„Ich habe weiterhin allergrößten Respekt vor dem, was bei GE geleistet wird“

General Electric ist aus dem Dow Jones abgestiegen. Gegenüber seinem Wettbewerber verhält sich Siemens-Finanzvorstand Thomas alles andere als hämisch.


Wie abrupt auch ein Traditionsunternehmen an den Märkten abstürzen kann, zeigte in dieser Woche der US-Gigant General Electric. Nach über 110 Jahren im Leitindex Dow Jones muss der Gigant nach schweren strategischen Fehlern seinen Platz dort räumen.

Beim größten Konkurrenten Siemens reagiert man alles andere als hämisch. „Ich habe weiterhin allergrößten Respekt vor dem, was dort geleistet wird“, äußerte sich Ralf P. Thomas, der Finanzvorstand von Siemens, am Donnerstag beim zweiten Tag des CFO-Kongress des Handelsblatts in München. Dass sich der Konkurrent seit geraumer Zeit in schwerem Fahrwasser befindet, liegt seiner Meinung daran, dass manche strategische Entscheidung in der Vergangenheit nicht optimal war. „Wenn man ein, zwei oder dreimal an den Kreuzungen unternehmerischer Entscheidungen steht und sich dann nicht optimal ausgerichtet hat, dann kann so etwas passieren“, so Thomas.

Insgesamt habe sich der Kontakt zu den Finanzmärkten in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert, berichten viele Finanzchefs. So natürlich auch bei Siemens. Lag dort Anfang der Neunziger Jahre noch jede zweite Siemens-Aktie in den Depots von Privatanlegern, so lagern heute zwei Drittel bei Großinvestoren. Insgesamt sind rund 70 Prozent der Aktien in den Händen ausländischer Anleger, vor allem aus den USA, Frankreich und der Schweiz.


Einen zunehmenden Einfluss nimmt Finanzchef Thomas seit einiger Zeit von aktivistischen Investoren wahr. Die wurden in seinem Haus zwar noch nicht vorstellig. „Ich bin aber ganz sicher, dass es auch Aktivisten gibt, die sich mit der Causa Siemens beschäftigen“, so der Finanzchef. Auch wenn sein Unternehmen selbst noch nicht in deren Fokus geraten ist, so beobachtet er doch, dass diese Gruppe mittlerweile auch in Europa sichtbarer auftritt. Das Thema komme in die Nachbarschaft, so Thomas.

Das bestätigt Florian Schuhbauer. Der Gründungspartner von Active Ownership Capital (AOC) machte sich einem Namen mit Angriffen gegen das Pharmaunternehmen Stada. Größe allein helfe heute nicht mehr, so Schuhbauer beim CFO-Kongress, auch beliebig große Unternehmen könnten heute angegangen werden. „Hier ist eine neue Asset-Klasse entstanden wie vor 20, 30 Jahren bei Private Equity“, zieht er Parallelen.

Großkonzerne wie Siemens hinterfragen deshalb ständig ihren Umgang mit Investoren. „Man muss nicht nur eine gute Strategie haben, man muss sie auch kommunizieren“, so Thomas. Die IR-Abteilung arbeite dort inzwischen im 24/7-Modus, weltweit ist ständig jemand damit beschäftigt, auf aktuelle Marktentwicklungen, Gerüchte oder gar lancierte Falschmeldungen zu reagieren. Oft gehe es dabei um Minuten.

Der Erfolg der aktivistischen Investoren liegt laut AOC-Gründer Schuhbauer daran, dass einerseits die Zahl der passiven Investoren durch den Erfolg der Indexfonds ETF immer größer werde und auf der anderen Seite die Zahl der aktiven Fonds abnehme, da sie viele Jahren den Markt nicht schlagen konnten.


Helle Aufregung herrsche dann regelmäßig, so seine Beobachtung, wenn ein Konzernmanagement Post von einem Aktivisten mit konkreten Verbesserungsvorschlägen, den sogenannten White Papers, bekommt. „Bei einem Brief eines aktivistischen Investors ist der Automatismus im Vorstand: Jetzt müssen wir kämpfen. Statt dass man sich sagt: Lasst uns reden“. Dabei sei man als Unternehmen immer im Nachteil. Denn während für diese Investorengruppe ein solches Vorgehen zum Tagesgeschäft gehört, muss ein Unternehmen in der Regel zum ersten Mal darauf reagieren.

Als bestes Mittel gegen Angriffe gilt indes noch immer eine hohe Marktkapitalisierung und eine höhere Bewertung als der Wettbewerb. Investor Schuhbauer hat sogar noch einen anderen Tipp auf Lager. „Investieren Sie in diese Fonds und lassen Sie sich versichern, dass der Fonds nicht bei Ihnen investieren darf.“