Habeck: Wechsel zu Wärmepumpen nimmt Fahrt auf

Der massenhafte Einbau von Wärmepumpen in Deutschland nimmt Fahrt auf: Das Ziel, ab 2024 eine halbe Million Geräte pro Jahr zu installieren, sei "machbar", versicherten Industrie und Handwerk am Mittwoch beim zweiten sogenannten Wärmepumpengipfel von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Der Minister warb für die vergleichsweise noch teure Technologie: Langfristig lohne sich der Wechsel, der Staat fördere dies "großzügig".

Eine Wärmepumpe funktioniert ähnlich wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt. Sie zieht je nach Bauart Außenwärme aus Boden, Wasser oder Luft und gibt sie nach innen ab. Für den Antrieb ist vergleichsweise wenig elektrischer Strom nötig.

Hausbauer oder -besitzer warten derzeit allerdings ein halbes bis ein ganzes Jahr darauf, eine Wärmepumpe einbauen zu können, wie Martin Sabel sagte, Geschäftsführer des Bundesverbandes Wärmepumpe. Geräte und Fachkräfte für den Einbau fehlen.

Das soll schnell besser werden. Habeck betonte, "starke Nachricht des Tages" sei, dass der Produktionshochlauf zu bewerkstelligen sei. Jan Brockmann, Vorstandsmitglied im Bundesverband der deutschen Heizungsindustrie und Chef von Bosch Thermotechnik, sagte, die Hersteller wollten das Ziel von 500.000 Geräten pro Jahr "machbar machen". Deutschland könne der größte Wärmepumpenmarkt in Europa werden; die Industrie investiere bereits Millionen.

Nötig dafür ist etwa eine stärkere europäische Zulieferindustrie, um Komponenten wie Verdichter, Halbleiter und Chips sowie Steuerungs- und Regelungstechnik lokal zu beziehen, wie es im Eckpunktepapier heißt, das die Gipfelteilnehmer vereinbarten.

Auch beim Thema Fachkräfte sieht Habeck Fortschritte. Die Zahl der Handwerksbetriebe, die Wärmepumpen einbauen können, "wächst jetzt stetig", sagte der Minister. Aus- und Fortbildungsprogramme hätten begonnen, weitere Branchen wie etwa die Schornsteinfeger machten mit. So gibt es den neuen Ausbildungsberuf Elektronikerin für Gebäudesystemintegration, das Handwerk plant einen neuen Abschluss zum "geprüften Berufsspezialisten Wärmepumpe", wie es im Eckpunktepapier heißt.

Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) kündigte eine Wärmepumpen-Informationskampagne im kommenden Jahr an; damit sollen Informationen für Fachleute bereitgestellt werden. An den Materialien bestehe laut einer Umfrage großes Interesse, erklärte die Agentur, die die Bundesregierung bei der Erreichung ihrer klimapolitischen Ziele unterstützt.

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) erklärte, Wärmepumpen müssten auch für das Mehrfamilienwohnen marktgängig gemacht werden. Im ersten Halbjahr 2023 will die Wohnungswirtschaft laut Eckpunktepapier zum Beispiel einen Leitfaden für Wärmepumpen in Mehrfamilienbestandsgebäuden veröffentlichen.

Aktuell sind rund 1,4 Millionen Wärmepumpen in Deutschland installiert, bis 2030 sollen es sechs Millionen sein. 2021 wurden 154.000 neue Geräte installiert, in diesem Jahr werden es nach Angaben Habecks 230.000 sein. Zum Vergleich: Etwa 14 Millionen Gasheizungen beheizen derzeit Häuser und Wohnungen hierzulande.

Zum ersten Wärmepumpengipfel hatte Habeck Ende Juni eingeladen. Die mittlerweile rund 50 Teilnehmenden wollen sich laut Eckpunktepapier Ende Januar erneut treffen. Der Minister erwartet bis dahin weitere Fortschritte. "Wir sind auf Kurs und haben Geschwindigkeit aufgenommen", sagte er.

ilo/hcy