Händler befürchten Diesel-Preisverfall von 28 Prozent

Kaum hat das Bundesverwaltungsgericht Diesel-Fahrverbote erlaubt, zittern die Gebrauchtwagenhändler. Sie fürchten starke Preis-und Absatzeinbußen. Schnäppchenjäger sollten mit dem Diesel-Kauf jedoch noch warten.

Anfang April möchte Hamburg als erste deutsche Stadt streckenweise Diesel-Fahrverbote einführen. Weitere könnten folgen. Die Verunsicherung der Autokäufer trifft besonders Gebrauchtwagenhändler, die beispielsweise noch Dieselautos der Abgasnormen Euro 4 oder 5 auf dem Hof stehen haben – die Euro-6-Fahrzeuge der Neuwagenhändler sind nach aktuellem Stand nicht von den Fahrverboten betroffen.

80 Prozent der Händler, die an Marken gebunden sind und somit ihr Angebot kaum flexibel steuern können, rechnen mit Einbußen im Geschäftserfolg. Bei freien Händlern sind es noch 71 Prozent. Das hat eine Umfrage von puls Marktforschung unter 167 Gebrauchtwagenhändlern Mitte März ergeben. Befragt wurden sowohl 103 freie und 64 Markenhändler.

Lediglich jeder 50. freie Händler erwartet, dass die Preise konstant bleiben werden. In der Summe gehen die 167 befragten Händler davon aus, dass die Preise für gebrauchte Dieselwagen 2018 um 28 Prozent fallen könnten. Andere Studien sagen einen noch größeren Preisverfall voraus: Laut einer Umfrage, unter 1817 Autohandelsbetrieben, die der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) mit der WirtschaftsWoche durchführte, liegt der Preisnachlass für gebrauchte Diesel bei bis zu 50 Prozent.


Doch nicht alle wollen den Diesel bereits beerdigen: Sowohl unter den Markenhändlern als auch den freien Betrieben gaben trotz der hitzigen Dieseldebatte mindestens zwanzig Prozent an, dass das Thema sich nicht auf ihren Geschäftserfolg auswirken würde. Doch bei der Frage, ob die Preise fallen werden, muss auch die Hälfte der Optimisten zugeben, dass das kaum zu umgehen ist. Die Positiv-Fassade bröckelt weiter, fragt man die Händler danach, ob Maßnahmen nötig seien, um den Absatz stabil zu halten. Nur 13 Prozent derjenigen, die keine Verluste erwarten, hält Maßnahmen für unnötig.

Doch wer muss in den kommenden Monaten was tun, um das Diesel-Image wieder aufzupolieren? Die Händler suchen die Fehler bei sich selbst. 64 Prozent der Markenhändler und 52 Prozent der freien wollen Kunden besser mit Fakten über die Euro-Normen aufklären. Laut der freien Händler können 44 Prozent ihrer Kunden nämlich nicht zwischen Diesel nach Euro-6 und Euro-5-Norm unterscheiden. Ändert sich das nicht, werden vermeintlich saubere Diesel-Fahrzeuge mit den Euro-4- und 5-Dieseln in einen Topf geworfen, was den Absatz weiter fallen lässt. Besonders die freien Händler sehen neben sich selbst auch Politiker in der Verantwortung, für Klarheit zu sorgen. Und in noch einem Punkt sind sich viele Händler einig: Die Preise müssen fallen, um die Gebrauchtwagen noch verkaufen zu können. Selbst die Händler, die von der Diesel-Diskussion keinen Einfluss auf ihren Geschäftserfolg erwarten, prognostizieren einen Preisrückgang um 24 Prozent.


Wer von dem Preisverfall profitieren möchte, sollte mit einem Kauf warten, bis das erste Fahrverbot in Kraft tritt. Das sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. Er rät außerdem davon ab, nur bei lokalen Händlern die Angebote zu prüfen. „Online ist immer die sicherere Alternative, weil Sie dort Preise vergleichen können“, sagt er. Die ersten Fahrverbote werden nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die Stadt Hamburg wird bereits ab April besonders belastete Straßenabschnitte für Pkw älter als Euro 6 sperren.