"Es hätte meine Tochter sein können": Mehr Proteste nach Tod von Mahsa Amini (22) in Iran

In Teheran und in Maschdad im Nordosten des Iran haben weitere Menschen - vor allem Frauen - aus Solidarität mit Mehsa (oder Mahsa) Amini protestiert. In den sozialen Netzwerken schneiden sich Frauen die Haare ab und protestieren so gegen die von den iranischen Regierenden weiterhin verteidigten strengen Kleiderregeln für Frauen.

Die 22-jährige Mehsa Amini war nach ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei in Teheran zusammengebrochen und in einem Krankenhaus gestorben. Der Grund für die Festnahme: sie soll ihr Kopftuch nicht korrekt getragen haben.

Mehsa war Kurdin, es heißt, ihr kurdischer Name sei "Zina". Sie stammte aus Saqqez in der Region von Sanandaj im Nordwesten des Landes. Auch dort fanden am Sonntag Protestaktionen statt - vor allem an den Universitäten. Auch an Hochschulen in Teheran gab es Demonstrationen. Einige Beobachter sprechen von der stärksten Protestwelle seit der Anti-Regierungs-Bewegung 2009.

"Hätte meine Tochter sein können"

Die Schauspielerin Anahita Hemmati schneidet sich in einem Video, das sie auf Instagram veröffentlicht hat, die Haare ab. Die in Iran populäre 49-Jährige erklärt, das Schicksal von Mehsa Amini hätte auch ihre Tochter oder sie selbst treffen können.

Am Montagabend riefen in der Hejab-Straße (persisch für "muslimischer Schleier") im Zentrum von Teheran "mehrere hundert Menschen Slogans gegen die Behörden, einige von ihnen legten ihren Hidschab ab", wie die Nachrichtenagentur Fars berichtet. Die Sicherheitskräfte setzten Schlagstöcke und Tränengas ein. Offenbar gab es auch Parolen gegen den Obersten Geistlichen und Revolutionsführers Ali Chamenei - wie im Internet geteilte Videos belegen.

Irans Präsident Ebrahim Raisi ist an diesem Montag zur UN-Generalversammlung nach New York aufgebrochen. Laut Medienberichten hatte der ultrakonservative Staatschef eine Untersuchung des Falls Mehsa Amini angeordnet.

Vahid Salemi/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.
Präsident Ebrahim Raisi beim Abflug aus Teheran nach New York - Vahid Salemi/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.

Der Polizeichef von Teheran, General Hossein Rahimi, wies erneut die "ungerechten Anschuldigungen gegen die Polizei" zurück. "Es gab keine Nachlässigkeit unsererseits. Wir haben Untersuchungen durchgeführt (...) Und alle Beweise zeigen, dass es keine unangemessenes Verhalten seitens der Polizei gab", sagte er.

General Rahimi betonte erneut, dass die junge Frau gegen die Kleiderordnung verstoßen habe und dass die Polizisten Mehsas Angehörige aufgefordert hätten, ihr "anständige Kleidung" zu bringen.

Am Tag ihres Todes strahlte das staatliche Fernsehen ein kurzes Überwachungsvideo aus, auf dem zu sehen war, wie eine Frau, die als Mehsa Amini vorgestellt wurde, nach einem Gespräch mit einer Polizistin in den Räumen der Polizei zusammenbrach.

Am Montag erklärte Amjad Amini, der Vater des Opfers, gegenüber Fars, das "Video sei geschnitten worden", und er meinte, seine Tochter sei "verspätet ins Krankenhaus gebracht worden".

Der iranische Innenminister Ahmad Vahidi argumentierte am Samstag, dass "Mahsa offenbar frühere Probleme hatte" und dass sie "im Alter von fünf Jahren eine Gehirnoperation hatte". Diese Informationen wurden von ihrem Vater dementiert, der versicherte, dass seine Tochter "völlig gesund" sei. Die junge Frau wurde festgenommen, als sie mit ihrer Familie in Teheran zu Besuch bei Verwandten war.

Auch im Ausland gab es Proteste in Solidarität mit Mehsa Amini. In Sulaimaniyya im irakischen Kurdistan verbrannten Frauen ihre Schleier und verteilten Flyer mit dem Foto der jungen Kurdin aus Iran, die am 16. September - drei Tage nach ihrer Verhaftung - gestorben war.