„Ich habe die Faxen dicke“: Brisantes Video zeigt, wie der Chef einer Firma am Flughafen BER kranken Mitarbeitern mit Rauswurf droht

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Die Zahl der Flugzeug-Passagiere steigt rasant – schneller, als die Branche erwartet hat. Unter anderem die Bodendienstleister an den Flughäfen erreichen deshalb die Grenzen ihrer Kapazität. Davon zeugt ein internes Video, das Business Insider exklusiv vorliegt. Simon Batt-Nauerz, Geschäftsführer der Firma „Aeroground Berlin“, wendet sich nach einem für das Unternehmen offenbar harten Wochenende Anfang Juli an seine Mitarbeiter. Er filmt hochkant und im Selfie-Modus. Die Aufnahme wirkt impulshaft.

Der Aeroground-Chef spricht von einer „schwierigen Situation“, lange sei man in Kurzarbeit gewesen, jetzt gehe es wieder los. Obwohl im Sommer vor Corona noch viel mehr Flugzeuge abgefertigt worden seien, gehe Aeroground teilweise „baden“. „Das haben wir einer ganz ausgewählten Gruppe von Mitarbeitern zu verdanken: Nämlich die, die denken, dass sie krank machen können“. Batt-Nauerz glaubt, dass angesichts einer Krankenquote von mehr als 30 Prozent nicht alle krank gemeldeten Mitarbeiter aufrichtig krank sind.

https://www.youtube.com/watch?v=13ZVBSj4aso

Aeroground-Chef: Reißen Sie sich am Riemen!

Mögliche Konsequenzen skizziert er in deutlichen Worten: „Ich habe die Faxen dicke. Wir werden uns das ganz genau anschauen und wir werden alle juristischen Möglichkeiten nutzen, um uns von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die das System ausnutzen, zu trennen.“ Der Aeroground-Geschäftsführer spricht von Tagen, an denen auf dem Flughafen-Vorfeld 60 Mitarbeiter eingeplant gewesen seien und sich „20 bis 25“ krankgemeldet hätten. Bei Krankenquoten von mehr als 30 Prozent aber sei das Unternehmen nicht mehr zu retten. Am Ende spitzt er seine Botschaft noch einmal zu: „Wir werden Sie zur Rechenschaft ziehen“, sagt er in die Kamera. „Entweder Sie reißen sich jetzt am Riemen und übernehmen die Schichten, die Ihnen zugeteilt werden, oder Sie werden die Konsequenzen spüren!“

Auf Nachfrage von Business Insider sagte Aeroground, man gebe grundsätzlich keine Auskunft zu innerbetrieblichen Kommunikationsmaßnahmen. Die hohe Krankenquote von Anfang Juli habe sich inzwischen "deutlich verbessert und befindet sich wieder auf einem normalen Niveau". Betriebsbedingte Kündigungen habe Aeroground Berlin dank Kurzarbeit während der Pandemie nicht aussprechen müssen.

Batt-Nauerz ist seit 2018 Geschäftsführer von Aeroground Berlin. Der Bodendienstleister ist Marktführer am BER. Er kümmert sich unter anderem um die Flugzeug- und Gepäckabfertigung, den Passagier-Check-In, Sonderbetreuung an den Flughäfen und das Ticketing. Das Unternehmen hat im November letzten Jahres einen Vertrag mit der Lufthansa-Gruppe abgeschlossen: 20.000 bis 30.000 Flüge soll Aeroground im Namen der Airline-Gruppe jährlich abfertigen. Neben klassischen Lufthansa-Flügen also auch die Flüge der Töchter Eurowings, Swiss, Austrian Airlines und Brussels.

Aeroground Berlin ist eine hundertprozentige Tochter der „Aerogrund Flughafen München“, die wiederum zu hundert Prozent im Besitz der Flughafen München GmbH ist – also der Betreibergesellschaft des Münchner Flughafens. Die Mehrheit hält dort der Freistaat Bayern, Teile gehören aber auch der Landeshauptstadt München und der Bundesrepublik Deutschland.

Steigende Passagierzahlen und mehr Flüge überfordern Bodendienstleister

Das Video kommt zu einer Zeit, zu der sich die Passagierzahlen am Flughafen BER fast verdoppelt haben: Noch im Mai dieses Jahres sind laut Flughafen rund 360.000 Passagiere am BER gestartet und gelandet. Im Juni waren es schon 653.000. Es ist davon auszugehen, dass das Volumen im Juli aufgrund der Sommerferien noch weiter steigt.

https://twitter.com/jekaterok/status/1414208248907960327

Die Gewerkschaft Verdi hatte bereits vor ein paar Wochen die Befürchtung geäußert, dass „ein geregelter Neustart im Luftverkehr – auch nur mit 50 Prozent des Vorkrisenniveaus – nicht mehr leistbar sein“ werde. Denn: Schon vor Corona sei die Personaldecke „extrem dünn“ gewesen. Wegen Corona mussten viele Bodendienstleister sogar noch Personal entlassen.

Die Flughäfen rufen ihre Passagiere jetzt unisono dazu auf, rechtzeitig anzureisen, da es zu längeren Schlangen an den Sicherheitskontrollen und bei der Gepäckabfertigung kommen könnte – insbesondere an den Wochenenden.

Dieser Artikel wurde am 23. Juli aktualisiert, nachdem Aeroground auf unsere Nachfrage mit einer Stellungnahme geantwortet hat.

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