H.E.R.: Wer steckt wirklich hinter der Soul-Sensation aus den USA?

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H.E.R. heißt das neue Soul-Phänomen aus den USA. Doch wer verbirgt sich hinter dem Namen? Im Interview spricht die Sängerin über ihre Kindheit, ihre Ziele und warum sie gerne so lange wie möglich anonym bleiben will.

In Zeiten in denen Künstler auf ihren Social-Media-Kanälen immer mehr von sich preisgeben, kann Anonymität eine junge, aufstrebende Künstlerin schützen, den Fokus allein auf die Musik lenken oder - gewollt oder ungewollt - für Marketing genutzt werden. Im Falle der US-Soul-Sensation H.E.R. sorgte die Geheimniskrämerei für einen regelrechten Hype. Nachdem sie im Sommer 2016 ihre erste EP "Volume 1" veröffentlichte, fragten sich viele Hörer, wer denn hinter dieser gefühlvollen Stimme stecke - zunächst vergebens.

Schnell wuchs ihre Fangemeinde an und gestandene Musiker wie Alicia Keys (37, "Girl on Fire"), Wyclef Jean (48) oder Rihanna (30) brachten ihre Bewunderung zum Ausdruck. Und auch wenn das Geheimnis dann doch relativ schnell vom US-Magazin "Genius" gelüftet wurde, gibt es weiterhin keine offizielle Bestätigung seitens des Labels oder des Managements, dass die von dem Magazin als H.E.R. identifizierte Sängerin Gabi Wilson (20) auch tatsächlich hinter den Songs steckt...

Musik als universelle Sprache

H.E.R. gibt sich weiterhin viel Mühe von ihrer Person abzulenken. Selbst bei Konzerten trägt sie immer eine Sonnenbrille und auf den Pressefotos zu ihrer zweiten EP "Volume 2" sieht man kaum ihr Gesicht. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erklärt die Sängerin den Grund dafür: "Ich wollte einfach, dass die Menschen sich auf meine Musik und meine Texte konzentrieren." Der Schutz ihrer Privatsphäre habe in der Entscheidung nur eine untergeordnete Rolle gespielt: "Mir war ohnehin klar, dass es irgendjemand, irgendwann herausfinden wird. Mir ging es wirklich nur darum, dass die Hörer meine Musik mit unvoreingenommenen Ohren hören. Bei Musik geht es nicht darum, wie alt ich bin oder wie ich aussehe. Es ist die einzige Sprache, die jeder Mensch auf der Welt spricht", so die Sängerin weiter.

Da wirkt es fast etwas ironisch, dass H.E.R. für "Having Everything Revealed" (zu Deutsch: "Alles ist aufgedeckt") steht: "Ja, das ist schon etwas ironisch", gibt die Sängerin zu. "Aber ich versteckte mich eigentlich nicht wirklich. Wenn überhaupt, verrät meine Musik ja alles über mich", sagt sie. Tatsächlich sind ihre Songs sehr persönlich. Sie handeln von Herzschmerz und der Suche einer jungen Frau nach ihrer eigenen Identität. "Ich habe viele der Songs geschrieben, als ich 16, 17 Jahre alt war. 'Volume 1' und später 'Volume 2' erzählen quasi die Geschichte eines Mädchens, das zu einer Frau heranwächst", so die Musikerin.

Ihr Weg kennt nur eine Richtung: nach oben

Dass die Sängerin erst 20 Jahre alt ist, merkt man ihr kaum an - so selbstbewusst und reflektiert tritt sie auf. Zudem ist ihre Show professionell durchgeplant und auf den Punkt gebracht. Wie bei den ganz Großen. An ihrer Bühnenpräsenz arbeitet H.E.R. schon mehr oder weniger ihr ganzes Leben: "Mit sechs habe ich meine ersten Gedichte verfasst. Später hat mir meine Mutter Themen gegeben, über die ich singen sollte, quasi als Übung. Also habe ich dazu Texte und Songs geschrieben", erinnert sich die Sängerin, die nicht nur mit ihrer Stimme glänzt, sondern auch an der Gitarre oder am Piano.

"Ich komme aus einer Familie von Musikern. Ich wusste schon immer, dass ich auch selbst Musikerin sein werde", erzählt die 20-Jährige weiter. Und so kam es auch: Mit 14 erhielt sie ihren ersten Plattenvertrag. Seitdem arbeitet sie unerlässlich an ihrem Sound. "Ich bin kein bisschen von meinem Weg abgewichen. Das ist der Grund, warum alle diese wundervollen Dinge passieren", ist sich die Sängerin sicher.

Das Gefühl einen Großteil ihrer Jugend verpasst zu haben, hat sie allerdings nicht: "Ich war schon immer eine Außenseiterin. Ich habe meine Zeit lieber mit meinen Musiker-Onkeln verbracht, als mit den Kindern in meinem Alter." Ein Drive, den man sowohl auf ihren EPs, als auch live spürt. Ob ihr Debüt-Album, das im Herbst 2018 erscheinen soll, sie auch hierzulande an die Spitze der Charts katapultieren wird, bleibt abzuwarten. Dem Zufall wird aber ganz bestimmt nichts überlassen: "Ich habe noch die ein oder andere Überraschung in der Hinterhand", verspricht H.E.R., die neue Soul-Sensation aus den USA.

Foto(s): imago/ZUMA Press