Tech-Unternehmen zu machen. Wir lösen uns immer mehr aus den klassischen Strukturen des Konzerns. We are in it for the long haul: Viele unserer Projekte werden erst zum Ende des Jahrzehnts ihren wahren Impact zeigen.“

Die sogenannte Strategie 2030 habe Cariad erfolgreich definiert, abgeschlossen und veröffentlicht. Hilgenberg in diesem Kontext: „An der Umsetzung arbeiten wir jeden Tag mit Hochdruck. Und wir haben bereits vieles aufgeräumt. Ich bin sehr stolz darauf, was wir als One.Team@CARIAD binnen kürzester Zeit erreicht haben.“

In der Schlusspassage seines internen Briefs fasst Hilgenberg die Gründe für seinen Optimismus konzis zusammen: „All das zeigt mir: Wir sind mutig und integer. Wir haben breite Schultern. We can carry the load! Wir stehen vor großen Aufgaben. Wir denken in MVPs (Minimum Viable Products; Anm. d. Red.) und nicht mehr in SOPs (Starts of Production; Anm. d. Red.). Wir sind bereit und in der Lage zu liefern.“

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