Was den Höhenflug der Lufthansa antreibt

Die Lufthansa begeistert mit ihrem Halbjahresbericht die Anleger. Die Nachfrage nach Tickets ist hoch, und auch die Frachttochter ist wieder in der Spur. Doch noch hat die Airline nicht alle Baustellen beseitigt.


Die Investoren hatten ihr Urteil früh gefällt. Kaum hatte die Lufthansa ihren Halbjahresbericht am Mittwochmorgen online gestellt, hob die Aktie ab. Um über drei Prozent legte das Papier zu, dabei hatte die Airline die wesentlichen Eckdaten für die erste Jahreshälfte bereits vor zwei Wochen publiziert.

Das bislang beste Halbjahr in der Lufthansa-Geschichte war also schon bekannt. Doch viele der feinen Details in dem Zahlenwerk gaben der eh schon guten Stimmung der Anleger noch einmal neue Munition. Bekannt war etwa die Verdopplung des bereinigten Betriebsergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 1,03 Milliarden Euro. In dieses Bild passt das Umsatzplus um 12,7 Prozent auf 17 Milliarden Euro.


Mehrere Faktoren verleihen der Airline Rückenwind. So profitiert die Billigtochter Eurowings vom Schub durch die von Air Berlin angemieteten Jets samt Crew sowie die Integration von Brussels Airlines. Die Kernmarke Lufthansa wiederum profitiert von der aktuellen Schwäche großer Rivalen wie den Airlines vom Persischen Golf oder Turkish Airlines. Die Nachfrage nach Tickets in die USA aber auch nach Asien ist so stark wie lange nicht mehr.

Hinzu kommt, dass die Frachttochter Lufthansa Cargo wieder in der Spur ist. Nach einem Verlust von 45 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum steht nun wieder ein operativer Gewinn von 78 Millionen Euro in den Büchern.

Unterstützt wird dieses positive Bild von weiteren wichtigen Kennzahlen. Etwa dem sogenannten Cash-Flow, also dem Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft. Er ist um über eine Milliarde auf 3,2 Milliarden Euro gestiegen. Das ist nicht nur auf das gute Ergebnis in den ersten sechs Monaten zurückzuführen. Es deutet auch auf gute Vorausbuchungen hin, für die Lufthansa schon vorab Geld einnimmt.


„Die Buchungssituation ist vielversprechend“, sagte Ulrik Svensson, Finanzchef der Airline. Abzüglich der notwendigen Sachinvestitionen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro bleibt ein freier Mittelzufluss von 2,1 Milliarden Euro, ein Plus von 87 Prozent. Der deutliche Zuwachs ist deshalb für Lufthansa so wichtig, weil die Fluggesellschaft seit einiger Zeit das größte Flottenerneuerungsprogramm absolviert, das es in der Firmengeschichte bislang gegeben hat. Das kostet viel Geld, rund zwei Milliarden Euro pro Jahr.

In der Vergangenheit hatte das Management wieder und wieder Kosteneinsparungen angemahnt, um diese Investitionen finanzieren zu können. Sie sind zwingend notwendig, denn Lufthansa hatte die Flottenmodernisierung wieder und wieder aufgeschoben und drohte beim Thema Kabinenqualität zunehmend von der Konkurrenz abgehängt zu werden.


Das Thema Pensionen bleibt eine Baustelle


In diesem Zusammenhang ist es zudem eine gute Nachricht, dass die nach Umsatz größte europäische Airline auch ihre Verschuldung abgebaut hat. Die sogenannte Nettokreditverschuldung (Finanzschulden abzüglich der Barmittel) ist seit Ende 2016 um fast 60 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro gesunken.

Gleichzeitig zeigt der lange umkämpfte und von vielen Streiks begleitete Umbau des Pensionssystems erste Wirkung. Die Pensionsverpflichtungen lagen mit 8,1 Milliarden Euro um rund 200 Millionen niedriger als zum Jahresende 2016. Beides verbessert die finanzielle Konstitution des Unternehmens, eine wichtige Voraussetzung, um zum Beispiel neue Kredite aufnehmen zu können.


Doch gerade beim Thema Pensionen gibt es noch eine wichtige Baustelle zu beseitigen. Bislang gibt es hier eine abschließende Einigung nur mit dem Kabinenpersonal. Die mit den Piloten steht noch aus. Im März hatten die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und das Management lediglich eine Grundsatzerklärung unterzeichnet. Sie muss aber noch im Detail finalisiert werden. Das erwartet Finanzchef Svensson noch in diesem Jahr.

Ein abschließender Vertrag ist hier auch deshalb so wichtig, weil damit auch insgesamt eine weitere Kosten-senkung bei der Kernmarke Lufthansa möglich ist. Und die ist angesichts des harten Wettbewerbs dringend geboten, finden die Analysten von Bernstein. „Die Stückkosten in der Mainline zu senken bleibt die wichtigste strategische Priorität für die Unternehmensgruppe“, heißt es in einer Studie von Bernstein Research. Das sieht auch Finanzchef Svensson so: „Wir sind beim Thema Kosten gut vorangekommen, aber wie immer gilt: Wir müssen da weitermachen.“

Weil die Sicht bis ins vierte Quartal „begrenzt“ sei, will sich der Finanzchef bei der Jahresprognose nicht zu weit aus dem Fenster wagen. Analystenschätzungen, die ein Ergebnis von bis zu 2,65 Milliarden Euro vorhersagen, ein sattes Plus von 50 Prozent im Vergleich vom Vorjahresergebnis von 1,75 Milliarden Euro, ließ der Finanzchef unkommentiert im Raum stehen. Es bleibe dabei, dass man ein Ergebnis über dem Vorjahresniveau erwarte..