Ich habe das neue Mehrweg-System bei McDonald's getestet – darum bin ich vom Angebot enttäuscht, obwohl es ein Fortschritt ist

McDonald's hat – dem Verpackungsgesetz folgend – seit Dezember 2022 ein neues Mehrweg-System. Freilich nur für die plastikbeschichteten Getränke- und Eisbecher. - Copyright: Business Insider
McDonald's hat – dem Verpackungsgesetz folgend – seit Dezember 2022 ein neues Mehrweg-System. Freilich nur für die plastikbeschichteten Getränke- und Eisbecher. - Copyright: Business Insider

Gut fürs Gewissen war der Halt am McDrive noch nie: Wer sich bei einer McDonald's-Filiale an der Raststätte schnell mit Essen eindeckt, weiß wohl, dass das Burger-Menü mit Pommes und Cola nicht gerade gesund ist. Noch dazu landet am Ende die zusammengeknüllte Papiertüte auf der Rückbank – die wegen des ganzen Verpackungsmülls nach dem Essen genauso voll wirkt wie vorher.

Zumindest beim zweiten Punkt soll die neue Mehrwegpflicht Abhilfe schaffen. Wer seit dem 1. Januar 2023 Essen bestellt oder mitnimmt, muss die Wahl haben zwischen der Einwegverpackung und einer Mehrweg-Alternative. Die darf auch nicht teurer sein, nur ein Pfand-Betrag ist erlaubt, der bei der Rückgabe der Verpackung erstattet wird.

Heißt erstmal: weniger Müll. Auch Ketten wie McDonald's, Burger King oder Dominos sind dazu verpflichtet. Lediglich kleine Betriebe mit maximal fünf Mitarbeitern sind vom neuen Gesetz ausgenommen. Cola, Burger und Pommes im Mehrweg-Geschirr, das ich an der nächsten Raststätte wieder abgeben kann – klingt nach weniger Müll und erstmal gut für das Gewissen. Dachte ich jedenfalls.

Nur die Becher bei McDonald's wiederverwendbar

Alle Produkte mit kleinem gelben Kreis gibt es ab jetzt in einem Mehrweg-Becher. - Copyright: Business Insider
Alle Produkte mit kleinem gelben Kreis gibt es ab jetzt in einem Mehrweg-Becher. - Copyright: Business Insider

Als ich auf die Karte der nächsten McDonald's-Filiale schaue, fällt mir allerdings auf, dass der Hinweis auf das neue Mehrweg-System nur bei einigen Produktkategorien zu finden ist: bei heißen und kalten Getränken sowie bei Eis und Milchshakes. Zwei Euro Pfand kann ich dabei zahlen, um jeweils einen Mehrweg-Becher zu erhalten. Bei Burgern, Pommes, Salat und Apfeltaschen allerdings suche ich den Hinweis vergeblich.

Das hat einen einfachen Grund. Laut Verpackungsgesetz müssen die Gastro-Betriebe nur Mehrweg-Alternativen anbieten, wenn die Einwegverpackung Plastik enthält. Die kleinen Kartons und Hüllen für Burger und Pommes brauchen also kein Mehrweg-Pendant. Sie bestehen lediglich aus Pappe oder Papier ohne Plastikbeschichtung. McDonald's hatte in den vergangenen Jahren viel an den Verpackungen geschraubt. Seit 2021 beispielsweise werden auch Salate in kleinen Kartons ohne Plastikdeckel serviert. Auch bei Eis und Milchshakes basiert die Verpackung schon seit 2020 auf Pappe mit Plastikbeschichtung.

Letztlich sind nur die Becher wiederverwendbar. Und obwohl Mehrweg, hat mein Getränke-Becher den klassischen Einweg-Plastikdeckel erhalten. - Copyright: Business Insider
Letztlich sind nur die Becher wiederverwendbar. Und obwohl Mehrweg, hat mein Getränke-Becher den klassischen Einweg-Plastikdeckel erhalten. - Copyright: Business Insider

Die Neuerung hält sich insgesamt also in Grenzen. Und das ist auch bei der Konkurrenz so: Burger King hat ebenfalls lediglich Getränke-, Eis- und Kaffeebecher ersetzt.

Noch dazu gibt es bei der Bestellung große Verwirrung: Die McDonald's-Mitarbeiter sind wie immer schnell, aber trotz meiner Mehrweg-Bestellung stehen Eistee und ein kleiner Eisbecher erstmal in den Pappbechern vor mir. Auf meinen Hinweis – schließlich wollte ich ja den Mehrweg-Becher testen und habe vier Euro Pfand gezahlt – wird alles schnell umgefüllt. Gespart habe ich die Verpackung so natürlich nicht. Und mein Mehrweg-Becher erhält auch prompt einen Einwegdeckel aus Plastik. Das ist allerdings nicht der Standard und, wie McDonald's auf Anfrage erklärte, lediglich der Umstellung geschuldet. Regulär soll ein schwarzer Mehrweg-Deckel den Becher zieren.

Fast genauso viel Müll wie vorher

Alles in allem: Burger, Salat und Salatsauce werden weiterhin in Einwegverpackungen serviert. Dazu kommt noch der Deckel, der Strohhalm und zweimal Holz-Besteck für Salat und Eis. Geschmacklich ist natürlich alles wie immer – aber auch der Blick auf den Müllberg am Ende hat trotz allem immer noch dasselbe Geschmäckle.

Das sieht auch die Deutsche Umwelthilfe so und fordert Nachbesserungen. Zwar erklärt sie auf Anfrage von Business Insider, dass Mehrweg-Becher grundsätzlich das Potenzial haben, „die Abfallkrise zu bremsen“ und die Zahl der jährlich rund 5,8 Milliarden in Deutschland genutzten Einwegbecher für Heiß- und Kaltgetränke zu reduzieren. Die „Schlupflöcher“ für Einwegverpackungen aus reiner Pappe und Aluminium bei der neuen Mehrwegpflicht böten insbesondere Fast-Food-Ketten wie McDonald's, Burger King oder Kentucky Fried Chicken allerdings „ein Einfallstor zum Aushebeln der Mehrwegangebotspflicht“. Dabei seien auch Einwegverpackungen aus Pappe keinesfalls umweltfreundlich.

Vollendete Tatsachen: Rechts die zwei Mehrweg-Produkte, links der Müllhaufen. Nachhaltiger fühlt sich das alles nicht an. - Copyright: Business Insider
Vollendete Tatsachen: Rechts die zwei Mehrweg-Produkte, links der Müllhaufen. Nachhaltiger fühlt sich das alles nicht an. - Copyright: Business Insider

Wer vor Ort in der Filiale isst, muss außerdem noch einberechnen, dass die Mehrweg-Becher an der Kasse zurückgegeben werden müssen. Wer also sein Geld zurückbekommen möchte, muss sich nochmal anstellen. In meiner Filiale war aber zum Glück keine Schlange. Auch bei der Rückgabe wirkte das Personal noch entsprechend verwirrt, was aber nach der kurzen Zeit auch nicht weiter verwundert.

Wer das Essen tatsächlich für unterwegs bestellt, muss zudem bedenken, dass die McDonald's-Becher auch ausschließlich in McDonald's-Filialen zurückgegeben werden können. Konkurrent Burger King beispielsweise kooperiert mit dem Pfandsystem-Anbieter Recup. Da könnte man den Becher also auch im nächsten Café abgeben, was ich verbraucherfreundlicher finde. Aus diesem Grund kritisiert auch die DUH Insellösungen wie die von McDonald's.

Die Rückerstattung der vier Euro funktionierte in meinem Fall aber problemlos. Ich schob den Rest des Tabletts wie üblich in den Ablagewagen. Sollte ich mal wieder bei McDonald's Halt machen, werde ich wieder den Mehrweg-Becher nehmen, der für sich genommen ein Fortschritt ist. Nach großer Müllvermeidung fühlt sich der Besuch angesichts der verbleibenden Burger- und Salatverpackungen aber nicht an.