Ich habe zehn Produkte bei Aldi und Lidl gekauft und im Preis verglichen – das ist das überraschende Ergebnis

Kopf-an-Kopf: Auch in der Inflation liegen die Discounter im Preiskampf. - Copyright: picture alliance / picture alliance/Bildagentur-online/Schoening
Kopf-an-Kopf: Auch in der Inflation liegen die Discounter im Preiskampf. - Copyright: picture alliance / picture alliance/Bildagentur-online/Schoening

An meinem Wohnort in Berlin stehen sie einander direkt gegenüber: Aldi und Lidl. Beide stehen immer wieder im harten Preiskampf und werben damit, der günstigste Discounter im Land zu sein. Gerade jetzt ist das für viele Menschen relevant, denn neben Gas- und Energiekosten sind auch die Preise in den Supermärkten gestiegen: Laut dem Statistischen Bundesamt erreichte die Inflation bei Lebensmitteln im Oktober einen neuen Höchststand. Verbraucher zahlten im Schnitt 20,3 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Auch deshalb wirbt beispielsweise Aldi seit Anfang November mit einer 1-Euro-Aktion bei Obst und Gemüse. Man sehe sich als „verlässlichen Grundversorger“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Gerade jetzt sollen sich unsere Kundinnen und Kunden nicht zwischen Qualität und Preis entscheiden müssen.“

Qualität zu günstigen Preisen: Das ist auch schon lange das Versprechen der Eigenmarkenprodukte bei Aldi und Lidl. Die werden in großen Mengen bei namhaften Herstellern eingekauft und dann unter eigenem Label vertrieben. Nicht nur das Prinzip ist bei beiden Discountern dasselbe: So heißt Aldis Eigenmarke für Milchprodukte Milsani, die von Lidl Milbona; der Kräuterfrischkäse bei Aldi Fraicho, bei Lidl Crefée. Hauptsache, irgendwie französisch – das Markenprodukt Bresso lässt grüßen.

Aldi und Lidl: Rund 16 Euro für zehn Artikel

Viel wichtiger ist allerdings die Frage: Wessen Eigenmarken sind denn nun günstiger? Um das herauszufinden, bin ich bei beiden Discountern shoppen gegangen und habe sowohl bei meiner Aldi-Nord- als auch bei meiner Lidl-Filiale stichprobenartig zehn Eigenmarken-Produkte gekauft.

Das Ergebnis: Ich habe bei beiden Läden auf den Cent genau gleich viel bezahlt. Beziehungsweise hätte ich das eigentlich. In meiner Aldi-Nord-Filiale war allerdings das Kühlregal leergefegt. Statt zu Vollmilch musste ich deshalb zur fettreduzierten Frischmilch greifen – und die ist bei beiden Discountern zehn Cent günstiger. Der Punkt für volle Regale am frühen Morgen geht in meinem Fall also an die Lidl-Filiale.

Zehn Produkte der Eigenmarken von Aldi (links) und Lidl (rechts). Tatsächlich sehen sich die Produkte so ähnlich, dass ich die Bons vertauscht habe. - Copyright: Business Insider
Zehn Produkte der Eigenmarken von Aldi (links) und Lidl (rechts). Tatsächlich sehen sich die Produkte so ähnlich, dass ich die Bons vertauscht habe. - Copyright: Business Insider

Unterm Strich stehen bei beiden Discountern also 16,16 Euro auf dem Kassenbon. Dass der Preisunterschied zwischen Aldi und Lidl bei vielen Produkten minimal sein dürfte, wusste ich bereits vorher. Dass sie sich auch bei den Eigenmarken preislich so aufs Haar gleichen, hat mich aber doch überrascht.

Für das Geld habe ich Frischmilch, Naturjoghurt, Kräuterfrischkäse, Weizenbrot, Spaghetti, gemischtes Hackfleisch, jungen Gouda, eine Dose gehackte Tomaten, eine Tafel Schokolade und ein Stück Butter bekommen – alles in denselben Mengen. Ein Blick auf den Bon zeigt: Der oben bereits erwähnte Frischkäse „Kräuter der Provence“ ist bei Aldi zehn Cent teurer als bei Lidl, dafür kosten die Dosentomaten von Lidl wiederum zehn Cent mehr. Größte Position ist das gemischte Hackfleisch: 3,99 Euro habe ich bei beiden Discountern bezahlt.

„Wenn ein Discounter sechs oder sieben Cent teurer ist, gehen die Kunden zur Konkurrenz“

Die Preise könnten aber durchaus noch steigen. Im Interview mit der „Lebensmittelzeitung“ hat der Sprecher des Verwaltungsrates von Aldi-Süd, Stefan Kopp, erklärt, dass Aldi zwar weiterhin die Einkaufsvorteile an Kunden weitergeben werde. Alle Kostensteigerungen werde man aber nicht kompensieren können.

Dass Eigenmarken überhaupt so günstig sind und es im Vergleich zwischen den Discountern kaum Unterschiede gibt, erklärt Wettbewerbs-Experte Christian Rusche vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln mit dem harten Wettbewerb im Lebensmittelhandel: „Günstige Eigenmarken haben die Funktion, Kunden überhaupt in das Geschäft locken“, sagt er. Die Margen sind dabei für den Discounter gering.

Die Logik: Wenn der Grundbedarf günstig gedeckt ist, kaufen die Kunden auch andere Produkte, die für das Unternehmen lukrativer sind – seien es Premiumprodukte oder auch angebotene Markenartikel, so Rusche. Kunden seien dabei äußerst preissensibel: „Wenn ein Discounter bei den Eigenmarken sechs oder sieben Cent teurer ist, gehen die Kunden eben zur Konkurrenz.“

In den kommenden Monaten würden die Preise trotzdem eher weiter steigen als sinken. Denn: „Für die Händler ist das Schöne, dass die Kunden auf steigende Preise vorbereitet sind. Wenn, dann erhöhen die Unternehmen also jetzt“, meint Rusche. „Sie müssen aber trotzdem darauf achten, nicht vollkommen unattraktiv zu werden.“