Wie Sie im Vorstellungsgespräch die Konkurrenten ausstechen

Matthias Pöhm ist Rhetoriktrainer aus der Schweiz und coacht Top-Kräfte aus Politik und Wirtschaft für ihre öffentlichen Auftritte. Er veranstaltet das härteste und teuerste Rhetorik-Seminar Europas, bei dem die Teilnehmer vor über 100 Zuschauern sprechen müssen und ist gefragter Speaker auf Kongressen. Er bereitet Führungskräfte und Topmanager im Einzelcoaching für ihr Bewerbungsgespräch vor. Für unser Businessnetzwerk Leader.In hat er diesen Gastbeitrag geschrieben. Die besten Tricks zum Auftritt und gegen Knoten in der Zunge.

Wenn Sie es geschafft haben, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, haben Sie etwas richtig gemacht. Ihre Qualifikationen und Ihr Lebenslauf haben auf Sie neugierig gemacht. Aber noch ist es zu früh, sich auf diesem ersten Erfolg auszuruhen. Auf demselben Stuhl, auf dem Sie jetzt sitzen, nehmen mindestens fünf andere Mitbewerber ebenfalls Platz und Sie müssen in den nächsten Minuten beweisen, dass Sie für den Job besser geeignet sich als diese vier anderen.


Kann ein noch so guter Personalchef innerhalb einer halben Stunde wirklich feststellen, wie es um Ihre fachliche Kompetenz bestellt ist und ob Sie der oder die Richtige für den Job sind? Ganz sicher nicht. Es geht hier nur um den Eindruck, den Sie von sich vermitteln. Und den haben Sie selbst in der Hand, wenn Sie sich richtig vorbereiten.

Das passende Outfit

Abhängig von dem Unternehmen, bei dem Sie sich bewerben, ist ein Anzug oder ein Kostüm längst nicht mehr das Nonplusultra bei der Vorstellung. Im schlimmsten Fall wirken Sie damit sogar etwas altmodisch. Suchen Sie online nach Mitarbeiterfotos - auf der Unternehmensseite, aber auch auf Seiten wie Linkedin oder Xing. Das gibt einen guten Anhaltspunkt für den herrschenden Dresscode. Bei einem Start-up sind Sie casual besser beraten, bei einem Unternehmensberater nach wie vor mit klassischem Auftreten.


Warum nicht auch einmal im Vorfeld bei dem Unternehmen vorbeischauen und einen Blick auf die Mitarbeiter werfen? Die angemessene Wahl der Kleidung beweist Ihr Urteilsvermögen und auch, dass Sie Ihren künftigen Arbeitgeber bestens repräsentieren können.

Intensive Recherche

Es sollte selbstverständlich sein, dass Bewerber die Webseite des potentiellen Arbeitgebers gründlichst studiert haben. Erstaunlicherweise zeigt sich allerdings in der Realität, dass dies sehr oft vernachlässigt wird. Personaler ärgern sich darüber, wenn sich auf Nachfrage herausstellt, wie wenig Sie im Grunde von der Firma wissen, bei der Sie sich doch so gerne einbringen würden. Damit vergeuden Sie deren Zeit und Ihre Chance.


Dabei können Sie gerade hier sehr einfach punkten. Sie sollten nicht nur alles, was die Webseite verrät, aus dem Ärmel schütteln können, sondern auch recherchieren, was anderswo über die Firma in Erfahrung zu bringen ist. Wenn dann die Frage auftaucht, was Sie über die Firma wissen, können Sie konkret und im Detail antworten – je konkreter, desto besser. Als Faustregel gilt, dass Sie auf diese Frage wenigstens eine Minute lang frei antworten können sollten, ohne ins Stocken zu geraten.

Pluspunkt, wenn Sie sich bereits Gedanken darüber gemacht haben, welche aktuellen Herausforderungen oder Veränderungen anstehen. Ein weiterer Pluspunkt dafür, wenn Sie auch die Kunden des Unternehmens einfließen lassen – das lieben Chefs.

Ihr Auftreten

Ihr Verhalten sollte so tadellos sein wie Ihr Outfit – und zwar allen gegenüber. Wer beim Eintreten nur den wichtigsten Gesprächspartner die Hand schüttelt und sich beim Reden nur auf ihn fokussiert, ist schnell unten durch.

Begrüßen Sie also alle Anwesenden mit einem festen Händedruck. Er sollte nicht die Hand Ihres Gegenübers quetschen, aber auch nicht zu lasch sein. Sie wissen nicht, wie Ihrer ankommt? Dann bitten Sie im Vorfeld vertrauenswürdige Menschen um eine ehrliche Rückmeldung dazu.

Prägen Sie sich bei der Gelegenheit die Namen der Beteiligten ein. Scheuen Sie nicht, nachzufragen, wenn Sie einen nicht verstanden haben, und benutzen Sie die Namen im Gespräch, wenn es sich anbietet.


Drei Dinge, die Sie beachten sollten bei der Präsentation

Wenn Sie zu schnell sprechen, wirken Sie aufgeregt und laufen Gefahr, sich zu verhaspeln. Also nehmen Sie sich Zeit. Sitzen Sie aufrecht, aber nicht steif, und halten Sie Blickkontakt mit der Person, mit der Sie gerade reden - aber vergessen Sie nicht, auch andere als nur den Hauptakteur anzuschauen. Gerade, wenn mehrere Personen Ihnen gegenüber sitzen, besteht nämlich die Gefahr, dass Sie sich nur auf ihn konzentrieren. Vorsicht: Das verrät Unsicherheit. Schauen Sie stattdessen von Ihrem linken Gegenüber von Augenpaar zu Augenpaar zur Person ganz rechts. Dann wieder zurück, wobei Sie ebenfalls jeden anschauen. Dies wirkt nicht nur selbstbewusst und bezieht alle in die Situation mit ein, sondern verrät auch Führungsqualitäten.

Ihre Selbstpräsentation

Beim Vorstellungsgespräch wollen Sie etwas verkaufen: sich selbst. Ihr Chef will „gute Ware“ und möglichst schnell erfassen, ob Sie in diese Kategorie fallen. Um ihn dabei zu unterstützen, können Sie sich entsprechend präsentieren.


Auf die Frage nach dem Werdegang antworten die meisten nur mit Stichpunkten, die die Eckpfeiler des Lebenslaufs umreißen. Das beeindruckt nicht besonders. Erzählen Sie stattdessen eine Geschichte, die von einem Ihrer Erfolge handelt. Wodurch und wie haben Sie in einer früheren Stellung einmal eine überragende Leistung erbracht?

Um diese Story richtig zu erzählen, sollten Sie drei Dinge beachten:

  1. Die Geschichte muss eine echte Herausforderung als Ausgangssituation haben.
  2. Sie sollten diese Herausforderung nicht nur bewältigen, sondern mehr als das. Wenn Sie nur das angestrebte Ergebnis erreichen und nicht darüber hinausgehen, ist es langweilig und ist nicht des Erzählens wert.
  3. Und zuletzt sollten Sie für den Moment der Auflösung, wenn Sie vom Ergebnis erzählen, das Erzähltempo verändern. Arbeiten Sie hier in einer „sprachlichen Zeitlupe“, um Spannung aufzubauen und die maximale Wirkung erzielen. Das bedeutet keineswegs, dass Sie besonders langsam reden sollen; vielmehr lassen Sie im Detail ein Bild nach dem anderen in den Köpfen der Zuhörer entstehen: „Der Kunde betrat den Raum. Mein Chef sah mich an. Ich wusste, was in ihm vor sich ging. Der Kunde begrüßte erst mich. Dann ging er zu meinem Chef...“

Diese Geschichte müssen Sie vorbereiten, und zwar so, dass sie nicht auswendig gelernt klingt, sondern dass Sie sie flüssig und frei erzählen können. Wahrscheinlich werden Sie gar nicht nach einer Erfolgsgeschichte gefragt werden. Sie sollten sie deshalb selbst ansprechen. Dafür können Sie eine Einleitung wie folgende wählen: „Ich würde Ihnen gern einen Eindruck von meiner Arbeitsweise geben. Die Firma XY, wo ich früher war, wollte unbedingt einen bestimmten Kunden gewinnen, aber der war schwer zugänglich...“

Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel

Es zeugt nicht von Bescheidenheit und guten Manieren, wenn Sie nicht ausdrücken, dass Sie gut sind. Es ist einfach eine verpasste Gelegenheit. Wie gesagt: Sie wollen sich verkaufen und können nicht erwarten, dass Ihre Gegenüber innerhalb eines Gesprächs intuitiv Ihre wahren Qualitäten erfassen – wenn sie nicht darauf aufmerksam gemacht werden.


Sagen Sie deshalb unmissverständlich, dass Sie der oder die Richtige sind. Sagen Sie, dass Sie etwas drauf haben. Das fällt vielen schwer, kann aber geübt werden.
Formulieren Sie es klar und prägnant, schwächen Sie es nicht ab. Das kann sich dann so anhören: „Ich liebe das, was ich tue, und ich bin gut darin.“ Oder: „Ich bin der Richtige für Sie, denn ich habe wirklich etwas zu bieten.“ Damit bringen Sie zum Ausdruck, dass Sie sich selbst etwas zutrauen.

Über den Autor

Matthias Pöhm ist Rhetoriktrainer für Top-Kräfte aus Politik und Wirtschaft. Er bereitet Manager im Einzelcoaching für ihr Bewerbungsgespräch vor. Weitere Informationen: http://www.schlagfertigkeit.com/