Vom Händler für MP3-Player zum Elektro-Millionär: Das ist der „holländische Jeff Bezos“, der jetzt in Deutschland Media Markt und Saturn angreifen will

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Coolblue-Chef Pieter Zwart.
Coolblue-Chef Pieter Zwart.

Der Elektrohandel in Deutschland wird von zwei Namen beherrscht: Media Markt und Saturn. Ein neuer Konkurrent greift nun jedoch hierzulande an. Der niederländische Anbieter Coolblue plant den Markteinstieg und will in Düsseldorf eine 2.600 Quadratmeter große Filiale eröffnen. Coolblue verspricht schnelle Lieferzeiten und Kundennähe. Hinter dem Unternehmen steckt Pieter Zwart. Für seine Landsleute ist er der „holländische Jeff Bezos“. 

Neben Deutschland ist Coolblue bereits seit 2007 auch in Belgien erfolgreich aktiv. Trotz Pandemie expandiert die Handelskette weiter. Das passt zum Unternehmenschef Zwart. Durch seinen Ehrgeiz hat er in 18 Jahren ein Unternehmen aufgebaut, das jährlich zwei Milliarden Euro Umsatz verbucht. In den Niederlanden ist Coolblue das Aushängeschild des Einzelhandels. Doch wer ist der berüchtigtste CEO unseres Nachbarlandes überhaupt?

„Wir haben oft geraucht und Bier getrunken und Pläne auf Bierdeckeln geschmiedet“

Wie viele Erfolgsgeschichten fing auch die von Zwart und Coolblue klein an. 1999 kaufte der Student an der Rotterdam School of Management seinen ersten MP3-Player. Es liefen Hits wie „Livin' La Vida Loca“, „I Want It That Way“ oder „The Bad Touch“. Doch das Gerät war klein, klobig und der Akku hielt nicht lange. Ihn und seine beiden Freunde Paul de Jong und Bart Kuipers brachte das auf eine Idee. Warum nicht einfach eine eigene Firma gründen und Elektrogeräte verkaufen? 

„Wir haben oft geraucht und Bier getrunken und Pläne auf Bierdeckeln geschmiedet“, sagt Zwart in einem Interview mit dem „Erasmus Alumni Magazine“. „An einem dieser Abende saßen wir im Café De Dijk. Plötzlich war die Idee da. Ich rief meinen Vater an und sagte: ‚Papa, ich werde mich ein Jahr lang nicht an der Uni einschreiben.‘“ Das Unternehmen war geboren. Der Name: Coolblue. 

Pieter Zwart, Paul de Jong und Bart Kuipers 2003.
Pieter Zwart, Paul de Jong und Bart Kuipers 2003.

Aus einem Jahr wurden dann zwei. Zu Beginn verkauften sie MP3-Player auf einer eigenen Website. Aus ein paar wurden bald hunderte Bestellungen. Die drei beendeten trotz des Erfolgs ihr BWL-Studium, um sich voll auf die Firma zu konzentrieren. Über die Zeit kamen immer mehr Produkte hinzu. Sie erstellten für jedes Gerät einen eigenen Webshop. So wurden die MP3-Player auf mp3shop.nl und Laptops auf laptopshop.nl angeboten. In zehn Jahren entstanden so über 300 verschiedene Webshops. Das Unternehmen zeigt sich kundenorientiert, freundlich und flexibel. Drei Säulen, auf denen Zwart mit Coolblue noch heute aufbaut.

„Das Vertrauen der Verbraucher ist entscheidend und das Wichtigste, was man als Webshop braucht“, erklärt Zwart bereits 2003. „Mundpropaganda verbreitet sich schnell, auch außerhalb des Internets. Unser Produkt muss also gut sein, denn Qualität schafft Vertrauen in unser Unternehmen.“ Dieses Vertrauen zahlte sich aus. 2012 war der endgültige Durchbruch für Coolblue. Der Umsatz des Unternehmens stieg um 48 Prozent auf 168 Millionen Euro. Zwart wurde als bester Online-Unternehmer des Jahres ausgezeichnet. An seinen Namen kam nun in den Niederlanden niemand mehr vorbei. 

Der holländische Jeff Bezos

Das Unternehmer-Trio löste sich dann 2016 auf. Zwart kaufte mithilfe des Investors HAL die Anteile seiner ehemaligen Partner. Die Entscheidung wurde demnach einvernehmlich getroffen. Coolblue wurde für De Jong und Kuipers zu groß. Sie widmeten sich kleineren Projekten. Für Zwart ging es indessen weiter. Im selben Jahr erwirtschaftete Coolblue 857 Millionen Euro – ein neuer Rekord.

Trotz des Erfolgs hob der 44-Jährige nie ab. Mitarbeiter beschreiben ihn als charismatisch und freundlich. Doch der Höhenflug hatte auch seine dunklen Seiten. Wenige Tage vor Weihnachten 2017 wird Zwart ausgeraubt und misshandelt. Die Rotterdamer Polizei konnte den Täter fassen.

Der Unternehmer zeigt sich trotz des Vorfalls unbeirrt. 2018 wurden die über 300 Webshops dann unter der Marke Coolblue zusammengefasst. Die Idee kam Zwart bereits zwei Jahre zuvor: „Der Wechsel in eine Domäne war ziemlich aufregend. Die kommerziellen Konsequenzen sind enorm: Jetzt können wir schneller automatisieren und entwickeln.“

In Düsseldorf soll die erste Coolblue-Filiale entstehen.
In Düsseldorf soll die erste Coolblue-Filiale entstehen.

Über sein privates Vermögen sprach Zwart lange Zeit ungern. Es wird auf 475 Millionen Euro geschätzt. Heute zeigt sich der Multimillionär offener. „Ich finde es seltsam, dass man nicht mehr sagen kann, dass man Geld verdienen will. Was war mein Ziel? Multimillionär. Das habe ich erreicht“, so Zwart in einem Interview mit „De Ondernemer“.

Doch auch die Corona-Pandemie ging nicht spurlos an dem Unternehmen vorbei. Ende Februar 2020 merkten das zuerst die Kunden. Die Preise für Produkte stiegen aufgrund von Lieferengpässen aus China um zehn bis 15 Prozent an. Im März mussten dann alle stationären Geschäfte geschlossen werden. Der Online-Handel boomte jedoch und Coolblue musste sich nicht vor einer Insolvenz fürchten. Zwart zeigt sich nun optimistisch und will sich auch in Deutschland vor den großen Marktführern nicht verstecken. Sein Erfolg gibt ihm recht.

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