Der Händler


Richtig schlau ist man aus dem Mann selten geworden. Mal wollte er aufhören, dann wieder nicht. Mal sah er seinen Sohn Peter als seinen Nachfolger, kurz darauf glaubte er nicht, dass dessen Begabung für die Leitung eines Weltkonzerns ausreichen würde. Mal hatte er Ärger mit der Steuer, mal schenkte er Millionen für wohltätige Zwecke. Es passte vieles nicht zusammen, aber so ist es mit den Möbeln ja auch: Mal fehlt hier ein Teilchen, mal ist dort eine Schraube über.

Der Ende Januar dieses Jahres im Alter von 91 Jahren verstorbene Gründer des schwedischen Möbelkonzerns Ikea hat Zeit seines Lebens nichts dem Zufall überlassen. Bereits zu Lebzeiten sorgte er dafür, dass der Konzern auch ohne ihn auf der Erfolgsspur bleibt. Das größte Möbelhaus der Welt wird mittlerweile von Jesper Brodin geführt. Kamprads drei Söhne halten im Hintergrund die Fäden zusammen.

Kamprad war ein echter Selfmade-Man, ein Autodidakt, der sein Talent zum Handel und zum Handeln schon früh entdeckte. Mit sieben, so erzählt man sich in seinem südschwedischen Heimatort Agunnaryd, sei der Ingvar schon von Hof zu Hof gezogen und habe Streichhölzer, Papierwaren und Saatgut verkauft. Mit so großem Erfolg, dass er noch während der Kaufmannsausbildung sein Unternehmen Ikea gründete.

Ingvar Kamprad wuchs auf dem väterlichen Hof Elmtaryd in Agunnaryd auf. Die Anfangsbuchstaben von Namen, Hof und Dorf ließ er im Juli 1943 im Handelsregister eintragen. Ikea – eine Handelsfirma, über die der gerade 17-Jährige allerlei Notwendiges und Überflüssiges verkaufte. Und er war schon damals recht weitsichtig: 1947 startete er einen kleinen Postorder-Service, um so auch die Kundschaft außerhalb Agunnaryds bedienen zu können.

Nach einem kurzen Gastspiel bei einem Holzhaushersteller konzentrierte sich Kamprad ab 1948 vollständig auf sein eigenes, noch kleines Unternehmen. Kamprad merkte schnell, welche Produkte bei ihm am besten liefen und entschied sich für eine stärkere Konzentration auf Einrichtungsgegenstände. Diese sollten preiswert, stabil, funktionell und vor allem leicht zu transportieren sein. Die Idee der Regale, Sofas und Wandschränke aus dem Pappkarton war geboren.

Der Kunde durfte, ja sollte mit anpacken. 1965 eröffnet Ikea in Stockholm sein erstes größeres Möbelhaus, ab 1974 dürfen auch in Deutschland preiswerte Möbel mit dem Inbusschlüssel zusammengebaut werden. Der Erfolg der handlich verpackten oder zumindest leicht auf dem Dachgepäckträger zu transportierenden Möbel war nicht mehr aufzuhalten.

Von Anfang an war das Motto „Sparen“ unabdingbarer Bestandteil der Firmenphilosophie. Und diese Sparsamkeit machte auch nicht vor dem Fiskus halt. Das Hochsteuerland Schweden war zwar stolz auf seinen Ingvar, doch der Finanzminister ging nahezu leer aus.

Das einstmals „unmögliche Möbelhaus aus Schweden“, dass mit dem Elch um die Gunst aller Amateur-Raumausstatter warb, ist heute ein fast unüberschaubares Netzwerk aus Stiftungen und Holdings, die allesamt in Holland, Luxemburg, Liechtenstein und in Curacao in der Karibik registriert sind. Banken, Leasingfirmen, Versicherungen und Immobiliengesellschaften gehören heute zum Ikea-Konglomerat, dass Kamprad aufgebaut hat. Das Herzstück bilden aber weiterhin die Ikea-Möbelhäuser. Mittlerweile gibt es 403 in 49 Ländern von ihnen. Fast eine Milliarde Menschen besuchten im vergangenen Jahr die Einrichtungshäuser.

Nach dem Tod seiner Frau kehrte er aus der Wahlheimat Schweiz in seine Heimat nach Südschweden zurück. Der Mann, der zu den reichsten Menschen der Welt zählte, dieser manchmal kauzige Unternehmer mit ausgebeulten Hosen und durchgescheuertem Sakko kokettierte oft und gern mit seiner Sparsamkeit. Die Anekdötchen vom Milliardär, der immer nur Holzklasse fliegt und den Pensionärsrabatt in der U-Bahn nutzt, sind vielfältig – zum Teil auch wahr. Aber es ist auch überliefert, dass Kamprad früher einen Porsche fuhr. „Aber nie schneller als 70 Stundenkilometer“, versuchte er den deutschen Sportwagen zu einem Alltagsgefährt zu machen.

Vor einigen Jahren geriet er allerdings in die Schlagzeilen als herauskam, dass er als Jugendlicher mit den Nazis sympathisiert hatte. Dafür entschuldigte er sich bei Mitarbeitern und der Öffentlichkeit. Sie haben es ihm verziehen.