„Ich habe immer gegen die Lufthansa geschossen“

Modehaus-Erbe, Airline-Pionier, Air-Berlin-Bieter: Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat seinen bewegten Werdegang in einer Autobiographie beschrieben – und gibt sich auch mit 70 noch kämpferisch.


Auch nach der herben Enttäuschung und mit fast 70 Jahren brennt das unternehmerische Feuer in Hans Rudolf Wöhrl noch. Ob er sich nach der Niederlage im Bieten um die Reste der insolventen Air Berlin nun zur Ruhe setzen wolle? „Was soll ich tun? Ich sammle keine Briefmarken, Sport betreibe ich auch keinen“, antwortet der Regionalflugpionier bei der Vorstellung seiner Autobiographie. Vielleicht werde er ja, greift Wöhrl einen Scherz seiner Mitarbeiter auf, in fünf Jahren die Lufthansa sanieren.

Gut gelaunt, mit einer Mischung aus Wehmut beim Anblick des kurzen Einspielfilms über sein Leben und Lust am Anekdoten-Erzählen ist Wöhrl in die altehrwürdigen Räume des Piper-Verlags in München gekommen. Beim Geburtstag Helmut Marktworts hatte er Verlagschefin Felicitas von Lovenberg von seinen Buchplänen erzählt, die war schnell überzeugt: „Eine packende Geschichte.“

Pünktlich vor der Buchmesse und seinem runden Geburtstag ist es nun herausgekommen. Sein Gebot für Air Berlin – bis zu 500 Millionen Euro vor allem in Form von Besserungsscheinen – konnte er nur noch mit ein paar Sätzen erwähnen. Bei Autobiographien bestehe ja immer die Gefahr, dass die Realität einen überholt. Einen wahren Krimi hätte man da schreiben können, sagt Wöhrl, der es für ein abgekartetes Spiel hält, dass die Lufthansa den Zuschlag für große Teile bekam.


Die Lufthansa, das ist in der Biographie des Regionalflug-Pioniers, der einst unter anderem den Nürnberger Flugdienst gegründet und für einen Euro die Deutsche BA gekauft und saniert hatte, ein ständiger Reizpunkt. Der Unternehmer hat immer versucht, dem marktbeherrschenden Anbieter Konkurrenz zu machen, egal ob mit dem NFD oder mit der Deutschen BA. „Ich habe immer gegen die Lufthansa geschossen.“

Doch er betont auch immer wieder den hohen Respekt vor dem Marktführer. Eine gute Airline sei das. Und selbst mit Blick auf Air Berlin räumt er ein: „Carsten Spohr hat einen Super-Job gemacht, chapeau“. Dennoch wurmt ihn die Entscheidung noch immer. Sein Konzept sei das bessere gewesen, Verlierer seien die Kunden.

„Wie meine Träume fliegen lernten“ hat Wöhrl seine Biographie genannt. Eine unterhaltsame Anekdoten-Sammlung eines Unternehmers von altem Schrot und Korn. Er erzählt, wie er 1970 mit seinem Bruder das Modehaus Wöhrl von den Eltern übernahm, und wie er sich später im Dissens mit dem Bruder Schritt für Schritt zurückzog.

Später bewährte er sich als Sanierer von Fluggesellschaften und heiratete seine Frau Dagmar – damals „Miss Germany“, später CSU-Politikerin und heute Jurorin bei „Die Höhe der Löwen“. Die Nürnberger Gesellschaft, in der schillernde Unternehmer immer ein Thema war, hatte der Ehe mit Dagmar damals höchstens drei Jahre gegeben, sagt Wöhrl. Es sei bereits ein zehnmal so langer Zeitraum geworden.


Das traurigste Kapitel von Wöhrls Autobiographie behandelt den Tod seines jüngsten Sohnes Emanuel, der 2001 nach einem Unfall im Alter von zwölf Jahren starb. Bis heute trägt der Unternehmer stets schwarze Kleidung, natürlich auch, als er seine Biographie vorstellt.

Dass ihm im Alter nicht langweilig wird – dafür sorgt Frau Dagmar mit ihrem Engagement in der „Höhle der Löwen“. Da akquiriere seine Frau ja Start-ups und er betreue sie dann mit seinem Team. „Sie hat den Auftritt und wir die Arbeit“, scherzt der Unternehmer.

Das Thema Air Berlin ist für Wöhrl erst einmal abgeschlossen. Juristische Schritte will er wegen seiner Niederlage nicht ergreifen. Der Billigflieger Ryanair aber habe sicher gute Chancen bei einer Klage, weil der anders als Wöhrl benachteiligter Marktteilnehmer sei.