Das erwartet Köln in der Hölle von Belgrad

Michael Prieler
Gewalt-Szenen gehören im "Ewigen Derby" zwischen Roter Stern und Partizan Belgrad zur Tagesordnung

Der 1. FC Köln steht zum Abschluss der Gruppenphase der UEFA Europa League bei Roter Stern Belgrad (ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) vor einem echten Endspiel.

Doch das Gruppenfinale wird für das Bundesliga-Schlusslicht alles andere als ein Spaziergang.

"Es kann sein, dass das Stadion brennt", sagt Trainer Stefan Ruthenbeck vor seinem Debüt auf der Kölner Bank im SPORT1-Interview: "Es wird eine packende Atmosphäre werden. Wir dürfen keine Angst haben."

Die Kölner, die Armin Veh als neuen Sportdirektor verpflichtet haben, haben nach Siegen gegen BATE Borisov und den FC Arsenal den Einzug in die K.o.-Phase in der eigenen Hand. Doch für die Geißböcke wird es kein normales Spiel werden, denn die serbischen Fans sind heißblütig und für Pyro-Orgien bekannt.

Im Stadion Rajko Mitic, hierzulande bekannt als das Marakana von Belgrad, erwartet die Kölner vor 55.000 euphorischen Heim-Fans ein echtes Spektakel.

Lehmann: "Stimmung wird aufgeheizt sein"

"Man weiß was hier passieren kann", sagte Kölns Kapitän Matthias Lehmann bei SPORT1. "Die Stimmung wird aufgeheizt sein. Die Tartanbahn zwischen Zuschauerrängen und Spielfeld ist vielleicht ganz nützlich, falls die Feuerwerkskörper fliegen."

Die Sorge ist berechtigt. Spiele in Serbien, besonders die Belgrader Derbys zwischen Roter Stern und Partizan, arten immer wieder zu Gewaltexzessen aus, bei denen nicht nur Böller und Leuchtraketen, sondern auch die Fäuste fliegen. 

Dazu passt, dass der wohl berüchtigste Hooligan Europas ausgerechnet aus Belgrad stammt: Iwan Bogdanov, bekannt als "Iwan, der Schreckliche". Schon beim Hinspiel in Köln hatte Bogdanov rund 500 gewaltbereite Roter-Stern-Anhänger hinter sich geschart. Schon damals gab es Krawalle und Festnahmen.

8000 Köln-Fans in Serbien

In Belgrad werden 5500 Kölner Gästefans den FC im Stadion anfeuern, bis zu 8000 sollen in die serbische Hauptstadt gereist sein. Und auch Teile des Kölner Anhangs sind nicht gerade als Waisenknaben bekannt.

Beim Auswärtsspiel in London hatten sich beispielsweise weit mehr als die kontingentierten 2900 Fans Zutritt zum Stadion des FC Arsenal verschafft, einige Chaoten versuchten einen Blocksturm.


Die Partie wurde damals mit einer Stunde Verspätung angepfiffen, fünf Köln-Fans wurden festgenommen, der Klub von der UEFA bestraft.

Der Endspiel-Charakter des letzten Gruppenspiels versetzt die Sicherheitskräfte in Alarmstimmung. Das Pulverfass droht zu explodieren.

"Schande von Belgrad"

So wie beim EM-Qualifikationsspiel 2014 zwischen Serbien und Albanien. Damals hatte ein Vertrauter der albanischen Regierung mithilfe einer ferngesteuerten Drohne eine großalbanische Flagge durchs Stadion von Partizan Belgrad geflogen.

Als Serbiens Ste­fan Mit­ro­vic die Fah­ne ab­riss, at­ta­ckier­ten ihn al­ba­ni­sche Spie­ler. Es folgte das komplette Chaos: Ser­bi­sche Randalierer stürmten den Ra­sen und machten Jagd auf die Gäs­te-Elf, die sich gerade noch in die Ka­bi­ne ret­te­n konnten.

Albaniens Co-Trainer Altin Lala, bekannt aus seiner Bundesliga-Zeit bei Hannover 96, sprach von "Todesangst". Das Spiel wurde in der 41. Minute abgebrochen und ging als "Schande von Belgrad" in die Geschichte ein.

Marakana-Stadion in Brand

Die Historie von Skandalspielen in der serbischen Hauptstadt ist aber noch viel länger: Als Reaktion auf den Drohnen-Eklat fackelten Belgrad-Fans während des "Ewigen Derbys" wenig später albanische Fahnen im Stadion ab.

Ein Jahr zuvor hatten Chaoten das halbe Marakana-Stadion in Brand gesetzt, obwohl bereits alle Sitzschalen im Stadion aus Sicherheitsgründen entfernt worden waren.

Vor zwei Jahren bekam mit dem FC Augsburg zuletzt eine deutsche Mannschaft das heiße Pflaster in Belgrad am eigenen Leib zu spüren.

Callsen-Bracker aus dem Spiel getreten

Auch die bayerischen Schwaben hatten sich damals ein Gruppen-Endspiel in der Europa League erkämpft - und hielten dem Druck trotz der feindseligen Stimmung im Partizan-Stadion stand.

Damals waren nicht den Fans, sondern den serbischen Spielern selbst die Nerven durchgebrannt. Der negative Höhepunkt: Partizan-Akteur Nikola Ninkovic grätschte FCA-Verteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker mit offener Sohle um.

Der Augsburger musste mit einem Wadenbeinbruch direkt ins Krankenhaus eingeliefert werden und fehlte dem Bundesligisten fast ein halbes Jahr.

Der damalige FCA-Trainer Markus Weinzierl ist am Abend zu Gast im SPORT1-Studio. Nicht nur Weinzierl weiß: Köln erwartet in Belgrad ein hitziges Gruppenfinale - auf und neben dem Rasen.