Ich habe meine Karriere als Bankmanager aufgegeben, als ich spürte, dass mir mein wahres Ich entglitt

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Rahkim Sabree ist als Unternehmer und Finanzberater tätig.
Rahkim Sabree ist als Unternehmer und Finanzberater tätig.

Vor kurzem sah ich mir den Kultklassiker "American Psycho" mit Christian Bale in der Hauptrolle erneut an. Dabei erkannte ich Parallelen zwischen dem psychischen Stress der Hauptfigur und dem, was ich in meinem alten Job in einem Unternehmen erlebte. Dazu gehörte auch der Druck auf der Suche nach "Erfolg". Jetzt aber, zwei Monate, nachdem ich die Unternehmenswelt hinter mir gelassen habe, bin ich glücklicher als je zuvor. Ich fühle mich energiegeladen, zielstrebig, und vor allem fühle ich mich wieder wie ich selbst.

Durch die Kündigung fand ich wieder zu meiner persönlichen Identität zurück

Obwohl ich nie an einen Punkt gelangte, an dem ich das Gefühl hatte, mich selbst völlig zu verlieren, wie es bei Patrick Bateman der Fall war, spürte ich doch, wie mir mein wahres Ich entglitt. Die Art und Weise, wie ich sprach, wie ich ging und sogar die Witze, über die ich lachte, kamen mir fremd vor.

Sobald ich auf den Parkplatz fuhr, setzte ich mein Firmengesicht auf. Wenn ich ins Büro kam und gerade mit einem guten Freund telefonierte, bemerkte dieser bei der Begrüßung meiner Kollegen, dass sich die Tonlage und der Tonfall meiner Stimme veränderten. Ich hatte gelernt, nicht jedes Mal zu widersprechen, wenn ich mich erniedrigt, nicht respektiert, ignoriert oder beleidigt fühlte. Ich wusste, dass ich nicht aufrichtig sprechen konnte.

Seit ich gekündigt habe, fühle ich mich frei und kann mich nicht nur so geben, wie ich bin, sondern auch so, wie ich sein möchte. Ich kann im Umgang mit anderen authentisch sein, meine Erfahrungen und Schwächen vollständig mitteilen und mit Menschen zusammen sein und arbeiten, die mich ermutigen und unterstützen.

Ich mache mir weniger Gedanken über den Status meiner Mitmenschen

In einer Szene geht Bateman nach der Arbeit mit seinen Kollegen essen – und als sie das Lokal verlassen wollen, werfen sie alle ihre AMEX-Kreditkarten zum Bezahlen der Rechnung auf den Tisch. Zwar ist das ein scheinbar harmloser Moment im Film, doch führt er uns vor Augen, dass der Wunsch nach Anerkennung durch die Kollegen eine sehr reale Sache ist, vor allem als Schwarzer oder farbiger Mensch. Dieses Bedürfnis, sich in die dominante Kultur einzugliedern und den Menschen um uns herum nachzueifern, kann einen Bruch in unserer Identität verursachen. Das sogenannte Code-Switching ist wie das Sprechen einer anderen Sprache.

Früher besaß ich auch eine Platin-Kreditkarte von AMEX, die mit einer beträchtlichen Jahresgebühr von 500 Dollar einherging. Als ich die Karte auf den Tisch legte, war sie definitiv ein willkommener Gesprächsanlass. Ursprünglich hatte ich die Karte wegen ihrer Reiseleistungen beantragt, einschließlich des Zugangs zu privaten Wartebereichen an Flughäfen. Aber ich wollte auch erleben, wie sich ein solcher Status anfühlt. Die Unternehmenskultur belohnt diejenigen, die sich anpassen und prellt diejenigen, die nicht dazugehören. Als Bateman von seiner Verlobten gefragt wurde, warum er nicht einfach kündigt, antwortete er: "Weil ich dazugehören will."

Nach zwei Gebührenzyklen beschloss ich, dass mir die 500 Dollar Gebühr für das Statussymbol nicht mehr wert waren und kündigte die Karte. Ich fand eine andere AMEX-Karte ohne Jahresgebühr, von der ich wusste, dass sie eine finanziell sinnvollere Wahl für mich war.

Die Kündigung bewahrte mich davor, nicht mehr ich selbst zu sein

Zwar war ich nie an dem Punkt angelangt, dass ich mich völlig verloren fühlte. Dennoch wusste ich, dass ich auf einem schmalen Grat wanderte und mich von dem entfernte, wer ich war und sein wollte. Mein Job bestimmte in vielerlei Hinsicht, wie ich mich "professionell" präsentierte und was das für mich bedeutete. Mir wurde vorgegaukelt, dass ich auf eine bestimmte Art und Weise aussehen, reden oder mich kleiden muss. Seit ich gekündigt habe, weiß ich, dass das einfach nicht stimmt.

Heute kann ich offen sagen, was ich denke und wie ich mich fühle. Und das, ohne dass ich bei der Leistungsbeurteilung oder bei Gesprächen über Gehaltserhöhungen, Boni oder Beförderungen benachteiligt werde. Außerhalb der Unternehmenswelt kann ich ich selbst sein.

Dieser Artikel wurde von Ilona Tomić aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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