Höwedes und Khedira nach Juve-Pleite in der Kritik

Benedikt Höwedes (r.) musste nach dem Serie-A-Topspiel Kritik einstecken

Die Heimreise der Helden von Turin roch schon schwer nach Meisterfeier.

Tausende Tifosi empfingen die Mannschaft des SSC Neapel in der Nacht zu Montag am Flughafen Capodichino, in den Schwaden der bengalischen Feuer rollte der Mannschaftsbus nur langsam voran, sodass die Spieler um Siegtorschütze Kalidou Koulibaly spontan Selfies von der Party schossen.

Zwar hatte Napoli "nur" am fünftletzten Spieltag der Serie A 1:0 (0:0) bei Tabellenführer Juventus Turin gewonnen. Doch 28 Jahre nach der letzten Meisterschaft ist der Scudetto für den SSC greifbar.

Auch wenn Juve immer noch einen Punkt vorne liegt: Beim Rekordmeister mit den am Sonntag schwachen Sami Khedira und Benedikt Höwedes herrscht plötzlich Alarmstufe Rot. Und auch die beiden deutschen Weltmeister werden von der Presse dafür in Haftung genommen.

"Die Alte Dame bricht zusammen"


"Die Alte Dame bricht zusammen wie nie zuvor in der Serie A. Neapel glaubt jetzt an die Verwirklichung des Titeltraums", kommentierte Gazzetta dello Sport. "Juve muss wirklich um seinen Scudetto bangen", befand La Repubblica.

Der sonst so abgeklärte Serienmeister aus Norditalien wurde von den stürmischen Azzurri förmlich weggefegt. "Höwedes spielt nie wirklich sicher", kritisierte Corriere dello Sport die Leistung der Schalker Leihgabe.

Auch Khedira konnte nicht an seine Form der letzten Wochen anknüpfen. "Kein Feuerwerk. Er leidet unter dem Druck der Gegner", analysierte das Blatt.


Sarri zeigt den Mittelfinger

Nicht einen Ball musste Napoli-Schlussmann Pepe Reina abwehren. Glück hatten die Gäste zwar, als Miralem Pjanic in der ersten Hälfte am Pfosten scheiterte. Doch viel mehr kam nicht vom Meister der letzten sechs Jahre, der mit einem Sieg den 34. Titel so gut wie perfekt gemacht hätte.

Die Napoli-Spieler warfen sich deutlich entschlossener die Zweikämpfe, provozierten Rudelbildungen - und belohnten sich in der Schlussminute durch den Kopfballtreffer von Koulibaly.

Und nach dem Spiel war nicht Schluss mit den Wallungen. Neapels Trainer Maurizio Sarri zeigte Juve-Anhängern, die den Mannschaftsbus bespuckten, den Mittelfinger. "Sie haben uns beleidigt, weil wir Neapolitaner sind", erklärte der Coach lapidar.

Gratis-Pizza und Verkehrschaos

In Neapel legten derweil Autokorsos den Verkehr im Stadtzentrum lahm, Lokale verteilten Gratis-Pizza. Von der Euphorie längst angesteckt ist auch Diego Maradona.

"Wir haben einen Traum", schrieb der Superstar der Achtziger, der am Fuße des Vesuv nach den Scudetti 1987 und 1990 den Status eines Heiligen genießt, bei Facebook.

Juve-Trainer Massimiliano Allegri gestand später ein: "Es war ein schlechtes Match für uns. Wir hatten Schwierigkeiten, doch wir hätten sie überwinden sollen. Dieser schwere Schlag muss uns von Lehre sein."

Dennoch: Nicht Neapel, sondern Juventus liegt vorne und kann damit die Meisterschaft noch aus eigener Kraft für sich entscheiden. Sarri warnte seine Helden entsprechend: "Wir müssen uns schnell auf das nächste Spiel konzentrieren."