Ich habe einen Tag in Deutschlands Esoterik-Hauptstadt Murnau verbracht

Amelie Graen
Die Innenstadt von Murnau

Aufgebahrt wie eine Leiche liege ich auf dem Bett. Es ist so hoch, dass ich mich wie auf einem Behandlungstisch fühle. Vielleicht werde ich gleich seziert, wer weiß. Ich traue mich nicht mehr, die Augen zu öffnen.

Meine energetische Heilung beginnt in wenigen Sekunden. Ich versuche, unvoreingenommen zu sein, das, was ich hier tue, nicht für verrückt zu halten. Nicht lachen, nicht lachen, nicht lachen, sage ich mir.

Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass mir am Ende meiner Heilung nicht mehr nach Lachen zumute sein wird.

Ich liege in einem Raum, der aussieht wie das Jugendzimmer eines esoterischen Teenies. Gelb gestrichene Wände, Blumen- und Engelsbilder an den Wänden, ein Bett, eine Liege und ein Holzregal mit Büchern, Heilsteinen und Engelsstatuen.

Ursula Mair schaut mir tief in die Augen. Sie ist Heilerin im oberbayerischen Murnau, der wahrscheinlich esoterischsten Stadt Deutschlands.

Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen südlich von München, wo Murnau liegt, kommen auf 100 Ärzte laut Gesundheitsamt 192 Heilpraktiker, also fast doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt. 

In Murnau reihen sich ihre pastellfarbenen Praxen an Bioläden, Fair-Fashion-Modegeschäfte und Eso-Shops. Über den Beruf des Heilers, Hellsehers oder Schamanen gibt es keine Statistik – doch in Murnau stehen auch diese Bezeichnungen an vielen Wohnungsschildern.

Ein Heilpraktiker droht, mich zu verklagen

Die 12.000-Einwohner-Stadt zeigt ein Deutschland, das sonst nur im Verborgenen existiert. Ein Deutschland, das nicht nur das Land der Rationalen, Gewissenhaften und Bodenständigen ist, sondern auch das Land der Geistergläubigen, Hellseher und Heilpraktiker.

Um dieses Deutschland kennenzulernen, bin ich heute bei einer Heilerin in Murnau. Vielleicht helfen mir ihre Fähigkeiten dabei, eine Verbindung zu höheren Kräften zu finden – wie es offensichtlich so viele in dieser Stadt versuchen.

Meine spirituelle Suche beginne ich zunächst bei Anton...

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